Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Anwohner sind ratlos: Versinkt die Gartenstadt Drewitz im Müll?
Lokales Potsdam Anwohner sind ratlos: Versinkt die Gartenstadt Drewitz im Müll?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:50 01.08.2019
Anwohner haben am Ernst-Busch-Platz mehrere Einkaufstüten als Mülleimer aufgehängt. Diesen quellen allerdings schon über. Quelle: Jan Russezki
Drewitz

Haufenweise Zigarettenstummel und Kronkorken, zerbrochene Bierflaschen und allerlei Verpackungen liegen auf dem Boden des Ernst-Busch-Platzes und in den Seitenstraßen in Drewitz. Statt Mülleimern hängen große Einkaufstüten an Absperrpfosten. „Wir wohnen hier seit 30 Jahren, aber so sah es noch nie aus“, sagt Margret Tietz, Anwohnerin in der Siedlung nebenan. Sie sieht die Kunden des Mega Imbiss’ auf dem Platz in der Verantwortung. Diese wehren sich gegen den Vorwurf. Dabei liegt die Sauberkeit der Platzes eigentlich in der Hand der Stadt Potsdam.

„Wenn Drewitz in der Straßenbahn als Gartenstadt angesagt wird, hallt ein lautes Gelächter durch den Zug“, sagt Magret Tietz. Tatsächlich sieht der Platz mehr nach überforderter Großstadt als nach einer umweltfreundlichen Gartenstadtsiedlung aus. Auch in der Fritz-Lang-Straße sind die begrünten Straßenecken vermüllt.

Wer ist Schuld am Müllproblem?

Frau Tietz findet, dass diejenigen Schuld sind, die auf den Bänken Bier trinken oder vor dem Mega Imbiss sitzen. „Ich spreche hier alle an, aber nichts passiert“, sagt sie. Imbiss-Mitarbeiter Mamut Aziz streitet die Vorwürfe ab. „Ich und meine Kunden fegen den Platz jeden Sonntag.“ Sogar einen Mülleimer habe er vor dem Imbiss aufgestellt.

Tatsächlich sammelt sich der Müll in provisorisch aufgehängten, überquellenden Einkaufstüten und zusammengefegten Haufen gegenüber dem es Imbiss. „Ich halte den Platz direkt vor meinem Imbiss sauber“, sagt Aziz. Ein Kunde bestätigt das. Um 20 Uhr schließt der Imbiss und Aziz verlässt den Platz. Was danach passiert, weiß er nicht. „Hier sitzen nachts immer Leute und hinterlassen den Dreck“, mutmaßt der 35-Jährige.

Zerbrochenes Glas, Zigarettenstummel und Kronkorken. Anwohner und Stadt sehen darin ein Problem am Ernst-Busch-Platz. Quelle: Jan Russezki

Wer ist für die Reinigung verantwortlich?

Auch Anwohnerin Anita Neye ist genervt von dem Müll. „Ich war schon sechs Mal bei der Pro Potsdam. Sie sagen, sie sind nicht verantwortlich und schicken mich zur Step und die mich zum Ordnungsamt. Das geht immer im Kreis – niemand fühlt sich verantwortlich“, sagt sie. Die Stadt erklärt auf MAZ-Anfrage, dass der Fachbereich für Grün- und Verkehrsflächen die Step mit der Reinigung beauftragt hätte.

Viele Drewitzer sind sich in einem einig: Die Stadt muss handeln. Die Step kennt das Problem. „Am Rande der Sitzbänke befindet sich ein Imbiss, der stark frequentiert wird. Des Weiteren werfen die Hauptnutzer der Sitzmöglichkeiten beim Verlassen des Platzes ihre Abfälle meist nicht in einen der dafür vorgesehenen Abfallbehälter“, erklärt ein Sprecher der Step.

Wo sind die Mülleimer?

Schaut man sich im überdachten Bereich des Platzes um, so sind keine öffentlichen Mülleimer zu sehen. Laut Step seien drei angebracht. Ein Blick auf die Lagekarte: Um das oval überdachte Rondell parken Autos. Erst dahinter, ganz am Rand sind die Behälter angebracht. Der Grund: Im Auftrag der Stadt versuche die Step in ganz Potsdam, die auf Bänken verweilenden Menschen vor Müllgestank zu schützen.

Für die Step sei es wünschenswert, wenn die Menschen den Müll bis zum nächsten Mülleimer tragen würden. Diese würden dann dreimal die Woche geleert. Laut Stadt wird der Platz alle vier Wochen maschinell und per Hand gereinigt. Zu selten, wenn man sich umhört. Ein Kunde des Mega Imbiss fordert alle zwei Wochen eine Reinigung.

Stadt will 2020 handeln

Im nächsten Jahr will die Stadt den Wunsch erfüllen: „Ab 2020 soll der Ernst-Busch-Platz zwei Mal wöchentlich gereinigt werden“, teilt die Sprecherin mit. Zudem soll der Platz einen zusätzlichen Mülleimer bekommen. Wo genau dieser angebracht wird, sei noch nicht geklärt.

Auch in den Seitenstraßen kümmert sich niemand um das Müllproblem. Anwohnerin Magret Tietz weist auf das Müllproblem an der Fritz-Lang-Straße/Wolfgang-Staudte-Straße hin. Quelle: Jan Russezki

Zumindest für den Ernst-Busch-Platz könnte das, wenn die Anwohner das Angebot nutzen, eine Entlastung bedeuten. Für die verschmutzte Ecke an der Fritz-Lang-Straße und Wolfgang-Staudte-Straße sieht es jedoch schlecht aus. Dort stehen große Mülltonnen. Die Anwohner nutzen diese augenscheinlich nicht.

Mehr Themen aus Potsdam:

Die Stadt sei an dieser Ecke nur für Äste und Gräser verantwortlich, die die Verkehrssicherheit gefährden. Zur Säuberung seien die Anlieger, also die Immobilienfirmen, verpflichtet. Die Vernachlässigung könne mit einem Bußgeld belegt werden, heißt es von der Stadt – Beschwerden hätte es an dieser Stelle aber noch nicht gegeben.

Müllprobleme können bei der Straßenreinigung und Winterdienst unter strassenreinigung@rathaus.potsdam.de oder 0331/289 15 63 gemeldet werden.

Von Jan Russezki

Schweiz, Schweden, Deutschland – Wo verletzte Nutzer klagen können, ist in den Nutzungsbestimmungen des E-Scooter-Verleihs Voi sind nicht eindeutig. Das stößt auf Kritik von Verbraucherschützern. Nun hat das Unternehmen Änderungen angekündigt.

30.07.2019

Brenzlige Situationen bei Einsätzen und fehlender Respekt: Übergriffe auf Rettungskräfte gibt es auch in Potsdam. Ein Jahr lang haben die Einsatzkräfte alle Vorfälle dokumentiert. Über Ergebnisse, Ursachen und Herausforderungen spricht im Interview der stellvertretende Feuerwehrchef der Landeshauptstadt, Rainer Schulz.

30.07.2019

Potsdam braucht dringend neue Kitaplätze, mehr als 500 entstehen gerade in Neubauten der Stadt. Dennoch wird nicht gleich alles gut: Die Kitaträger haben Sorge, genügend Personal zu finden.

30.07.2019