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Potsdam Abraham Geiger Kolleg bekommt eigenes Haus
Lokales Potsdam Abraham Geiger Kolleg bekommt eigenes Haus
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17:42 23.04.2018
Das Hofgärtnerhaus wird bald drei jüdische Lehr- und Forschungsstätten beherbergen. Quelle: Rüthnick Architekten
Sanssouci

Drei jüdische Studieneinrichtungen aus Potsdam und Berlin bekommen ein gemeinsames Gebäude in der brandenburgischen Landeshauptstadt. Am Rande des Schlossparkes Sanssouci wird bis Ende 2019 ein früheres königliches Hofgärtnerhaus für 11,3 Millionen saniert und erweitert als Sitz des liberalen Abraham Geiger Kollegs (AGK, Potsdam), des konservativen Zacharias Frankel Colleges (ZFC, Berlin) und des Institutes für jüdische Theologie (SJT, Potsdam);.

Die entsprechende Widmung des Gebäudes wurde am Montag im Beisein hochrangiger jüdischer und christlicher Theologen und Führungskräfte vollzogen, die das Projekt als „Zeichen gegen den wiedererstarkenden Antisemitismus“ sehen. Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) bekräftigte, seine Stadt trete jederzeit gegen Antisemitismus, Rassismus und Extremismus auf und sei ein „Zentrum des jüdischen Glaubens“. Immerhin hätten die beiden jüdischen Gemeinden in der Stadt inzwischen wieder über 400 Mitglieder. 1925 hatte die Synagogen-Gemeinde als damals einzige in Potsdam noch 600, doch ließ die brutale Verfolgung durch die Nazis die aktive Gemeinde auf 100 im Jahre 1941 schrumpfen; weitere 40 lebten in einem Babelsberger Altenheim. Das jüdische Leben in Potsdam war im Zuge des nationalsozialistischen Völkermordes fast völlig ausgelöscht. „Nach der Shoa“, so Jakobs, „war alles anders.“ Der dieser Tage auf einem Video dokumentierte antijüdische Angriff im Berliner Stadtbezirk Prenzlauer Berg zeige, dass „Gewalt gegen Juden nicht nur Erinnerung“ ist, „sondern aktuelle Gegenwart“.

Im früheren Hofgärtnerhaus und der Orangerie des Neuen Palais im Park Sanssouci entsteht bis Ende 2019 eine gemeinsame Lehr- und Forschungsstätte des liberalen Abraham Geiger Kollegs, des konservativen Zacharias Frankel College und der Schule für jüdische Theologie

Maik Dainow, Vize-Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, sieht in dem neuen Haus eine „Stärkung des jüdischen Lebens, der demokratischen Werte und Deutschlands“. Hier treffe „der Glanz der Vergangenheit“ auf „das Leuchten der Zukunft“, freute er sich. Potsdam biete dem Judentum Raum zur Entfaltung.

Trotzdem fürchten die Einrichtungen und das Land Brandenburg als Bauherr Sachbeschädigungen und Übergriffe gegen das Projekt.

Das 1763-69 durch Carl von Gontard errichtete Hofgärtnerhaus mit einer angeschlossenen Orangerie zum Überwintern frostempfindlicher Gehölze war bis vor zwei Jahren noch bewohnt; in der Orangerie war zu DDR-Zeiten sogar eine Turnhalle eingerichtet worden.

In der einstigen Orangerie war zu DDR-Zeiten eine Sporthalle untergebracht Quelle: Rainer Schüler

In dem historischen Bau mit der säulenbestandenen Schaufassade kommen Seminar- und Büroräume für das Abraham Geiger Kolleg und das Zacharias Frankel College unter , in einem eineinhalbstöckigen Anbau wird eine Synagoge eingerichtet, die der Lehre und der aktiven Religionsausübung dient und dafür auch verschiedene Eingänge hat.

Jüdisches Leben in Potsdam

In Potsdam gibt es drei jüdische Gemeinden: die Synagogengemeinde, die Jüdische Gemeinde Stadt Potsdam und die Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde Brandenburg.

Die erste jüdische Gemeinde in Potsdam wurde 1740 gegründet, ab dem Jahr 1743 kam ein Begräbnisplatz auf dem heutigen Pfingstberg dazu. Jechiel Michel aus Polen wurde 1760 in der Gemeinde Potsdam Rabbiner.

Im Jahr 1767 baute die Gemeinde ihre erste Synagoge in der Plantage Nr. 1 im Hinterhaus. Zu diesem Zeitpunkt gab es 34 Männer, 36 Frauen und eine nichtgezählte Menge an Kindern in der jüdischen Gemeinde. Am 10.12.1767 ist die neue Synagoge eingeweiht worden.

Doktor Samuel Apolant hat 1851 das Amt des Rabbiners in der zweiten Synagoge übernommen, die 1802 eingeweiht wurde. Gleichzeitig wurde der jüdische Frauenverein gegründet.

