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Potsdam Ausstellung im Rechenzentrum: Von Frauen, die den Fußball lieben
Lokales Potsdam Ausstellung im Rechenzentrum: Von Frauen, die den Fußball lieben
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14:00 07.06.2019
90 Porträts von Frauen im Fußball: Die Ausstellung „Fan.Tastic Females“ läuft noch bis Dienstag im Rechenzentrum. Quelle: Varvara Smirnova
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Potsdam

 Maria Petri sang einfach lauter. Die britische Fußballenthusiastin mit dem ansteckenden Lachen geht auch mit 80 Jahren noch zu Fußballspielen des Arsenal FC in London. Seit 69 Jahren tut Petri das. Sie fährt zu beinahe sämtlichen Heim- und Auswärtsspielen – und musste sich trotzdem immer wieder dumme, sexistische Sprüche anhören. Wenn sie ihre Fangesänge anstimme, käme es vor, dass sich Männer zu ihr umdrehten. „Sie sagen: ‚Geh zurück in die Küche. Weiß dein Mann, dass du hier bist?‘“, sagt Petri. Das sei die Art der Beschimpfungen, die sie sich habe anhören müssen. „Doch ich sang einfach lauter“.

Petri ist eine der vielen starken, interessanten Persönlichkeiten, die die Ausstellung „Fan.Tastic Females – Frauen im Fußball“ porträtiert. Die Wanderausstellung gastiert zur Zeit im Rechenzentrum in der Dortusstraße und nimmt die in den Blick, die zum Fußball dazugehören und die trotzdem immer noch unterrepräsentiert sind. „Frauen müssen sich im Fußball immer wieder Nischen suchen“, sagt Barbara Paech. Die Potsdamerin hat die Ausstellung mit zwei anderen Frauen unter dem Dach des Fan-Netzwerks Football Supporters Europe ins Leben gerufen – und sie hat bei der Recherche Frauen getroffen, die kreativ werden mussten um ihre Liebe zum Fußball leben zu können. Es sind Frauen, die Busse für weibliche Fans für die Spiele zu Auswärtsfahrten organisierten und Frauen, die im Iran normalerweise überhaupt nicht ins Stadion gelassen werden.

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Portraits von 90 Frauen im Fußball aus ganz Europa

Und es sind die Porträts von ganz normalen weiblichen Fußballfans. Grundschullehrerinnen, die ihr Herz an den kleinen Clyde FC in Schottland verloren haben. Krankenschwestern, die an jedem Heimspielwochenende ins Stadio Olimpico zur AS Roma gehen. Insgesamt 90 Frauen porträtiert die Ausstellung. Drei Jahre haben Paech und ihre Kolleginnen recherchiert, sind durch Europa gereist, haben Frauen gefilmt. Entstanden sind Bilder, Anekdoten und Videos – in der Regel in Interviewform und häufig amüsant. Zum Beispiel, wenn die Arsenal-Unterstützerin Maria Petri erzählt, wie viele Spiele sie von ihrem Lieblingsverein sieht. Ihre Antwort: Sie wisse es selbst nicht mehr so genau. Aber alleine in den 14 Tagen vor dem Videodreh seien es sechs gewesen. Denn Spiele der Jugendteams gucke sie seit einiger Zeit nun auch.

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Viel häufiger aber sind es die kleinen Details, die die Frauen erzählen und die vor allem der großen Zahl männlicher Fußballliebhaber einen Einblick in den Alltag als weiblicher Fußballfan geben. Eine Frau erzählt zum Beispiel davon, dass sie gerne viel häufiger auf Auswärtsfahrten mitfahren würde – wenn es denn überall auch immer genügend Frauentoiletten gäbe.

Geschichten von Diskriminierungen stehen nicht im Mittelpunkt – sind aber Thema

Die Geschichten der Diskriminierungen und direkten Beleidigungen, die Frauen im Stadion immer wieder erfahren, stehen dabei nicht zwangsläufig im Mittelpunkt. „Wir haben die Frauen gefragt, wie sie zum Fußball gekommen sind, wie und warum sie zum ersten Mal im Stadion waren oder wie ein perfekter Spieltag für sie aussieht“, sagt Initiatorin Paech. „Die Geschichten der Diskriminierungen kamen dann dabei zum Teil hoch. Wir haben aber nicht direkt danach gefragt.“

So entsteht ein buntes, durchmischtes Bild von Frauen im Fußball in verschiedensten Funktionen. Vom einfachen Fan über die Fußballfanatikerin bis zu Katharina Dahme, der Aufsichtsratsvorsitzenden von Babelsberg 03 – und damit nur einer von zwei Frauen in einer solchen Position in einem professionellen Fußballverein in Deutschland.

Ausstellung noch bis Dienstag im Rechenzentrum

Das Videointerview mit ihr und den anderen Porträtierten können Besucher über einen QR-Code in der Ausstellung auf ihrem Handy anschauen. Kopfhörer sollten deswegen mitgebracht werden. Gegen eine Spende gibt es einen eigenen Code, der es ermöglicht, die Videos zu Hause weiter zu gucken. Die Ausstellung kann noch bis Dienstag im Rechenzentrum besucht werden. Am Samstag ist sie von 13 bis 15 Uhr geöffnet. Dann sind auch Führungen mit Barbara Paech möglich. Am Montag ist sie von 17 bis 20 Uhr, am Dienstag von 15 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Von Ansgar Nehls

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