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Potsdam Brauer ernten Hopfen im Lustgarten – Gärtner sauer
Lokales Potsdam Brauer ernten Hopfen im Lustgarten – Gärtner sauer
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17:44 27.09.2019
Umstrittene Hopfenernte im Neuen Lustgarten von Potsdam Quelle: Rainer Schüler
Innenstadt

Das erste Mal seit der Neugestaltung des Lustgartens zur Bundesgartenschau 2001 ist dort Hopfen geerntet worden. 45,7 Kilo holten die Bierbrauer vom Forsthaus Templin von der Rankanlage, die das Fest- und Sportgelände von dem Parkplatz vor dem Bahndamm trennt.

Doch die Erntemethode der Bierbrauer macht die Gärtner wütend, die für die Pflege dieses gartenbaulichen Elementes des Lustgarten verantwortlich sind. Denn viele Ranken wurden in Knie- oder Schulterhöhe durchgeschnitten, zum Teil gleich mit dem Rankdraht.

Hopfenpflanzen werden zur Ernte gekappt

Übrig blieben unten eine grünende Pflanze und oben ein mehrere Meter langer Rest, der immer mehr vertrocknet. „Das sieht so schrecklich aus; man mag hier gar nicht mehr arbeiten“, ärgert sich Staudengärtnerin Annette Liepke (58): „Mein Herz blutet.“ Wenn die Brauer schon Hopfen ernten, müssten sie auch die ganze Pflanze abnehmen und dürften nicht einfach die Drähte zerschneiden: „Wer knüpft dann wieder neue an? Wir! Aber das müssen die machen.“

Liepke sorgt in diesen Tagen für ein möglichst schönes Erscheinungsbild der Anlage, sticht die Rasenflächen darin ab, damit sie nicht in den Wuchsbereich des Hopfens wuchern. Jedes Jahr hätten die Gärtner die Ranken gekappt, aber die Kletterdrähte nicht gekappt, sagt sie. „Aber das wird überall gemacht, wo man Hopfen erntet“, sagt Thomas Köhler von der Braumanufaktur. Er verteidigt die Methode, die Rankdrähte zu kappen, um an den Hopfen zu kommen. Das werde in den traditionellen Anbaugebieten sogar per Maschine erledigt, sagte er der MAZ. Der Hopfen müsse ohnehin zurückgeschnitten werden, und loslösen vom Draht könne man ihn nur extrem zeitaufwändig. „Keiner tut das“, fügt sein Kompagnon Jörg Kirchhoff hinzu: „Es ist viel schneller und einfacher, einen neuen Draht anzuknüpfen. Die Gärtner haben keine Ahnung von der Hopfenernte!“

Gärtner waren über Ernte informiert

Obwohl Hopfen mehrjährig ist, würden im Rahmen der laufenden Pflege jährlich etwaig abgestorbene Pflanzen ersetzt, berichtet Sebastian Brandner als Sprecher des kommunalen Konzerns ProPotsdam, zu dem auch der Entwicklungsträger gehört, der wiederum mehr betreut als das einstige Buga-Gelände im Bornstedter Feld. Die für die Pflege verantwortlichen Mitarbeiter der beauftragten Berlinere Gartenbaufirma seien „vorab über die Ernte informiert“ worden. „Seitens des ETBF bestehen keinerlei Einwände gegen die Ernte, da der Hopfen ohnehin im Herbst, spätestens jedoch im Frühjahr, zurückgeschnitten wird“, so Brandner: „Dieser obligatorische Pflegerückschnitt wird derzeit durchgeführt. In diesem Zusammenhang werden vertrocknete Pflanzenteile entfernt sowie alle defekten oder fehlenden Rankdrähte ersetzt. Für die in diesem Jahr durchgeführte Ernte, die vorrangig Promotion-Zwecken diente, wurde kein Entgelt erhoben.“ Die Ernte hat den ETBF nichts gekostet und führt laut Brandner zu keinem finanziellen Mehraufwand bei der Pflege der Anlage.

Innenminister wollte Jubiläums-Bier

Das eigentliche Idee indes wurde im Innenminsterium geboren, die zum 25. Geburtstag der Fregatte „Brandenburg“ am 14. Oktober und aus Anlass ihrer 25-jährigen Partnerschaft mit dem Bundesland Brandenburg mit etwas Besonderem aufwarten wollte und bei der Braumanufaktur anfragte, ob sie dazu ein Jubiläums-Bier brauen könnte. Das könnten sie, wenn sie denn Hopfen aus dem Land Brandenburg bekämen. Das Ministerium kontaktierte die Stadt und Wirtschaftsförderchef Stefan Frerichs den Entwicklungsträger Bornstedter Feld (ETBF), der auch für den Lustgarten verantwortlich ist.

