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Potsdam Artikel-13-Demo in Potsdam für ein freies Internet
Lokales Potsdam Artikel-13-Demo in Potsdam für ein freies Internet
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00:20 26.03.2019
Die Demo gegen Artikel 13 startete am Luisenplatz und endete am Filmmuseum.
Die Demo gegen Artikel 13 startete am Luisenplatz und endete am Filmmuseum. Quelle: Varvara Smirnova
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Er hat einen Wischmob in der Hand. Darum hat er ein Schild mit Klebestreifen gewickelt. „Hier kommt der ’wütende Mob’“ hat Conrad darauf geschrieben. Daneben steht sein Begleiter Fritz. „Filter nur für meinen Kaffee“ steht auf dem Schild, das der 11-Jährige in die Höhe hält.

„Ich habe Sorge, um mein Internet“, sagt der 18-jährige Conrad. „Die ganzen kleinen Künstler, die nicht wirklich Geld verdienen, die es einfach aus Spaß an der Freude machen, würden stumm geschaltet.“

Conrad 18 ist am Samstagvormittag auf die Straße gegangen, um gegen den Artikel 13 (mittlerweile renummeriert zu Artikel 17) der geplanten Urheberrechtsreform zu protestieren. Vom Luisenplatz ging es über die Charlottenstraße Richtung Filmmuseum. Sie alle möchten das freie Internet verteidigen.

Zäsur verhindern

Hintergrund des Protestes ist die geplante Anpassung der Europäischen Union, die das Urheberrecht im Internet anpassen will. Plattformen wie Facebook, Youtube oder Google sollen Material wie Bilder, Musik oder Videos, das Nutzer hochladen, vorher überprüfen. Kritiker meinen, dass dies nur über Filter gehen würde. Eine Zäsur würde drohen.

Angemeldet hatte die Demonstration der 36-jährige Torben Reichert. Er hatte es über den Chaostreff Potsdam, eine lose Vereinigung von Hackern, die sich alle zwei Wochen im Freiland treffen, mit organisiert.

Die Jugend ist politisch

Redebeiträge gab es unter anderem von der Linken, den Piraten, Grünen und der FDP Jugend. „Ich sehe das als große Errungenschaft freie Grenzen, Bewegungsfreiheit. Meine Generation hat so viele Freiheiten, die andere Generationen nicht hat. Diese Urheberrechtsreform, das Ignorieren von jungen Stimmen, der Generation „YouTube“, das ist etwas, was das Projekt Europa vollkommen in den Hintergrund rücken lassen kann“, sagte Matti Karstedt (22) von der FDP Jugend.

Sebastian Krone von den Piraten appellierte an die Demonstranten Briefe an die Abgeordneten zu schreiben. „Wahrscheinlich mit Telefax, weil die das Internet immer noch nicht verstanden haben.“

Der brandenburgische FDP-Netzpolitiker Matti Karstedt. Quelle: Varvara Smirnova

Der Aufmarsch in der Landeshauptstadt war der „Testlauf“ für die große Demonstration in Berlin, die dort am heutigen Samstag um 14 Uhr am Potsdamer Platz startet.

Von Anne Knappe