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Potsdam Autonomes Depot: ViP entwickelt selbst parkende Straßenbahn
Lokales Potsdam Autonomes Depot: ViP entwickelt selbst parkende Straßenbahn
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19:31 08.10.2019
In die Waschanlage, Werkstatt und auf den Parkplatz: Die autonome Straßenbahn "Astrid" soll autark auf dem Hof des ViP rangieren. Quelle: Siemens AG
Potsdam

Noch im Oktober startet Siemens auf dem Betriebshof des Verkehrsbetriebs Potsdam (ViP) das Modellprojekt „Astrid“ (Autonome Straßenbahn im Depot), teilt das Unternehmen am Dienstag in einer Mitteilung mit. „Astrid ist der nächste große Meilenstein auf dem Weg zur autonom fahrenden Straßenbahn“, heißt es darin laut Sabrina Soussan, CEO von Siemens Mobility mit. Siemens will mit einem automatisierten Straßenbahndepot „eine nachhaltige Wertsteigerung über den gesamten Lebenszyklus sicher stellen sowie Verfügbarkeit garantieren“.

Das Ziel der dreijährigen Forschungsphase: Die Tramfahrer sollen die Straßenbahn am Tor des Betriebshofs abstellen. Das Rangieren auf dem Hof soll die Bahn dann völlig autark übernehmen, heißt es aus dem Verkehrsbetrieb Potsdam (ViP). Das Projekt wird mit 2,7 Millionen Euro vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert.

Machbarkeit des autonomen Bahn

In Potsdam soll mit „Astrid“ die technische Machbarkeit eines automatisierten Depots demonstriert werden. Laut Göran Böhm, Sprecher des ViP, soll dafür der Betriebshof nicht verändert werden, sondern die Straßenbahn lernen sich auf dem Hof zu bewegen. Bis die Tram tatsächlich vollautomatisch in die Waschanlage, Werkstatt oder an ihren Parkplatz in der Straßenbahnhalle fährt, könne noch einige Zeit vergehen. „Wir stecken noch in den Kinderschuhen“, sagt Böhm auf MAZ-Anfrage. In den nächsten Wochen gehe es erst einmal darum, Daten zu sammeln. „Wir wollen wissen, welche Aufgaben die Straßenbahn erfüllen kann und was dafür nötig ist“, sagt er.

Schon jetzt ist die vom ViP bereitgestellte und von Siemens und anderen Partnern wie dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ausgerüstete Straßenbahn zu autonomen Fahrten fähig. Auf einer Testfahrt durch Potsdam hat die Straßenbahn bewiesen, dass sie selbstständig Menschen und andere Hindernisse erkennt, hupt und rechtzeitig abbremst. Auch das Halten an einzelnen Stationen lief problemlos ab. Dennoch war im Juli zur Sicherheit noch ein Fahrer nötig, der im Zweifelsfall eingreifen soll.

Autonom fahrende Straßenbahn

Die Straßenbahn von Siemens und dem Verkehrsbetrieb Potsdam ist mit drei Kameras ausgestattet, die die Umgebung im Winkel von 270 Grad vermessen.

Bei Testfahrten am Tage erkannten die Sensoren Menschen und Hindernisse. Siemens sieht bei Nachtfahrten aber noch Verbesserungspotenzial.

In acht bis zehn Jahren will Siemens bereit für den öffentlichen Raum sein.

Fahrer als Rechtsfrage

Laut Göran Böhm, Sprecher des ViP, sei es aus jetziger Sicht wahrscheinlich, dass auch bei dem Projekt „Astrid“ jemand zur Stelle sein wird, der Eingreifen könnte. Dabei gehe es auch um rechtliche Fragen. Das Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM) kümmert sich um diesen Aspekt: „Dass der Fahrer im System als Bezugspunkt von Verhaltensanforderungen, Verantwortung und Haftung fehlt, stellt das Recht und konkret die Genehmigung des Betriebs vor große Herausforderungen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Für diese Fragen ist es von Vorteil, dass der gesetzliche Rahmen auf dem abgeschlossenen Betriebshof ein anderer ist, als im öffentlichen Straßenverkehr.

Mittelfristig würden automatisierte Depots als „eine erste Stufe des autonomen Fahrens kommerziell nutzbar gemacht werden“, heißt es von Siemens. Göran Böhm von des ViP ist ebenso optimistisch: „Heute forschen die Unternehmen für die Technologie der Zukunft.“

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