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Potsdam Feuerbachstraße: Besetzer wieder auf freiem Fuß
Lokales Potsdam Feuerbachstraße: Besetzer wieder auf freiem Fuß
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10:59 20.10.2019
Bis zum Abend haben die Aktivisten das Haus in der Feuerbachstraße besetzt. Nun rückt die Polizei zur Räumung an. Quelle: Nadine Fabian
Potsdam

Seit Samstagnachmittag hatten linke Aktivisten das Haus Nr. 36 in der Feuerbachstraße besetzt. Sie treten „Gegen den weiteren Ausverkauf der Stadt“ auf, fordern soziale Freiräume, eine demokratische Stadtgesellschaft und für alle bezahlbaren Wohnraum.

Das Haus mit knapp 1200 Quadratmetern Wohnfläche, acht Wohnungen und Garten steht seit Jahrzehnten leer und ist das letzte unsanierte Haus in der beliebten Wohngegend – es verfällt zusehends.

Anwohner informierten gegen 13.30 Uhr die Polizei. „Nachbarn hatten mehrere Jugendliche dabei beobachtet, wie sie durch ein Kellerfenster in das Gebäude eingedrungen waren“, teilt Polizeisprecher Daniel Keip mit. Die Polizei nahm daraufhin Kontakt zum Eigentümer des Gebäudes – eine Erbengemeinschaft aus Frankfurt am Main – auf. Ein Vertreter der Eigentümer erstattete daraufhin Anzeige wegen Hausfriedensbruchs gegen die Besetzer, stellte Strafantrag und forderte das Gebäude zu räumen.

Dazu rückten Einsatzkräfte der Direktion Besondere Dienste mit einer Hundertschaft und mit dem SEK an. Die Fronten waren verhärtet. Rund 100 Unterstützer hatten sich an dem Haus versammelt und sich beim Anrücken der Polizei vor die Tür und auf die Straße gesetzt und „Haut ab, haut ab“ und „Die Häuser denen, die sie brauchen“ skandiert. Die Polizei sprach etliche Platzverweise aus und nahm die Besetzer – sechs Frauen und zehn Männer – in Gewahrsam. Gegen diese ermittelt nun die Polizei wegen Landfriedensbruch. Die Aktivisten konnten den Gewahrsam am Sonntagmorgen wieder verlassen, teilte Polizeisprecher Daniel Keip der MAZ mit. Verletzte habe es unter den Besetzern, Unterstützern und Polizisten nicht gegeben – lediglich ein Beamter habe ein leichte Blessur erlitten.

Im Video: Polizei räumt das Gelände

Die Motivation der Aktivisten

Auf Transparenten, die die Besetzer von der Fassade herabgelassen hatten, forderten sie "Fürstliche Räume für alle" und "Lebensräume statt Preußenträume" und erinnerten an die alte Fachhochschule - das Gebäude in der Potsdamer Mitte war lange Zeit hart umkämpft, bevor es im vergangenen Jahr abgerissen wurde.

Die Besetzer, die als „Phase 3“ auftreten und sich maskiert hatten, sprachen davon, „ein Haus zu öffnen“. Per Megafon hatten sie sich mehrmals an die Öffentlichkeit gewandt und ihre Forderungen verlesen. "Wie kann es angehen“, fragen sie, „dass Häuser spekulativ leer gehalten werden und ihr Verfall in Kauf genommen wird, während fehlender bezahlbarer Wohnraum mittlerweile zum Aushängeschild Potsdams geworden ist.“

Bis zum Abend war nicht klar, wann die Demonstration beendet werden sollte. Nachdem die Beamten sich mit der Erbengemeinschaft in Verbindung gesetzt hatte, räumte die Polizei Haus und Straße. Es kam zu Konfrontationen zwischen den Beamten und den Aktivisten.

Vor einigen Tagen schon Plakate in der Innenstadt

In den Tagen vor der Besetzung waren in Potsdam bereits Plakate aufgefallen, die die Aktion offenbar angekündigt hatten. Darauf sind Investoren wie Günther Jauch, Hasso Plattner und Wolfhard Kirsch als „Fürsten von heute“ in goldverbrämten Rahmen abgebildet und die Parole „Zeit für Wiederaneignung“ zu lesen.

Polizei hielt sich zunächst zurück

Während immer mehr Sympathisanten in die Feuerbachstraße strömten, hielten sich Polizei und Ordnungsamt zunächst zurück. In der Zeit versuchten die Beamten Kontakt zu der Erbengemeinschaft herzustellen. "Stellen die Eigentümer Strafanzeige gegen die Personen, die sich in dem Haus aufhalten, weil sie damit nicht einverstanden sind, müssen wir räumen", sagte der Einsatzleiter der Maz. Ist es den Eigentümern egal oder für sie gar in Ordnung, dass sich unverhofft Besucher in der Immobilie aufhalten, passiere nichts - und die Besetzer könnten bleiben.

Maskierte wenden sich an die Öffentlichkeit

16 Personen hielten sich in dem Gebäude auf. Sie waren maskiert und wandten sich in unregelmäßigen Abständen an die Öffentlichkeit. Vor dem Haus hatten sich etwa 100 Sympathisanten und Unterstützer versammelt - darunter der Bundestagsabgeordnete Norbert Müller und die Landtagsabgeordnete Isabell Vandré (Linke), die Stadtverordneten Lutz Boede, André Tomczak und Simon Wohlfahrt (Die Andere).

Von Nadine Fabian

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