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Potsdam Awo wirft Stadt Geldverschwendung auf Kosten armer Kinder vor
Lokales Potsdam

Awo Potsdam wirft Stadt geldverschwendung zu Lasten armer Kinder vor

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17:25 28.10.2020
Das Projekt „Spirellibande“, hier ein Foto von 2017, sorgt in Potsdam für kostenloses Essen für bedürftige Kinder. Quelle: AWO/Archiv
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Potsdam

Harsche Kritik übt der Kreisverband Potsdam der Arbeiterwohlfahrt am Maßnahmenplan der Landeshauptstadt gegen Armut von Kindern und Jugendlichen. Damit würden Parallelstrukturen aufgebaut und Geld doppelt ausgegeben, das in weiterführende und ergänzende Projekte gegen Kinderarmut besser investiert wäre, heißt es in einem Offenen Brief, den die Awo-Mitarbeiter am Mittwoch an die Bildungsbeigeordnete Noosha Aubel (parteilos) schickten.

Keine neuen Erkenntnisse im städtischen Konzept

Aubel hatte das städtische Konzept am Dienstag vorgestellt. Die Awo merkt dazu an, dass sie seit Jahren ein Konzept gegen Kinderarmut hat, welches Grundlage der Arbeit im Büro Kinder(ar)Mut sei. Der Awo-Bezirksverband hat dieses Angebot vor über zwei Jahren eröffnet. Das Projekt wird mit 300 000 Euro von der Aktion Mensch gefördert. „Umso irritierter sind wir darüber, dass Sie, sehr geehrte Frau Aubel, jetzt als Bildungsbeigeordnete der Landeshauptstadt, die Sie ja selbst bei der Eröffnung unseres Büros anwesend waren, eine eigene Konzeption gegen Kinderarmut geschrieben und gestern der Presse vorgestellt haben – ohne die seit vielen Jahren geleistete Arbeit in diesem ·Feld zu würdigen“, schreiben die Awo-Mitarbeiter. Wie berichtet, will die Stadt ihrerseits 200 000 Euro in zwei Jahren für „koordinierte Angebote“ ausgeben.

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Die Erkenntnisse des städtischen Konzepts seien nun keinesfalls neu, heißt es im offenen Brief. „Nämlich, dass Kinder, die in Armut aufwachsen, schlechtere Bildungschancen haben, gesundheitliche Defizite aufweisen, keine Hobbys haben und stark von Bildungs- und kultureller Armut betroffen sind.“

Böse Erinnerungen an das Ende der „Spirellibande

Über die Ursachen und Folgen von Kinderarmut gebe es zahlreiche Studien. Der Awo-Bezirksverband habe innerhalb bundesweiter Aktionswochen auf die Probleme aufmerksam gemacht. Themenschwerpunkte waren Kinderarmut, „Armutsfalle Alleinerziehend“ und „Bildung macht Held*innen – gegen Bildungsarmut und kulturelle Armut“. Im Ergebnis seien Forderungskataloge an Politik und Verwaltung und schließlich auch das Büro Kinder(ar)Mut als Entwickler und Koordinator von Projekten und Maßnahmen im Kampf gegen Kinderarmut entstanden. „Das wird von Ihnen offenbar nicht wahrgenommen“, lautet der Vorwurf an Aubel.

Die Sache erinnere an das Vorgehen bei der Verstetigung unseres Projekts „Spirellibande“ durch die Stadt Potsdam: Das kostenlose und durch Sozialarbeiter begleitete gesunde Frühstück an Potsdamer Schulen wurde Anbietern von Schulessen übertragen. „Damit wurde ein für die Kinder wichtiges Sozialprojekt zur Chancengleichheit zum reinen Wirtschaftsprodukt“, heißt es im Brief der Awo-Mitarbeiter. Zum Schuljahr 2018/19 hatte die Stadt Potsdam die Idee und das Projekt Spirellibande übernommen. Seitdem trägt sie die Kosten für die Versorgung der Kinder mit kostenfreiem Frühstück an nunmehr 14 Potsdamer Schulen.

Die Bildungsbeigeordnete Aubel ließ auf Anfrage erklären, sie werde sich erst am Freitag zu den Vorwürfen äußern.

Von MAZonline