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Potsdam Architektenbund protestiert gegen Abriss des Terrassenhauses
Lokales Potsdam Architektenbund protestiert gegen Abriss des Terrassenhauses
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17:44 24.06.2019
Das Terrassenhaus ist ein ungewöhnlicher Bau – über den Stellplätzen für 200 Autos befinden sich 38 Wohnungen und ein Dachgarten.
Zentrum Ost

Der Bund Deutscher Architekten (BDA) spricht sich mit klaren Worten für den Erhalt des Terrassenhauses der Nutheschlange am Humboldtring in Zentrum Ost aus. Der BDA „als einer der Träger der Baukultur sieht sich in der Pflicht, das Schlimmste zu verhindern“, heißt es in einer Mitteilung des Landesverbands. Man fordere „ein Moratorium und Offenlegung der Gutachten, die angeblich die hohen Kosten der Sanierung nachweisen sollen.“

Baugutachten der Pro Potsdam sind unter Verschluss

Nach aktueller Planung der städtischen Pro Potsdam soll der Abriss des ungewöhnlichen Wohnhauses des Architektenpaares Doris und Hinrich Baller im Herbst beginnen. Ein nicht-öffentliches Gutachten der Pro Potsdam zum Zustand des Gebäudes sagt aus, dass eine Sanierung vollkommen unwirtschaftlich sei.

Der Architektenbund sieht im Terrasenhaus „städtebauliche Relevanz und Originalität“. Quelle: Bernd Gartenschläger

Geplant ist daher bislang ein Neubau mit über 70 Wohnungen – hierfür ist auch ein Architekturwettbewerb geplant. Seit November 2018 ist die letzte der 38 Wohnungen im Haus freigezogen. Pro Potsdam-Chef Bert Nicke hatte den Abriss in der Vergangenheit mit dem schlechten Zustand des Terrassenhauses begründet. Dort sei ohne immensen finanziellen Aufwand nichts mehr zu machen; zu viel liege im Argen.

Früherer Potsdamer Hochbauamtsleiter Norbert John will Abriss verhindern

Einer der zwei Verfasser des BDA-Aufrufs zum Erhalt ist Norbert John. Der Architekt ist Technischer Geschäftsführer des Brandenburgischen Landesbetriebs für Liegenschaften und Bauen (BLB). Während eines großen Teils der Planung und des Baubeginns der Nutheschlange 1999 war John der Leiter des Potsdamer Hochbauamts.

Er hat den Protest gegen den Abriss gemeinsam mit dem Kleinmachnower Architekten Michael Küssner formuliert. „30 Jahre nach der Wende ist es an der Zeit, sich an die guten Beispiele des Wohnungsbaus zu erinnern. Da ist als eines der ersten und wichtigsten Projekte die Errichtung der sogenannten Nutheschlange in Potsdam zu nennen“, schreiben sie.

Das Haus und die daran anschließende Nutheschlange dient als wichtiger Lärmschutz zum Wohngebiet Zentrum Ost. Quelle: Bernd Gartenschläger

Terrassenhaus sei „identitätsstiftendes Architekturbeispiel“

Die Anlage mitsamt Terrassenhaus als Kopfbau habe „städtebauliche Relevanz und Originalität“, schreiben die zwei Fachleute. „Wir sind den nachfolgenden Generationen diese identitätsstiftenden guten Architekturbeispiele schuldig, hinter denen offensichtlich eine andere Philosophie als ,praktisch, quadratisch, gut’ steht.“ Unter dem heutigen Druck auf dem Wohnungsmarkt würden die architektonischen Ergebnisse immer schlechter.

Das Architektenpaar Hinrich und Doris Baller hat die Nutheschlange entworfen und gestaltet. Quelle: Peter Degener

Anwohner sollen in die Entscheidung einbezogen werden

Neben dem Aufschub des Abrisses fordern sie, dass bei der Betrachtung der Wirtschaftlichkeit von Abriss und Neubau auch „soziale und ökologische Aspekte einbezogen und abgewogen werden“ müssenAls ökologischer Grund wird der Bestandsbau als „graue Energiereserve“ gewertet. „Sanierung muss Vorrang haben vor Neubau. Der Priorität muss dem Erhalt und der sinnvollen Nutzung zukommen und nicht dem leichtfertigen Abriss“, schreiben John und Küssner.

Zudem sollen die Bewohner der Gesamtanlage Nutheschlange „in die Entscheidung zum Abriss“ einbezogen werden. Schon 2018 gründete sich eine Anwohnerinitiative, die sich für den Erhalt des Kopfbaus stark macht.

Von Peter Degener

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