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Potsdam Abkürzung durch den Hof des Stadtschlosses
Lokales Potsdam Abkürzung durch den Hof des Stadtschlosses
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20:18 19.11.2018
Eine Durchfahrt würde gleich rechts vom goldenen Schriftzug durch den mit Pilastern geschmückten, hervorspringenden Fassadenteil führen.
Eine Durchfahrt würde gleich rechts vom goldenen Schriftzug durch den mit Pilastern geschmückten, hervorspringenden Fassadenteil führen. Quelle: Peter Degener
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Innenstadt

Die Initiative Mitteschön fordert vier Jahre nach Eröffnung des Potsdamer Landtags den nachträglichen Einbau der historischen Kutschdurchfahrten, die vom Steubenplatz quer durch den Schlosshof zur Humboldtstraße führten. Beim neuen Landtag hatte man aus Platzgründen darauf verzichtet. Die Flächen wurden für Büros gebraucht.

Mitteschön: „Wir wollen den Schlosshof stärker öffnen“

„Wir wollen den Schlosshof stärker öffnen. Das Problem der Fluchtwege bei Veranstaltungen im Hof wäre gelöst“, erklärt Ulrich Zimmermann von der Initiative. Als weitere Effekte nennt er eine mögliche Abkürzung für Fußgänger Richtung Bahnhof – die Bürger könnten auch den Radfahrern an der wegen ihrer Unübersichtlichkeit so gefährlichen Ecke des Landtags am Hotel Mercure entgehen.

Beim Holzmodell des Stadtschlosses in der Dauerausstellung des Potsdam-Museums sind die Durchfahrten gut erkennbar. Das Modell wurde von Walter Kerk (1892-1971) Anfang der 1960er Jahre vor dem Abriss der Schloss-Ruine im Auftrag der staatlichen Denkmalpflege Berlin geschaffen. Es ist Eigentum der Stiftung Preußische Schlösser & Gärten und als Dauerleihgabe im Potsdam-Museum Quelle: Potsdam-Museum

„Diese Räume im Erdgeschoss werden vom Landesrechnungshof und von der Landtagsverwaltung genutzt“, sagt Zimmermann. Da der Rechnungshof Anfang 2019 aus Platzgründen das Landtagsgebäude verlassen soll, sieht die Initiative dies als Chance, die schmucklos gehaltenen Durchbrüche zu schaffen.

Zwölf Büros würden durch die Durchfahrten wegfallen

Die Landtagspräsidentin Britta Stark (SPD) und der Architekt des Gebäudes, Peter Kulka, sind davon überrascht. „Die Initiative Mitteschön ist mit dem Aufruf bisher nicht auf den Landtag zugekommen“, sagte Stark auf Anfrage der MAZ. Wegen „urheberrechtlicher sowie statischer Aspekte hat die Landtagsverwaltung erhebliche Bedenken gegen eine Wiederherstellung der historischen Durchfahrten“, sagt Stark. Hinzu kämen weitere Fragen – etwa, ob auf der Seite der Humboldtstraße die Tiefgarageneinfahrt verlegt werden müsste und inwiefern die wegfallenden Räume kompensiert werden könnten.

An der Humboldtstraße würde die Durchfahrt genau hinter der Einfahrt zur Tiefgarage liegen. Quelle: Varvara Smirnova

Die Verwaltung spricht von zwölf Büros, die durch den Einbau der Torwege wegfallen würden. Auch das Sicherheitskonzept des Landtags müsste aufwendig überarbeitetet werden. Es sei „mit erheblichen Kosten zu rechnen“, heißt es von der Landtagsverwaltung. „Die baulichen Aufwendungen sind überschaubar“, behauptet dagegen die Initiative Mitteschön.

Mit dem Architekten Peter Kulka hat noch niemand gesprochen

Peter Kulka, der als Architekt des 2014 eröffneten Landtags die Urheberrechte am Neubau im Gewand des Stadtschlosses hat, ist ebenfalls überrascht, als er von der Idee hört. „Mit mir hat bislang niemand darüber gesprochen, ich weiß nichts davon. Aber bei so einer Diskussion möchte ich mitgenommen werden“, sagt er der MAZ.

Reversibel sei alles, die Durchfahrten technisch kein Problem. Jedoch habe man die Durchfahrten ganz bewusst weggelassen, um so mehr Räume für den Landtag zu gewinnen, sagt Kulka. Der Architekt wies auch darauf hin, dass dann aus Sicherheitsgründen auch der Steubenplatz mit Pollern versehen werden müsste. „Manchmal wird es nicht schöner, wenn alles verpollert wird“, sagte er. „Wenn es Sinn macht, bin ich nicht dagegen“, räumt er allerdings ein.

So sehen die Durchfahrten in der Simulation von Mitteeschön aus. Quelle: Arstempano/Mitteschön

Im Frühjahr 2019 kommen weitere Skulpturen auf das Dach

Echte Veränderungen am Erscheinungsbild des Landtags wird es trotz alledem im Frühjahr geben. Auf das Dach kommen die ersten zwei Attika-Skulpturen entlang der Humboldtstraße. Im Hof wird der Stadtschlossverein eine noch beschädigte Skulptur mit einer Spendenbox aufstellen, die von Peter Kulka entworfen wurde. Das dort gesammelte Geld dient der Wiederherstellung weiterer Figuren.

Von Peter Degener