Erstmals ist im Lustgarten Hopfen geerntet worden. Die Braumanufaktur Forsthaus Templin erzeugte damit 500 Liter Bier zum 25. Geburtstag der Fregatte „Brandenburg“, verärgerte aber damit Gärtner.

Die Braumanufaktur möchte die Plantage im Lustgarten als erste Biohopfen-Anlage im Osten Deutschlands eintragen lassen und künftig jedes Jahr abernten. Sie hat ein Potenzial von rund 100 Kilogramm, wenn man zeitiger erntet als dieses Jahr: „Wir sind eine Woche zu spät gekommen“, sagt Kirchhoff, der Instandsetzungsbedarf für die Anlage sieht: Die beiden Stacheldrähte, die oben alle Kletterdrähte halten, seien ungeeignet und zu schwach. Wenn die Pflanzen gut tragen, könnten sie reißen: „Da muss ein richtiges Stahlseil ran.“ Zudem seien einige Tragbalken „wackelig“. Immerhin ist die Anlage schon zur Bundesgartenschau 2001 angelegt worden, als man auch den bis dahin eher platten Lustgarten gärtnerisch und als Festplatz gestaltete.

Starkbier für „Brandenburg“-Fregatte

Die erste Ernte erfolgte am 9. September und erbrachte 5,7 Kilogramm. Damit wurden in der Museumsbrauerei Paaren/Glien rund 500 Liter Starkbier für die Fregatte „Brandenburg“. Deshalb kamen auch Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) und die SPD-Bundestagsabgeordnete Manja Schüle. Die zweite Ernte am 20.September war viel reicher; immerhin zehn Arbeitskräfte der Brauerei brachten sie ein. Im Gegensatz zu Gärtnerin Annette Liepke versichert Köhler, die Anlage in einem „sauberen, ordentlichen Zustand hinterlassen“ zu haben. Man habe etwa ein Viertel der Pflanzen noch beernten können und dafür die Leitdrähte oben und unten gekappt: „So wird Hopfen immer geerntet. Wenn man probieren würde, die Ranken von unten runterzuziehen oder abzuwickeln, schädigt man die Hopfendolden zu stark.“ Die Leitdrähte würden dann im Frühjahr wieder neu gespannt und die Pflanze an den Draht angelegt.

Die abgetrennten Teile der Ranke vertrocknen und müssen entfernt werden. Quelle: Rainer Schüler

Im Herbst verwelken die oberirdischen Teile des Hopfens und müssen entfernt werden. Die Hopfendolden werden braun und unbrauchbar, sind es jetzt bereits. Würde man Bier mit solchem Hopfen brauen, würde es muffig schmecken, sagt Köhler.

Bier auch für 30 Jahre Deutsche Einheit

Dem Fragattenbier passiert das nicht, auch nicht den Sorten zur Grünen Woche und für die Potsdamer Bundesfeier zum 30. Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2020. Weil die Brauer vom Forsthaus Templin keine eigene Trocknungsanlage haben, froren sie den Hopfen dafür ein. Rund 7000 Liter sollen es werden für beide Veranstaltungen.

Der Lustgarten war die älteste Gartenanlage Potsdams. Angelegt wurde er unter dem Großen Kurfürsten Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg um 1660 als Teil des Gesamtensembles Stadtschloss, Alter Markt und Havelufer. Seine endgültige Gestalt erhielt er Anfang des 19. Jahrhunderts (1829) durch Peter Joseph Lenné. Kurze Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurden an diesem Standort ein Stadion und ein Hotelhochhaus erbaut. Das Ernst-Thälmann-Stadion, 1948/49 für 15.000 Zuschauer errichtet, war eine Fußball- und Leichtathletik-Arena; sie wurde 1999 abgerissen.

Zur Bundesgartenschau 2001 wurde der zwischen Havelufer und Filmmuseum Potsdam gelegene Lustgarten dann in moderner Gestalt und mit vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten neu angelegt. Die Ringerkolonnade und das Neptunbassin wurden restauriert, ein Stadtplatz und Gartenanlagen geschaffen. Der Stadtplatz an der Breiten Straße dient zahlreichen Veranstaltungen wie Stadtfesten, Jahrmärkten, Zirkusveranstaltungen und Messen. Auf dem Lustgarten findet vom 27. September bis zum 5. Oktober das diesjährige Potsdamer Oktoberfest statt.

Von Rainer Schüler

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