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Potsdam Auftakt zu „Potsdam liest ein Buch“ im Hans-Otto-Theater
Lokales Potsdam Auftakt zu „Potsdam liest ein Buch“ im Hans-Otto-Theater
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01:15 11.01.2019
Alina Wolff liest beim „Potsdam liest ein Buch“-Auftakt unter der Drehbühne des Hans-Otto-Theaters . Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Der Blick unter die Bühne des Hans-Otto-Theaters überrascht. Nicht konzentrierte Schauspieler, Requisiten und Seilzüge, sondern ein ganzes Publikum hat sich unter der Drehbühne versammelt. Potsdamer auf Stühlen, eine Schauspielerin am Tisch. Alle haben dasselbe Ziel: Sie wollen lesen, bis sich alles dreht.

Am Dienstagabend hat in orangefarbenen Laufschuhen und mit gelber Plastikeinkaufstüte Alina Wolff den Lesemarathon „Potsdam liest ein Buch“ eröffnet. Etwa 40 Menschen haben sich zur ersten der 17 Lesungen getroffen, um sich von der Hans-Otto-Theaterschauspielerin Terézia Moras „Die Liebe unter Aliens“ vorlesen zu lassen. So soll der gesamte Erzählband in acht Wochen an außergewöhnlichen Orten und von verschiedenen Vorlesenden ausgelesen werden.

„Fisch schwimmt. Vogel fliegt.“

Alina Wolff ist seit dieser Spielzeit Schauspielerin am Hans-Otto-Theater (HOT). Zwischen den Stahlstreben der Drehbühne über ihr und dem glatten Beton unter ihr, las sie „Fisch schwimmt, Vogel fliegt“. Passend zum Start eines Lesemarathons, geht es in Moras erster von insgesamt zehn Erzählungen um einen Läufer. Ein Frührentner, der im Laufen einen neuen Lebensinhalt gefunden hat, nimmt nach einem Überfall die Verfolgung seines Taschendiebes auf.

Theater Schauspielerin Alina Wolff spielt mehr eine Lesung, als das sie nur vorliest. Quelle: Jan Russezki

Wolff spielt viel mehr eine Lesung, als das sie einfach liest. Sie neigt ihren Körper auf dem Stuhl in alle Richtungen, krallt sich an den Tischkanten fest, imitiert einen schweren Atem. „Irgendwann dachte ich mir, ich muss aufhören zu zappeln“, sagt sie nach der 50-minütigen Lesung. „Aber da kommt die Schauspielerin in mir durch.“ Das anzusehen macht Spaß. Der einzige Unterschied zum Theater ist, dass Wolff den gesamten Text vor ihr ablesen muss.

„Jeder Vorleser hat seine eigene Art“

Bei den nächsten Lesungen werden aber auch nicht ausgebildete Vorleser wie Studenten, Lehrerinnen und Rentner Passagen aus dem Erzählband lesen. So auch Hannah Suppa, die Chefredakteurin der Märkischen Allgemeinen Zeitung, die am 26. Januar den MAZ-Newsroom für eine Lesung öffnet. „Jeder Mensch, der vorliest, hat eine ganz eigene Art und Weise, wie er vorliest“, sagt Bettina Jantzen, Chefdramaturgin des HOT und Organisatorin von „Potsdam liest ein Buch“. „Da spielt die Biografie auch mit rein. Es wird bei anderen Vorlesenden vielleicht noch viel persönlicher“, sagt Jantzen. Da wäre selbst die Georg-Büchner-Preisträgerin Terézia Mora manchmal gerne zuhörendes Mäuschen.

Die Januar-Lesungen auf einen Blick

Donnerstag, 10. Januar, 18 Uhr: Autorin Margaret Heckel liest im Bildhaueratelier von Marcus Golter in der Zeppelinstraße 21.

Mittwoch, 16. Januar, 18 Uhr: Theaterscout Toni Matzdorf liest auf dem Campus der Fachhochschule in der Kiepenheuerallee, Haus D.

Dienstag, 22. Januar, 17 Uhr: Lehrerin Marlies Zölfl liest im Lagerraum der Zweigbibliothek Waldstadt.

Samstag, 26. Januar, 12 Uhr: MAZ-Chefredakteurin Hannah Suppa liest im Newsroom der Märkischen Allgemeinen Zeitung in der Friedrich-Engels-Straße 24.

Dienstag, 29. Januar, 11 Uhr:Theatermitarbeiterin Elena Iris Fichtner liest im Potsdam-Zimmer des Inselhotels Hermannswerder.

Donnerstag, 31. Januar, 18 Uhr: Verschiedene Künstler lesen bei einem szenischen Spaziergang durch durch das Kreativhaus Rechenzentrum in der Breiten Straße.

Weitere Termine bis 17. März unter www.hansottotheater.de,

Anmeldung für die kostenfreien Lesungen beim Hans-Otto-Theater unter 0331/98118

Die Leseorte sind unterschiedlich persönlich. Einmal wird in der Wohnung einer Leserin gelesen, dann wieder im Rechenzentrum Potsdam. Für Dorothea Krause ist der Leseort fast Hauptmotiv für den Lesungsbesuch. Sie wird durch verwinkelte Gänge aus dem Foyer unter die Bühne des Theaters geführt, wo die erste Lesung stattfindet. Hier steht eine Leiter, da der Motor der Bühne und etwas weiter eine Windmaschine „Allein das ist ein Erlebnis“, sagt sie beim Betreten der Unterbühne, über der auch während der Lesung Proben stattfinden.

Lesen, bis sich alles dreht

„Ich hoffe, dass Menschen über die kleinen Leseinseln, die wir entdecken, ihre Stadt und die Menschen noch mal ganz neu entdecken“, erzählt Jantzen. Auch neue Literaturinteressierte will sie mit „Potsdam liest ein Buch“ gewinnen. Die Lesungen sollen dabei zum Gespräch anregen.

Auf der Bühne poltern die Proben, unter der Bühne Applaus für Alina Wolff. Fast eine Stunde las sie ganz nah am Publikum aus Terézia Moras „Die Liebe unter Aliens“. Zum Gespräch kommt es dann aber nicht mehr. Die Bühne soll sich gleich drehen, alle müssen hinauf ins Foyer, wo die meisten Besucher aus dem Beisammensein in den abendlichen Regen verschwinden.

Von Jan Russezki

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