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Potsdam Aphrodite ist die Schönste
Lokales Potsdam Aphrodite ist die Schönste
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21:51 27.09.2013
Großer Andrang bei der Kinder-Universität Quelle: Bernd Gartenschläger
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Golm

Athene schnürt noch ganz schnell das Band ihres Kriegshelmes. Ihre Brille verschafft ihr zwar einen etwas modernistischen Touch, aber insgesamt bietet sie mit ihrem weißen Gewand und ihrem Borstenhelm einen imposanten Anblick. Im irdischen Leben heißt Athene Monika Hukelmann und ist Masterstudentin in Latein und Englisch. Zusammen mit ihren Kommilitonen und ihrer Professorin Ursula Gärtner bestreitet sie an diesem Freitag die Latein-Vorlesung für die 10. Kinder-Universität der Alma Mater in Potsdam.

Nicht weniger als 2150 Kinder waren gestern Vormittag auf dem Golmer Campus zu unterhalten und zu belehren. „Schola – Mit den Göttern zu Besuch in einer Schule im alten Rom“ heißt die Veranstaltung der Altphilologen. Verkleidet wollen die Studenten den Kids einen Einblick in das Leben und in die Sprache des alten Roms bieten. Aufgeregt? „Ein bisschen“, sagt Hukelmann. „Es sind so viele.“ Tatsächlich: Nicht weniger als 250 Schülerinnen und Schüler von sieben bis zehn stürmen den Vorlesungssaal am Rande des Golmer Campus. Unter ihnen der neunjährige Janek von der Grundschule „Am Fenn“ in Dahmsdorf (Potsdam-Mittelmark). „Ich hätte lieber etwas mit Experimenten gemacht“, sagt er. Zum Beispiel hätte er gerne die Vorlesung über Sterne und Schwarze Löcher von Cora Fechner gehört. Aber der Vortrag der Astrophysikerin war am Stichtag schon morgens um fünf ausgebucht. Die Vorlesung über Schule im alten Rom ist vielleicht auch ganz nett. Immerhin war die Klasse ja schon im Schulmuseum Reckahn (Potsdam-Mittelmark). Und das fand Janek toll.

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Tatsächlich: Als Professorin Gärtner – übrigens ganz in Zivil – das Wort ergreift, kehrt sofort Ruhe im Saal ein. Und die Grundschüler wissen auch erstaunlich viel. Nachdem ihnen ein Magister im dürftigen Gewand, Lehrer war im alten Rom kein hoch angesehener Beruf, die Grundzüge des Schullebens erzählt hat, dürfen die Kinder selbst auf Fragen antworten. Zum Beispiel hebt eine Assistentin eine Schriftrolle hoch. „Woraus ist das?“, will Ursula Gärtner wissen. „Aus Papyrus!“, tönt es aus zig Kehlen zurück. „Gut“, freut sich die Professorin und zeigt mit Powerpoint kurz die Herstellung des Schreibmaterials.

Als eine Dame mit lila Toga, wallendem Haar und Spiegel hinter dem Paravent hervortritt und sich als Göttin der Liebe vorstellt, ruft sofort ein Junge „Aphrodite“. Nur bei der Nennung römischer Kaiser versagt die klassische Bildung ein bisschen. Einem Jungen fällt zwar „Cäsar“ ein, ein anderer will aber durchaus auch Obelix auf römischem Thron installieren. „Nun, der war eher Gegner“, korrigiert Aphrodite nonchalant. Die neunjährige Ariane ist nach dieser Vorlesung total begeistert. Was ihr am besten gefallen habe? „Aphrodite, weil sie so schön war.“ Weiß sie auch noch, wie „Lehrer“ auf Lateinisch heißt? „Das habe ich mir in meinem Heft notiert“, umschifft Ariane diplomatisch eine Antwort.

Professorin Gärtner selbst stöhnt am Ende erleichtert auf. „Ich dachte ursprünglich, dass es 50 sein sollten und bin aus allen Wolken als ich hörte, es würden 250.“ Dass sie und ihre Studenten den Einstand mit Bravour meisterten, stimmt sie zufrieden. Auch ihre Götter würden wieder antreten. Vorausgesetzt die olympischen Geschäfte lassen ihnen Zeit dazu.

Von Rüdiger Braun

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