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Potsdam Angela Merkel bei Barberini-Eröffnung
Lokales Potsdam Angela Merkel bei Barberini-Eröffnung
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20:06 20.01.2017
Angela Merkel (2vr, CDU) und der Unternehmer Hasso Plattner (2vl) zusammen mit Dietmar Woidke (l, SPD), Ministerpräsident von Brandenburg, und dem Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jakobs. Quelle: Bernd von Jutrczenka
Potsdam

Angela Merkels Sofaecke im Kanzleramt, in der mitunter Staatsgäste Platz nehmen, krönt das Meeresbild „Brecher“ (1936) von Emil Nolde. Wenn die CDU-Politikerin zur Morgenbesprechung in ihr Büro lädt, blicken die Mitarbeiter auf bunte Idylle: Noldes „Blumengarten A (Thersens Haus)“ von 1915. Das Lieblingsbild von Angela Merkel ist Noldes „Hohe Wogen“, ein Ölgemälde, das sie durch sein Farbenspiel und seine Dynamik begeistere, erzählte die Kanzlerin vor Jahren. Dass nun ausgerechnet auch fünf Werke ihres Lieblingsmalers Emil Nolde (1867–1956), darunter ein Blumengarten und ein Meeresmotiv, in einer der ersten beiden Sonderausstellungen des Palais Barberini in Potsdam zu sehen sind, dürfte Angela Merkel freuen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (4vr, CDU) und der Unternehmer Hasso Plattner (3vl) zusammen mit (l-r) SAP-Chef Bill McDermott, dem Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), Dietmar Woidke (SPD), Ministerpräsident von Brandenburg, Bill Gates und Christoph Meinel, Direktor des Hasso-Plattner-Instituts, Quelle: dpa

Freitagabend eröffnete die Kanzlerin gemeinsam mit Mäzen Hasso Plattner das neue Kunstmuseum in der historischen Mitte der Landeshauptstadt. „Ohne Mäzene wie Hasso Plattner wäre die deutsche Kulturlandschaft weitaus ärmer“, sagte Merkel in ihrer Eröffnungsrede. Die brandenburgische Landeshauptstadt – bislang vor allem bekannt als Stadt der Schlösser und Gärten – habe einen zusätzlichen Besuchermagneten bekommen, der atemberaubend sei. Es sei an der Zeit gewesen, dass Potsdam Hasso Plattner für sein großzügiges, schier unermäßliches Engagement würdigt.

SAP-Gründer und Museums-Stifter Hasso Plattner wurde am Freitag vor der Eröffnung des Kunsthauses die Ehrenbürgerwürde der Stadt verliehen. „Viele haben mich gefragt: Warum gerade Potsdam? Warum eigentlich nicht?“, erklärte Plattner am Abend, warum er sich für diesen Museumsstandort entschieden hat. „Ich bin ja nun auch Brandenburger“, so Plattner, der in Potsdam das nach ihm benannte Institut für Softwaresystemtechnik gegründet hat.

Mit dem Museum Barberini schließt sich nach den Worten von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) eine weitere Lücke in Potsdams Mitte. „Dieses Juwel im Herzen unserer Landeshauptstadt wird weit über unsere Landesgrenzen hinaus strahlen“, sagte Woidke bei der Eröffnung. Er zeigte sich überzeugt, dass das Barberini in die Reihe der hochrangigen europäischen Ausstellungshäuser aufsteigt.

Prominente Ehrengäste

Ehrengast neben den früheren Ministerpräsidenten Matthias Platzeck und Manfred Stolpe (beide SPD): kein geringerer als Microsoft-Gründer Bill Gates, der als Privatsammler Werke fürs Barberini zur Verfügung stellt. „Für dich mach ich das dann mal“, habe Gates ihm bei einem Gespräch erklärt, sagt Plattner. Ein weiterer Freund ließ Hasso Plattner am großen Eröffnungsabend nicht im Stich.Im Hof des Museums soll am Abend für geladene Gäste ein Konzert mit Rocklegende John Fogerty – in den späten 1960ern Frontmann der Band „Creedence Clearwater Revival“ (CCR) – stattfinden. Eine Art vorgezogenes Geburtstagsgeschenk für Hasso Plattner, der am Samstag, 21. Januar, vor 73 Jahren in Berlin geboren wurde. Die Musik Fogertys habe er als junger Mann in einem Heidelberger Tanzlokal kennengelernt. „Ich habe den John gefragt und ich darf mit ihm drei Lieder spielen. Für mich ist das jetzt das Bonbon“, sagte das Geburtstagskind vor der Besichtigungsrunde mit seinen Gästen.

Bundeskanzlerin vor dem Gemälde „Herbst in Jeufosse“ von Claude Monet. Quelle: dpa

Kanzlerin Merkel dürfte neben Nolde ein anderer Künstler interessiert haben. Gerhard Richter, der zur Zeit bestbezahlte lebende Maler der Welt, hat in einem Interview die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin kritisiert, was einige für keine besondere Kunst halten. Wer sie nach Amtsende in Öl verewigen soll, wie es Tradition ist bei den deutschen Bundeskanzlern, hat Merkel noch nicht entschieden. Gerhard Richter dürfte es wohl nicht sein, auch wenn sich die Kanzlerin auch von ihm in Potsdam ein Bild machen konnte. Drei Kratzbilder Öl auf Leinwand von Richter hängen in der Schau „Klassiker der Moderne“ in Potsdams, nein Deutschlands neuem Kunsttempel. Liebling Nolde neben Kritiker Richter. Auch für die Kanzlerin hat das Barberini die ganze Palette zu bieten.

Partyzelt im Innenhof des Barberini: Hier wird bis spät in die Nacht gefeiert. Auf der Bühne wird John Fogerty stehen. Auch Hasso Plattner will in die Saiten greifen, munkelt man. Quelle: Thoralf Cleven

Am Mittag hatte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) Plattner die Ehrenbürgerwürde der Stadt verliehen.

Der Software-Milliardär hatte mit vielen Millionen Euro bereits die Wiedererrichtung des Stadtschlosses gegenüber dem Museum gesponsert. „Wir ehren einen Bürger, der sich auf unsere Stadt eingelassen hat, auf unsere Vorstellungen und auch auf die Diskussionen“, sagte der Fernsehmoderator Günther Jauch am Freitag in seiner Laudatio vor 600 Gästen im Potsdamer Nikolaisaal.

Damit spielte Jauch darauf an, dass Plattner sein Museum ursprünglich anstelle des ehemaligen DDR-Interhotels am Havelufer bauen wollte.

Nach heftigen Protesten von Bürgern zog er den Plan zurück und baute das Palais Barberini am Alten Markt gegenüber vom Landtagsschloss wieder auf.

Von Marion Kaufmann

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