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Potsdam Alarmstufe Rot für die Friedenskirche
Lokales Potsdam Alarmstufe Rot für die Friedenskirche
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13:37 08.10.2013
Das Apsismosaik im Alterrraum der Friedenskirche. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Die Friedenskirche am Park von Sanssouci ist wohl die Kirche mit dem größten „Promi-Faktor“ in Potsdam. Früher war sie die Vorzeigekirche der Hohenzollern, in der Wilhelm II. konfirmiert wurde und etliche Monarchen beigesetzt wurden. Heute macht das Bauwerk, das sich im Besitz der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) befindet, als Hochzeitskirche von sich reden: Preußen-Chef Georg Friedrich und Sophie von Isenburg gaben sich hier 2011 das Ja-Wort; Florian und Miriam Langenscheidt im Jahr darauf. Das Gotteshaus bot samt Kreuzgang und italienischem Glockenturm, dem Campanile, den romantischen Rahmen.

Nun legt aber ein aktueller Bericht der Schlösserstiftung, der der MAZ vorliegt, das Trauerspiel hinter dem schönen Schein offen. Die Mängelliste ist lang: Sie reicht von der „dringend notwendigen Restaurierung der Marmorfußböden“, in denen sich der „Mörtel, in dem sie verlegt sind, mittlerweile an fast allen Stellen durch die eindringende Feuchte zersetzt hat“ bis hin zur „erforderlichen Fassadenfestigung im gesamten Kirchenraum“. Alarmierend ist auch der Zustand des „stark beanspruchten“ Kirchenmobiliars aus Spessart-Eiche, das seit den 1930er Jahren nicht restauriert worden ist. In der Königsloge und den Seitenschiffen fehlen sogar Brüstungen und Türen. Die Beleuchtungsanlage stammt noch aus den 1960er Jahren.

Dabei waren die Restaurierungsarbeiten seinerzeit eigentlich auf einem guten Weg. 1998 wurde die 1990 begonnene Grundinstandsetzung aus Geldmangel während der Dachinstandsetzung auf dem Mittelschiff abgebrochen. Bis heute harren die schadhaften Seitenschiffdächer, die aus Wellzink aus wilhelminischer Zeit bestehen, und die Eisengussfenster der Restaurierung.

Einer der „Hauptleidtragenden“ ist auch das originale venezianische Apsismosaik im Altarraum. Das Kunstwerk aus dem 13. Jahrhundert droht, ein Opfer der Nässe im Trägergewölbe zu werden. Doch damit nicht genug: Das Kaiser-Friedrich-Mausoleum, dem sogar Queen Elizabeth bei ihrem Potsdam-Besuch 1992 eine Visite abstattete, ist wegen des Bauzustands geschlossen. Schlecht sieht es auch in der Taufkapelle aus. Und die Säulenhalle am Friedensteich ist teilweise abgesackt und muss mit Stützpfeilern gehalten werden – Sperrung nicht ausgeschlossen.
6,1 Millionen müsste man insgesamt investieren. Doch die werden so schnell nicht fließen. Die Friedenskirche sei nicht Teil des aktuellen Masterplans der Schlösserstiftung, sagte Generaldirektor Hartmut Dorgerloh am Mittwoch am Rande eines Termins: „Vor 2017 passiert hier nichts.“

Kritiker aus dem Gemeindeumfeld bemängeln, dass die Gemeinde-Spitze nicht aktiv wird und zu einer Spendensammlung im großen Stil aufruft – ähnlich wie der Pfingstberg-Verein und der Winzerberg-Verein, die sich auch für Denkmäler der Schlösserstiftung einsetzen. Teile der Gemeinde befürchten auch, dass der Fokus im Kirchenkreis hauptsächlich auf dem Garnisonkirchen-Wiederaufbau liegt und andere Themen aus dem Blickfeld geraten.

"Leib und Leben nicht bedroht"

Interview mit Superintendent Joachim Zehner, der auch Pfarrer an der Friedenskirche ist
 
 

Müssen Besucher in der Kirche bangen, dass ihnen ein Ziegel auf den Kopf fällt?
 Joachim Zehner: Nein, Leib und Leben sind nicht bedroht.
 
 Wieviel müsste in die Kirche investiert werden?
 Zehner: 6,1 Millionen.
 
 Warum kümmert sich nicht der Besitzer, die Schlösserstiftung?
 Zehner: Die Stiftung hat viele „offene Baustellen“, da ist es natürlich schwer.
 
 Und warum öffnet die Gemeinde nicht den Sparstrumpf?
 Zehner: Weil da nichts mehr drin ist. Wir haben neben den 2,1 Millionen an Mitteln aus dem Konjunkturpaket für die Sanierung von Friedenssaal, Gartenhaus und Villa Tieck in erheblichem Maße Eigenmittel eingesetzt.
 
 Warum starten Sie keine Spendenaktion zur Rettung der Kirche?
 Zehner: Vielleicht ist dieser Artikel ja der Anfang dafür.

Von Ildiko Röd

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