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Potsdam Aus dem Alltag der Besatzungsmacht
Lokales Potsdam Aus dem Alltag der Besatzungsmacht
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15:23 28.08.2019
Sowjetsoldat Anfang der 1950er Jahre in der Friedrich-Ebert-Straße. Quelle: Potsdam-Museum/Volker Oelschläger
Innenstadt

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren viele Gebiete in Potsdam für die Bevölkerung gesperrt. Eine Liste aus dem Jahr 1948 verzeichnete 20 nummerierte Stadtgebiete, die ausschließlich von der sowjetischen Besatzungsmacht genutzt wurden.

Für die Potsdamer blieben viele dieser Viertel bis in die 1990er Jahre hinein mit dem Abzug der sowjetischen, später russischen Truppen ein unbekanntes Terrain.

Warnschild der sowjetischen Besatzungstruppen in der Ausstellung des Potsdam-Museums. Quelle: Volker Oelschläger

25 Jahre danach gewährt das Potsdam-Museum mit der Ausstellung „Potsdam unter dem Roten Stern –Hinterlassenschaften der Besatzungsmacht 1945 bis 1990“ erstmals einen Blick hinter die Mauern.

Die von Hannes Wittenberg und Jan Kostka kuratierte Sonderausstellung, die ab Donnerstag geöffnet ist, nähert sich dem Thema zunächst über die Außensicht.

Eröffnet wird die Ausstellung mit einem illustrierten Zeitstrahl, der für die Zeit von 1945 bis 1994 Potsdamer und weltpolitische Ereignisse zueinander bringt.

Ergänzt wird dieser erste Raum mit einer Vielzahl von Fotografien, die in der Anfangszeit von deutschen Fotografen wie Ina Muster-Schatzmann im Auftrag der Besatzungsmacht angefertigt wurden. Viele dieser Aufnahmen befinden sich in der Sammlung des Potsdam-Museums.

Gemälde der Pflastermalaktion „Asphalt und Kreide“ 1969 am Alten Markt, Fundstück aus dem Haus der Offiziere in der Hegelallee. Quelle: Potsdam-Museum/Volker Oelschläger

Der zweite Raum dokumentiert, in welchem Umfang sich die Besatzungsmacht in Potsdam etablierte. Zu den Entdeckungen bei den Recherchen zählt die Tatsache, dass das Oberkommando der Sowjetarmee in Ostdeutschland erst um 1952 nach Wünsdorf wechselte, und nicht, wie bisher angenommen, schon 1946 (MAZ berichtete).

Zentral aufgebaut ist in diesem Raum eine Installation auf einem Stadtplan von 1949 mit allen damaligen sowjetischen Liegenschaften. Diese Übersicht konnte laut Wittenberg für die Ausstellung überhaupt erstmals recherchiert werden.

Beispielhaft für den Lauf der Geschichte stehen drei Ausgaben der Armeezeitung für die in Deutschland eingesetzte Westgruppe, die in der sowjetischen Militärdruckerei in der Zeppelinstraße produziert wurde.

1945 erschien das Blatt unter dem Namen „Rote Armee“, später unter dem Titel „Sowjetische Armee“. 1991 mit der Auflösung der Sowjetunion und dem beschlossenen Truppenabzug wurde es unbenannt in „Die Erben des Sieges“.

Ein kleiner Rundgang durch die Ausstellung mit Bildern aus den ersten Nachkriegsjahren bis zum Abschied der letzten Soldaten aus Potsdam im Herbst 1994.

Dem Alltag hinter den Kasernenmauern ist ein dritter Raum gewidmet. Die Lebensumstände der Soldaten, die bei härtestem Alltagsregime in Sälen mit bis zu 180 Mann ohne die kleinste Chance auf Privatsphäre untergebracht waren, hätten den Historikern bei der Recherche „Tränen in die Augen getrieben“, sagt Hannes Wittenberg.

In diesem dritten Raum gibt es allerdings auch einen Rückblick auf die Präsenz der Sowjettruppen im städtischen Alltag mit dem auch Deutschen offenen Haus der Offiziere in der Hegelallee und mehreren „Russenmagazin“ genannten Verkaufsstellen.

Festgesellschaft 1988 vor dem damaligen Haus der Offiziere mit dem Lenindenkmal in der Hegelallee. Quelle: Volker Oelschläger

Die Ausstellung endet chronologisch mit dem Abzug in den Jahren 1990 bis 1994. „Na Rodinu – in die Heimat!“ heißt es auf einem Abschiedsplakat mit dem Motiv eines Panzersoldaten. Und darunter: „Leb wohl, Deutschland!“

Die Ausstellung speist sich wesentlich aus den von Hannes Wittenberg und Peter Hermann (1965 -2009) nach dem Abzug der Russischen Armee gesicherten Zeitzeugnissen. Mit der umfangreichen Präsentation sei eine wichtige „Forschungslücke in den Blick“ genommen worden, sagt Museums-Direktorin Jutta Götzmann.

Mehr zur Sowjetarmee und Potsdam

>>> Museum zeigt Ausstellung Potsdam unter dem Roten Stern

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Laut Wittenberg konnte mit den Recherchen zur Ausstellung erstmals in vollem Umfang nachgewiesen werden, dass Potsdam neben Wünsdorf und Berlin-Karlshorst der dritte zentrale Standort der Westgruppe der Sowjetarmee in Ostdeutschland und der späteren DDR gewesen ist.

Info Bis 8. Dezember, Di, Mi, Fr 10-17, Do 10-19 Uhr, Sa/So und Feiertag 10-18 Uhr. Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm, mehr dazu auf www.potsdam-museum.de

Von Volker Oelschläger

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