Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Angeklagter war ein treffsicherer Sportschütze
Lokales Potsdam Angeklagter war ein treffsicherer Sportschütze
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 30.06.2017
Quelle: dpa
Potsdam/Glindow

Der wegen Mordes an seinem Glindower Geschäftspartner angeklagte Potsdamer Hans-Dieter V. (60) soll ein begeisterter und guter Schütze sein. „Wir waren nicht nur Mitglieder im Glindower Schützenverein, wir waren Gründungsmitglieder“, sagte seine ehemalige Lebensgefährtin im Prozess aus. Demnach war V. so treffsicher, dass der Verein ihm zum ersten Schützenkönig kürte. „Geschossen hat er alles querbeet, sowohl Pistole als auch Gewehr“, so die 62-Jährige. „Wir hatten auch eigene Waffen zu Hause.“

Wie berichtet muss sich Hans-Dieter V. vor dem Landgericht Potsdam verantworten. Er soll 2009 seinen damals 55-jährigen Kompagnon Joachim L. auf einer Geschäftsreise mit einem Schuss in den Hinterkopf getötet und die Leiche in einem Waldstück in Tschechien versteckt haben. Als Tatmotiv führt die Staatsanwaltschaft Habgier an: Der Angeklagte, der von sich selbst sagt, zwischen 2007 und 2010 spielsüchtig gewesen zu sein, soll sich von L. mehr als 300 000 Euro geborgt, aber nie zurückgezahlt haben. Hans-Dieter V. bestreitet alle Vorwürfe.

„Nett, freundlich – er kann Menschen beeinflussen, so dass sie tun, was er möchte“ – so beschreibt Gisela R. den Angeklagten. Die beiden hatten sich kurz nach dem Mauerfall in Potsdam beim Tanz kennengelernt und seien „relativ schnell“ zusammengezogen – es war V.s Rückkehr in die alte Heimat. In Potsdam geboren und aufgewachsen, aber „mit dem sozialistischen System nicht so einverstanden“, wie er sagt, sei er zunächst im Jugendwerkhof gelandet und nach einem gescheiterten Fluchtversuch in den Westen im Gefängnis. Ende der 70er gelang ihm schließlich der Satz über die Mauer nach Steinstücken: „Ich habe meine Zeit in Berlin verlebt, bis die Mauer fiel – in die DDR durfte ich nicht einreisen.“ In West-Berlin gründete V. eine Familie und machte sich nach verschiedenen beruflichen Stationen als Werkzeughändler selbständig.

Mit der neuen Freundin gründete er noch vor der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 einen Werkzeughandel in Glindow. „Weil er als Westbürger in der Noch-DDR keine Firma aufbauen durfte, wurde ich als Inhaberin eingesetzt, er wirkte als Geschäftsführer“, berichtet Gisela R. „Es war ein gewinnbringendes, florierendes Geschäft, sämtliche Industrie- und Handwerksbetriebe waren unsere Kunden.“ In Venezuela habe man mit zwei Bekannten ein zweites Unternehmen aufziehen wollen. Dabei ging es aber offenbar nicht nur um Werkzeuge. „Die Männer wollten leider auch Waffengeschäfte machen“, so Gisela R. Davon habe sie aber nichts wissen wollen. Ob es tatsächlich dazu kam, wisse sie nicht.

Als die Firma des Paares 1999 zusammenbrach, habe V. das vorrätige Werkzeug nach Polen gebracht, wo er an einem weiteren Betrieb beteiligt gewesen sei. Irgendwann habe er seine Sachen gepackt und ihr eröffnet, ein neues Leben anfangen zu wollen, sagt Gisela R.: „Ich bin auf 1,5 Millionen sitzen geblieben – die durfte ich dann allein abzahlen.“

Tatsächlich fängt Hans-Dieter V. in Polen ein neues Leben an: Im Oktober 2002 heiratet er dort eine kasachische Studentin. Zurück in Deutschland, gründet er auch mit ihr einen Werkzeughandel, wird noch einmal Vater. „Ich habe darauf bestanden, dass wir eine Firma haben und sie auf meinen Namen läuft“, sagt die heute 43-Jährige vor Gericht. „Das war für uns, für die Zukunft, für das Kind.“

Derzeit leben Hans-Dieter V. und seine Frau getrennt voneinander. „Dass die Polizei gesagt hat, dass mein Mann Achim getötet hat, hat mich so belastet“, sagt sie. Als Joachim L. verschwand, habe sie sich keine Gedanken gemacht. Es sei ja nicht das erste Mal gewesen, dass er von einer Geschäftsreise nicht wieder mit nach Hause kam. So sei er zuvor – auch der Angeklagte schildert diesen Vorfall – einige Wochen in Kasachstan abgetaucht. Als ihr Mann ihr nun am Telefon sagte, dass er allein zurückkomme, habe sie gedacht, L. habe „schon wieder“ eine Frau kennengelernt. „Er mochte die Frauen sehr. Ich war empört: Mein Gott, was ist denn das für eine Geschäftsmann!“ Daheim habe man nicht weiter über die Angelegenheit gesprochen: nicht über die Reise, nicht übers Geschäft, nicht über Joachim L. An ihrem Mann sei ihr nichts Besonderes aufgefallen: „Es war alles normal.“ An viel mehr erinnere sie sich nicht, betont die Frau des Angeklagten immer wieder: „Es ist so lange her.“ – Der Prozess wird heute fortgesetzt.

Von Nadine Fabian

Volles Programm in Potsdam. Allein die Aufzählung aller Stichwörter für heute ist spannender als das gesamte Themenpakt so mancher Wochen: Abrissobjekt, Leiche, Spendensammlung, Sicherheitskonzept, Autisten, Russland, Ausbildungsangebote, Polizeiprotest, Sommerparty und Army-Flüchtling. Selbst beim Wetter ist heute ja ein entscheidender Tag.

27.06.2017
Potsdam Städtepartnerschaft mit Sansibar - Freddie Mercury und die Mülltrennung

Potsdams neue Partnerstadt hat zwar einen King of Rock, aber sonst jede Menge Probleme. Müll macht zum Beispiel jede Menge Ärger. Der zentrale Festplatz wurde mit Potsdamer Hilfe attraktiver gestaltet – Mülleimer inklusive. Unweit vom Festplatz wuchs Farrokh Bulsara auf. Als Erwachsener schrieb er unter dem Namen Freddie Mercury Rockgeschichte.

08.07.2017
Potsdam Feierstunde im Potsdam-Museum - Abschied für Iris Jana Magdowski

Potsdams Kulturdezernentin Iris Jana Magdowski (CDU) wurde am Montag im Saal des Potsdam-Museums mit einem Festakt in den Ruhestand verabschiedet. Die Abschiedsrede von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) war ebenso wie die Dankesrede der Dezernentin nicht ohne ironischen Unterton.

26.06.2017