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Potsdam Aktionstag für Alleinerziehende in Potsdam
Lokales Potsdam Aktionstag für Alleinerziehende in Potsdam
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01:15 22.09.2018
Janin Kwasny (26) lässt sich in Potsdam beim Aktionstag beraten – sie lebt mit ihrer dreijährigen Tochter allein.
Janin Kwasny (26) lässt sich in Potsdam beim Aktionstag beraten – sie lebt mit ihrer dreijährigen Tochter allein. Quelle: foto: Anne Knappe
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Am Anfang konnte sie noch in der Frühschicht arbeiten, dann wollte ihr Chef sie auch immer häufiger in der Spätschicht einsetzten. Sieben Jahre hat sie als Verkäuferin gearbeitet, bis ihr betriebsbedingt gekündigt wurde – alleinerziehend mit einer sehbehinderten Tochter. Das war vor einem Jahr. „Ich kenne von A bis Z alle Herausforderungen als Alleinerziehende“, sagt die 38-Jährige, die lieber anonym bleiben möchte. Seit der Geburt ihrer 12- jährigen Tochter meistert sie den Spagat zwischen Kind, Job und Haushalt. „Es ist eine Doppelbelastung, wirklich allen gerecht zu werden und alles unter einen Hut zu bekommen. Man nimmt sich selbst zurück und verausgabt sich“, erzählt sie. In ihren alten Job möchte sie nicht noch einmal zurück.

Auch Janin Kwasny (26) ist mit ihrer dreijährigen Tochter alleine. „Meine Mutter unterstützt mich. Würde ich sie nicht haben, wüsste ich nicht, wie ich klarkomme“, sagt sie. Nach der zweijährigen Elternzeit konnte sie noch den Sommer über als Verkäuferin in einem Imbiss arbeiten, bis sie vor die Tür gesetzt wurde. Eine neue Arbeit zu finden, fällt gar nicht leicht. Eine Stelle weiter außerhalb anzunehmen, kann sie kaum umsetzten. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln dauert alles länger, aber für ein Auto fehlt eben das Geld.

„Wenn man sich um alles alleine kümmern muss, ist die größte Herausforderung die Logistik, das heißt Wege und Fahrtzeiten zu klären“, bestätigt Katharina Schack, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsplatz der Agentur für Arbeit in Potsdam.

Um die Unterstützungsangebote bekannter zu machen, organisierte die Agentur für Arbeit gestern gemeinsam mit dem Jobcenter Potsdam und dem Projekt „Perspektive Wiedereinstieg“ einen Informationstag im Berufsinformationszentrum. An 15 Ständen und bei stündlich stattfindenden Vorträgen konnten sich Mütter und Väter gestern zu Themen wie Kinderbetreuung, Kindergeld, Arbeitszeitmodellen oder Wiedereinstieg in den Beruf beraten lassen.

„Die Zahl der alleinerziehenden Mütter und Väter steigt in Deutschland stetig. Allein in Potsdam sind aktuell fast 5 400 Familien in dieser Situation“, sagt Ramona Schröder, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Potsdam. 90 Prozent davon sind immer noch Frauen. Das geht aus dem aktuellen statistischen Jahresbericht der Stadt hervor. Die gute Nachricht: Die Arbeitslosigkeit der Alleinerziehenden ist insgesamt um rund 13 Prozent gesunken. So haben aktuell nur noch 385 aller alleinerziehenden Mütter und Väter in Potsdam keinen Job. „Es ist eine Personengruppe, die profitiert. Die Zahlen alleine geben aber keinen Anlass, sich zurückzulehnen“, sagt Isabell Wollig, Sprecherin der Arbeitsagentur Potsdam.

Besonders Menschen, die im Verkauf oder in der Pflege arbeiten, haben oft Schwierigkeiten haben, Beruf und Kind zu vereinbaren, weiß Katharina Schack. Aufgrund der späten Zeiten, können sie als Alleinerziehende den Beruf dann nicht mehr wie gewünscht ausüben. In ihren Beratungen zeigt sie Möglichkeiten zur Umschulung sowie Weiterbildung – und versucht auch Arbeitgeber von Teilzeitmodellen zu überzeugen. Obwohl in Potsdam der Fachkräftemangel noch nicht akut ist, beginnen Arbeitgeber jetzt umzudenken, weiß die Expertin.

Von Anne Knappe