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Potsdam Bilanz: Was wurde aus dem Traum vom modernen Weinberg in Potsdam
Lokales Potsdam Bilanz: Was wurde aus dem Traum vom modernen Weinberg in Potsdam
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18:04 10.07.2019
Andreas Kramp, Projektleiter des Königlichen Weinbergs mit den Jubiläumswein der Traube „Regent“ aus dem Jahr 2018. Quelle: Jan Russezki
Potsdam

Vor exakt 250 Jahren wurde der Traum von Friedrich II. wahr: Er ließ am Klausberg den Königlichen Weinberg in Potsdam anlegen. Auch viele Jahre später wird vom Weinberg geträumt. Zum diesjährigen achten Königlichen Weinfest zieht Projektleiter Andreas Kramp Bilanz, welche Vorhaben zum Jubiläum erfolgreich umgesetzt wurden. Und er stellt den „Jahrtausendwein“ der aktuellen Ernte vor.

Frisch sanierte Gewächshäuser, ein kleines Museum, in dem auch Wein probiert und gekauft werden kann, und historisch restaurierte Dächer für neue Weinreben. Davon träumten 2015 die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und die Mosaik-Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Bis 2019 wollten sie die „Vision 2019“ vom Projekt „Königlicher Weinberg“ umsetzen.

„Vision 2019“: Gärtnerisch ein Erfolg

Andreas Kramp sieht die Vision zumindest in Teilen erfüllt: „Gärtnerisch haben wir alles umgesetzt, was wir konnten“, sagt er und zählt die Erfolge auf: 3000 Rebstöcke sind gepflanzt, davon sogar 40 historische aus Zeiten des Friedrich des Großen. An den sogenannten Lepère‘schen Mauern reifen Birnen, Äpfel, Pfirsiche und natürlich Wein.

Die Weinrebe des "Regent"-Rotweines aus dem Jahr 2018. Es ist einer der Jubiläumsweine: Vor 250 Jahren wurde der Südhang des Potsdamer Klausbergs angelegt. Quelle: Jan Russezki

Nur die historischen Lazaroläpfel, die gar keine Äpfel sind, sondern Beeren, fehlen. „Sie kommen aus dem Mittelmeerraum und sind in Deutschland selten. Die konnten wir bisher nicht auftreiben“, erklärt Kramp. Abgeschrieben ist diese Vision aber nicht: „Wir hören uns weiter um und sind immer noch heiß darauf“, sagt er.

„Vision 2019“: Bautechnisch unausgereift

Anders steht es um die Talutmauern am Drachenberg. Ziel war es, die Vordächer über den Reben historisch gerecht zu sanieren und die Rebstöcke darunter zu erhalten. Die 750 Meter lange Mauer wurde einst „der gläserne Berg von Potsdam“ genannt, weil die Weinreben in verglasten Gärten standen. „Wir haben bisher nur eine zehn Meter lange Musterachse angelegt, die wie zu Wilhelms Zeiten verglast ist“, sagt Kramp. 16.000 Euro hat allein das gekostet.

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Für die Gärtner sind die Verglasungen eher von Nachteil: „Es ist aufwendig, die Scheiben jedes Mal aus dem Rahmen zu nehmen“, erklärt Kramp. Ob die 750 Meter tatsächlich komplett verglast werden, weiß er nicht. „Das wird sehr teuer und ist aufwendig. Wir müssen uns noch mal überlegen, ob wir das wollen“, sagt er freiheraus.

Änderungen der „Vision 2019“

Auch das Heizhaus auf dem Weinberg, das aktuell eine Ausstellung zur Geschichte des Weinbergs zeigt, wird anders gestaltet. „Es soll ein Informationszentrum bleiben – allerdings ohne Hofladen, weil es sich bei den wenigen Laufkunden nicht lohnt“, korrigiert Kramp die „Vision 2019“.

Statt des Hofladens soll ein Raum für Events und Weinverkostungen entstehen. Die Kosten: Geschätzt 250.000 Euro. Ein Teil des Geldes ist schon als Spende eingegangen – außer neuen Sanitäranlagen sei im Heizhaus aber noch nicht viel passiert. „Die denkmalgeschützten Gebäude sind die Baustellen für die nächsten fünf Jahre“, sagt Kramp.

Zur „Vision 2019“ fehlt das Geld

Es ist vor allem die Finanzierung, die die „Vision 2019“ trübt. „Die Stiftung hat das Geld nicht. Wir sind auf Mäzene angewiesen“, gibt Kramp zu. Deswegen sei auch bei der Sanierung der Gewächshäuser auch nichts passiert. Dort stellen aktuell Studenten eine Schadensanalyse auf, die dann als Planungsgrundlage dient.

250 Jahre Südhang des Potsdamer Weinberges: Die Jubiläumsweine stammen aus dem sonnigen Jahr 2018. Es ist ein Phoenix (Weißwein) und ein Regent (Rotwein). Quelle: Jan Russezki

Ob der Königliche Weinberg erhaltenswert ist, können potenzielle Spender beim Königlichen Weinfest bei Potsdamer Wein überlegen.

8. Königliches Weinfest im Park Sanssouci

Das achte Königliche Weinfestfeiert am 12. und 13. Juli die vor 250 Jahren angelegten Weinreben am Südhang des Klausberges. Der Eintritt zum Fest und zu den Seminaren ist kostenlos.

Im Programm sind Winzer aus allen Weinanbaugebieten Deutschlands sowie jeweils ein zusätzlicher aus Brandenburg und Frankreich. Eröffnet wird das Fest um 17 Uhr von der deutschen Weinkönigin Carolin Klöckner. Sie wird auch eines der Seminare zu Themen rund um den Wein halten. Die Veranstalter erwarten auch in diesem Jahr 3000 Besucher.

Die Jubiläumsweine sind für Andreas Kramp „Jahrhundertweine“. Es sind ein Weißwein der Rebsorte „Phoenix“ und ein roter „Regent“. Beiden kam die Hitze 2018 zugute: Sie haben einen hohen Zuckerwert. Die jeweils erste Flasche wird beim Weinfest versteigert.

Der Weißwein, von dem es nur 600 Flaschen gibt, ist ein für Brandenburg untypischer, weil nicht saurer und ausgereifter Wein.

Der Rotwein hat eine leichte Kirschnote, ist aber zu früh geerntet worden. Kramp empfiehlt, ihn zwei Jahre in der Flasche nachreifen zu lassen.

In den nächsten Jahren können Weinliebhaber auch auf neue Weine hoffen. Das Projekt legt aktuell einen zweiten Weinberg in Königs-Wusterhausen an. Auf 5000 Quadratmetern sollen ein weißer Muscaris und ein roter Cabaret noir angebaut werden. Dann könnten bei den zukünftigen Königlichen Weinfesten noch mehr Weine aus der Region angeboten werden.

Von Jan Russezki

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