Danach wurde 1903 eine neue Synagoge am Wilhelm Platz, dem heutigen Platz der Einheit, eingeweiht. Sie wurde in der Reichskristallnacht 1938 angegriffen und geschändet. Im April 1945 wurde durch einen Luftangriff mit Brandbomben die Synagoge so stark beschädigt, dass das Gebäude nicht wieder aufgebaut werden konnte und die Ruine später abgerissen werden musste. Heute erinnert uns nur noch eine Gedenktafel daran, dass dort eine Synagoge stand.

Das 1999 gegründete Abraham Geiger Kolleg in Potsdam ist ein Rabbinerseminar, ein An-Institut der Universität Potsdam in der Bundesrepublik Deutschland und die erste entsprechende Neugründung in Kontinentaleuropa nach der Shoa. Es ist nach Abraham Geiger, einem wichtigen Vertreter des liberalen Judentums in Deutschland, benannt und wurde von den Rabbinern Walter Jacob und Walter Homolka ins Leben gerufen. Rektor des Kollegs ist seit Beginn Walter Homolka. Seit 2008 bildet es auch Kantoren aus.

Seit 2001 ist das Abraham Geiger Kolleg Mitglied der World Union for Progressive Judaism. Seine Absolventen sind seit 2005 durch die Central Conference of American Rabbis akkreditiert. Die Ordination des ersten Jahrgangs erfolgte am 14. September 2006: Daniel Alter, Tomáš Kučera und Malcolm Mattitiani wurden zu Rabbinern bestellt. Alter betreute von September 2006 bis Juli 2008 die Jüdische Gemeinde Oldenburg, Kucera betreut die Liberale Jüdische Gemeinde München Beth Shalom. Mattitiani kehrte nach Südafrika zurück und übernahm die geistliche Leitung der Temple of Israel Congregation in Kapstadt.[1] Dies war die erste Ordination seit 1942 in Deutschland, als die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin durch die Gestapo geschlossen wurde.

Die fünfjährige Ausbildung erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Kollegium Jüdische Studien. Sie schließt mit einem Magister in Jüdischen Studien ab. Das Kolleg ist ein An-Institut der Universität Potsdam. Es wird aus Mitteln der Bundesrepublik Deutschland, der Kultusministerkonferenz aller deutschen Bundesländer, des Zentralrats der Juden in Deutschland, des Landes Brandenburg und der Leo Baeck Foundation gefördert.

2007 wurde das Kolleg als „Ort im Land der Ideen“ ausgezeichnet, einer Standortinitiative unter Schirmherrschaft von Bundespräsident Horst Köhler. Die gleiche Auszeichnung erhielt 2009 die Kantorenausbildung.

2010 wurde Alina Treiger als erste Frau in Deutschland nach der 1944 ermordeten Regina Jonas durch das Kolleg zur Rabbinerin ordiniert.

Das Zacharias Frankel College ist ein An-Institut der Universität Potsdam und bildet konservative/Masorti Rabbiner aus. Das 2013 eröffnete College ist die fünfte Ausbildungsstätte für Rabbiner und Rabbinerinnen der konservativen/Masorti Bewegung.

Das Studium dauert in der Regel fünf Jahre, in denen die Studierenden einen BA und MA Abschluss in Jüdischer Theologie von der Universität Potsdam erhalten, sowie an verschiedenen Kursen am Zacharias Frankel College teilnehmen, die zur Ordination führen. Die Studierenden verbringen außerdem ein Jahr an der Conservative Yeshiva in Jerusalem und absolvieren Praktika in einer Synagoge und/oder pädagogischen Einrichtung.

Als erste Absolventin hat Nitzan Stein Kokin ihre Ausbildung am Frankel College abgeschlossen. Sie wurde am 18. Juni 2017 / 24. Sivan 5777 feierlich im Gemeindehaus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin in der Fasanenstraße ordiniert.

Mit der Eröffnung der School of Jewish Theology 2013 an der Universität Potsdam erfüllte sich nach fast zweihundert Jahren die Forderung nach der Gleichberechtigung der jüdischen Theologie mit den christlichen Theologien und den Islam-Studien an einer deutschen Universität. Der in Europa einmalige Studiengang steht Interessenten unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit offen und spannt einen Bogen von Philo von Alexandrien über die theologischen Werke des Mittelalters zu den Denkern und Diskursen der Moderne.

Das „Turnhallengebäude“ der früheren Orangerie bleibt als Innengebäude eines darübergestülpten Neubaus erhalten; hier zieht die Theologie-Schule ein.

Die alte Orangerie bleibt erhalten, wird aber modern überbaut Quelle: Rüthnick Architekten

Das baugleiche Pendant des Nordtorgebäudes südlich des Neuen Palais wurde bereits zwischen 2011 und 2013 durch die Rüthnick Architekten Berlin zu einem Besucherzentrum für das Neue Palais umgebaut; sie bauen auch das andere Torhaus um.

Von Rainer Schüler

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