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Potsdam Diese Antiquitäten bringen die Potsdamer zum Schätzen
Lokales Potsdam Diese Antiquitäten bringen die Potsdamer zum Schätzen
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22:10 21.09.2019
Barbara Straka lässt ihr Silberbesteck von Saad Farooq schätzen. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Wahrscheinlich tat dieser Kartuschkasten einst auf einem Kriegsfeld um 1870 seinen Dienst. Das kleine lederne Behältnis liegt auf dem Tisch von Sophie Spettel. Sie soll seinen Wert schätzen. Das historische Stück trägt die geschwungenen Lettern des damaligen preußischen Königs: FWR. Barbara Straka hat es mitgebracht ins T-Werk. Einst hatte es ein Verwandter von ihr in einem Antiquitätengeschäft in Potsdam gekauft.

Der geschätzte Wert des Reisebestecks liegt schließlich bei 300 Euro. Gartenschläger Quelle: Bernd Gartenschläger

Straka und Spettel treffen aufeinander bei „Schätze schätzen“. Zwei Tische sind aufgestellt, zwei Laptops aufgeschlagen, eine Menge Lupen liegen bereit. Die Potsdamer können mit ihren Antiquitäten vorbeischauen und sie von zwei Experten untersuchen lassen, um zu erfahren, wie viel sie wert sind. Es ist wie die beliebte Fernsehsendung „Bares für Rares“ im ZDF, nur eben ohne all die Kameras und berühmten Menschen.

Zwei Experten schätzen die Stücke

Sophie Spettel nennt keinen Preis, den sie für den Kartuschkasten, in der einst Offiziere ihre Patronen aufbewahrten und die sie vor der Brust trugen, schätzen würde. „Aber ich würde bei einer Auktion bei 40 Euro beginnen“, sagt sie. „Weil dann mehr Leute darum streiten, als wenn ich gleich zu Beginn eine hohe Summe ansetze.“ Spettel (45) ist Kunsthistorikern und spezialisiert auf das Einschätzen von moderner und zeitgenössischer Kunst. Ihr Kollege Saad Farooq (27) ist Schmuckexperte und Gemmologe, das heißt, er kennt sich mit Edelsteinen aus. Beide arbeiten für das Hamburger Auktionshaus Lauritz.

Der Andrang auf die Expertise der beiden hält sich in Grenzen. Menschen, die ihren Besitz schätzen lassen wollen, müssen nicht lange warten. Es sei denn, es ist jemand dabei, dessen Gegenstände schwere Knochen für die Experten sind. Wie das Besteck von Barbara Straka. Sie sitzt auch Saad Farooq gegenüber. Zwischen ihnen liegt, säuberlich nebeneinander gelegt, ein Besteckset, das sinnig entworfen ist. „Es handelt sich um ein Reisebesteck aus Silber aus dem frühen 19. Jahrhundert“, sagt Saad Farooq und nimmt immer wieder eine kleine Lupe vor das Auge und hält das Besteck davor. „Und die Salz- und Pfeffer-Box und der Eierbecher sind innen vergoldet.“

Saad Farooq sucht nach einer Prägung auf dem Besteck, die ihm mehr verrät über Ursprung und Alter. Quelle: Bernd Gartenschläger

Farooq und Straka sitzen lange zusammen. Der Experte sucht im Internet nach der Bedeutung der Punzen, also der Prägestempel am oberen Ende des Bestecks. Sie verraten, in welcher Stadt es hergestellt wurde, welches Material genutzt wurde und welcher Schmied es einst erschuf. Und dann reißt Farooq plötzlich die Fäuste in die Luft und grinst über das ganze Gesicht. „Haben Sie etwas gefunden?“ fragt Barbara Straka. „Ja, die Stadtpunze.“ Sie erzählt dem Schmuckexperten, dass das Besteck in der Tschechischen Republik hergestellt wurde. Und durch den Herkunftsort kann Farooq sagen, wie viel das Reisebesteck etwa wert ist. „Ich würde 300 Euro schätzen.“

Eine andere Dame wartet indes darauf, sich mit dem Schmuck ihrer Mutter bei dem 27-Jährigen vorstellen zu können. Die 60-jährige Potsdamerin, die nicht verraten möchte, wie sie heißt, möchte wissen, wie viel der Schmuck wert ist, da er Teil eines Erbes ist. „Meine Geschwister und ich brauchen den Wert, damit wir das Erbe gerecht verteilen können.“

Wie viel ist der Schmuck der Mutter wert?

Sie hat von der Veranstaltung im T-Werk in der Zeitung gelesen und war sofort interessiert. Denn sie schaut sehr gerne die Sendung „Bares für Rares“. „Ich finde es einfach interessant, weil die Gegenstände ja auch ein Querschnitt dessen sind, was die normale Bevölkerung einst besaß, in den verschiedenen Epochen der Geschichte“, sagt sie. Ob sie den Schmuck verkaufen wird, wisse sie noch nicht, sagt sie. Schließlich habe er für sie auch einen ideellen Wert. „Er erinnert mich an meine Mutter.“

Sophie Spettel und Barbara Straka haben unterdessen festgestellt, dass sich der Kartuschkasten nicht nur für die Aufbewahrung von Patronen eignet. Eine Reihe davon hatte darin Platz. Spettel steckt eine Visitenkarte mit ihrem Namen drauf in den Kartuschkasten. „Passt perfekt“, sagt sie und lacht.

Von Annika Jensen

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