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Potsdam „Abend über Potsdam“
Lokales Potsdam „Abend über Potsdam“
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11:47 05.04.2017
„Abend über Potsdam“ von Lotte Laserstein. Quelle: Nationalgalerie Berlin
Potsdam

„Abend über Potsdam“ ist der Titel eines Schauspiels, das am Freitag in einer Uraufführung am Potsdamer Hans-Otto-Theater Premiere hat. Erzählt wird die Geschichte eines Bildes von Lotte Laserstein (1898-1993), dessen Ankauf durch die Berliner Nationalgalerie im Jahr 2010 als Sensation gefeiert wurde. „Jetzt bildet es in einem eigenen Saal den fulminanten Auftakt für die Kunst der Moderne in der Neuen Nationalgalerie“, schrieb die Frankfurter Allgemeine.

Das um 1930 zur Endzeit der Weimarer Republik entstandene Gemälde zeigt fünf junge Großstädter beim Picknick auf einer Dachterrasse vor dem wolkenverhangenen Panorama der Potsdamer Innenstadt. Die Gruppe, teils stehend, teils sitzend, starrt und schweigt gedankenschwer. Selbst der Schäferhund unterm Tisch scheint bedrückt. Der „Abend über Potsdam“ ist voller Vorahnung. Das Wissen um die Ereignisse der nachfolgenden Jahre macht es zum Schlüsselbild.

Lotte Laserstein bei der Arbeit an „Abend über Potsdam“. Quelle: Wanda von Debschitz-Kunowski

Lotte Laserstein, die ab 1921 als eine der ersten Frauen überhaupt an der Akademischen Hochschule für bildende Künste in Berlin studierte, schien beste Aussichten zu haben. „Die Künstlerin gehört zu den allerbesten der jungen Maler-Generation“, schrieb 1929 das Berliner Tageblatt, „ihr glanzvoller Aufstieg wird zu verfolgen bleiben!“ Unter den Nazis wurde sie zur Verfolgten. Zur „Dreivierteljüdin“ erklärt, drängte man sie aus dem Kunstbetrieb. 1937 emigrierte Lotte Laserstein nach Schweden, wo sie auch nach dem Krieg bleiben sollte. Ihre Schwester überlebte in einem Versteck, die Mutter starb 1943 im KZ Ravensbrück.

Als Höhepunkt des Werks der Malerin gelten ihre zwischen 1927 und 1933 geschaffenen Bilder von modernen Menschen in der Weltstadt Berlin. Mit Potsdam gibt es von ihr nur das eine bedeutende Gemälde. 1950 malte sie sich im „Selbstporträt vor Abend über Potsdam“ klein und zerbrechlich, dem „Abend“ selbst gab sie rückblickend den Titel „Meine Freunde“. Über Jahrzehnte in Vergessenheit, brachte der Künstlerin erst 1987 eine Ausstellung in London internationale Anerkennung.

Der Direktor der Nationalgalerie, Udo Kittelmann, würdigte „Abend über Potsdam“ 2010 als „bravouröses Beispiel für jene figurativen Tendenzen, die sich parallel zu den Avantgarde-Bewegungen entwickelten, doch jahrzehntelang vernachlässigt oder gar ignoriert“ worden seien. „Lotte Laserstein – diesen Namen wird man sich merken müssen“, schrieb Arsprototo, das Magazin der Kulturstiftung der Länder, die den Ankauf des Gemäldes für eine halbe Million Euro finanziell unterstützt hatte.

Stefan Pietryga mit seiner Kopie des Gemäldes „Abend über Potsdam“. Quelle: Bernd Gartenschläger

In Potsdam fand der Erwerb des Gemäldes zunächst leisen Widerhall. Auf CDU-Antrag wurde Lotte Laserstein Anfang 2011 für die Ehrung mit einem Straßennamen vorgemerkt. Der Künstler Stefan Pietryga will das Bild zeitweilig oder als Dauerleihgabe nach Potsdam holen: „Warum nicht ins Potsdam-Museum? Es ist ein Bild, das zu den Menschen hier gehört.“ In seinem Atelier im Potsdamer Kunsthaus Rechenzentrum hängt als maßstabsgetreue Kopie ein Aquarell, das er im Frühjahr 2016 in einer Gemeinschaftsausstellung mit der Potsdam-Fotografin Ursula Edelmann in Frankfurt am Main zeigte.

HOT-Schauspielerin Marianna Linden als Lotte Laserstein. Quelle: HOT/HL Böhme

Das Potsdam-Museum verfolgte im letzten Jahr begleitend zur Inszenierung des Theaters die Idee einer Studio-Ausstellung über Lotte Laserstein. Erste Kontakte nach Berlin gab es bereits, so Direktorin Jutta Götzmann, das Projekt musste jedoch wegen möglicher Bauarbeiten im geplanten Zeitraum abgesagt werden. Das Theater hat den Dramatiker Lutz Hübner („Frau Müller muss weg“) mit dem Stück über die Entstehung des Gemäldes beauftragt. Es beginnt mit dem Treffen auf der Terrasse.

Traute Rose, das Lieblingsmodell der Künstlerin ist auf dem Gemälde links platziert, schilderte später, wie die mehr als zwei Meter breite Holztafel für das Bild „mit der Berliner S-Bahn nach Potsdam transportiert, dann weiter mit der Pferdekutsche“ gebracht wurde. Das Panorama entstand vor Ort, die Gruppe in langen Sitzungen im Atelier in Wilmersdorf.

Fakten und Fiktion

Lutz Hübner und seine Ko-Autorin Sarah Nemitz haben im Auftrag des Potsdamer Hans-Otto-Theaters ein Stück über die Entstehung des Gemäldes „Abend über Potsdam“ von Lotte Laserstein geschrieben.

In einer Verknüpfung von Fakten und Fiktion erzählen sie von der Entstehung des Bildes inmitten der politischen Umbruchszeit von 1929/1930.

Zur Eröffnung gruppiert Lotte Laserstein (Marianna Linden) ihre Modelle auf einer Terrasse in einer Abendmahlszene mit Blick über die Stadt. In den folgenden Monaten während der Atelierarbeit am Bild verändert sich die politische Stimmung im Land und mit ihr das Verhalten in der Gruppe.

Regie führt Isabell Osthues, die am Hans-Otto-Theater mit „Richtfest“ und „Frau Müller muss weg“ bereits mehrere Stücke von Lutz Hübner inszenierte.

Die ausverkaufte Premiere ist am Freitag um 19.30 Uhr. Die nächsten Vorstellungstermine sind am Sonnabend (als Ersatz für die krankheitsbedingt abgesagten „Familiengeschäfte“ von Alan Ayckborn), sowie am 15. und 16. April.

Von Volker Oelschläger

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