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Potsdam Schwimmpaten für Potsdamer Kinder gesucht
Lokales Potsdam Schwimmpaten für Potsdamer Kinder gesucht
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18:13 24.10.2019
Mit dem Wellenreiter zum Seepferdchen: Moderator Attila Weidemann und Schwimmweltmeister Jörg Hoffmann unterstützen die Aktion. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Ein Traum wird wahr: Seit das Büro „Kindermut“ der Arbeiterwohlfahrt (Awo) im Sommer 2018 seine Türen geöffnet hat, bemüht sich das Team darum, Kindern aus Familien, die finanziell kaum über die Runden kommen, kostenfreie Schwimmkurse anbieten zu können. Jetzt ist es vollbracht: Mit der Bäderlandschaft Potsdam als Partner, mit zwei prominenten Schirmherren an der Seite und den ersten Schwimmpaten steht das Projekt „Wellenreiter“ auf dem Startblock.

Der Schwimmunterricht in der Schule kann die Lücke kaum schließen

Die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) schlägt Alarm: Immer weniger Kinder können schwimmen – von den Zehnjährigen kann sich demnach mehr als die Hälfte nicht sicher im Wasser bewegen. Betroffen sind vor allem Kinder, für deren Eltern ein professioneller Schwimmkurs unerschwinglich ist. Je später aber ein Kind mit Wasser in Kontakt kommt, je später es die ersten Züge macht, desto schwerer ist es auch, schwimmen zu lernen. Ängste spielen eine große Rolle, bei den älteren Kindern auch Schamgefühle. Der Schwimmunterricht in der Schule kann diese Lücke kaum schließen, sagt Angela Schweers, die Vorsitzende des Awo-Bezirksverbands. „Man braucht für die Kinder, die das Schwimmen bis zur dritten Klasse nicht sicher gelernt haben, mehr Zeit. Und man braucht auch eine andere Methode.“

Wer 100 Euro gibt, ermöglicht einem Kind das „Seepferdchen“

Hier setzt das Projekt „Wellenreiter“ an. Dabei spenden Bürger und Firmen für Potsdamer Kinder und übernehmen so als Schwimmpate die Kosten für einen Kurs bei der Bäderlandschaft. Wer 100 Euro gibt, ermöglicht einem Kind im Alter von fünf bis sechs Jahren das „Seepferdchen“. Schwimmpaten können aber auch ältere Kinder unterstützen. Extra Kurse soll es für die Wellenreiter-Kinder nicht geben – das ist allen Beteiligten wichtig. „Wir wollen die Kinder nicht stigmatisieren. Es soll nicht heißen: Das ist der Kurs für die Armen“, sagt Franziska Löffler, Leiterin des Büros „Kindermut“. „Die Kinder kommen in die regulären Kurse – niemand erfährt, wer ein Spenderkind ist.“ Auch brauchen Eltern, die ihr Kind in den Kurs geben möchten, nicht den Hartz-IV-Bescheid oder Ähnliches vorzulegen. „Das finden wir entwürdigend“, sagt Angela Schweers.

Freistil-Weltmeister Jörg Hoffmann: „Schwimmen ist Lebensqualität“

Gut und gerne 30 000 Kilometer ist er in seinem Leben geschwommen, schätzt Freistil-Weltmeister, Europameister, Olympia-Dritter, Bundestrainer und nun „Wellenreiter“-Schirmherr Jörg Hoffmann. „Jetzt habe ich keine Lust mehr“ – er sei aufs Joggen umgestiegen, wisse aber: „Wenn sich die Gelenke eines Tages verabschieden, bin ich wieder im Becken. Schwimmen ist immer eine Alternative.“ Er könne sich gar nicht vorstellen, dass jemand nicht schwimmen kann: „Es ist selbstverständlich, dass ich in das Projekt mit einsteige.“ So eine Aktion ins Leben zu rufen, sei eine starke Sache – sie am Leben zu erhalten, noch viel wichtiger. „Schwimmen ist Lebensqualität: Wer schwimmen kann, ist kein Außenseiter. Die Kinder können sich im Wasser austoben und die Eltern ein ruhiges Gewissen dabei haben.“

Moderator Attila Weidemann: „Schwimmen stärkt Selbstbewusstsein“

Als die Schirmherren-Anfrage kam, musste auch Attila Weidemann – Moderator und treuer Wegbegleiter der Awo – nicht groß drüber nachdenken. „Es ist erschreckend und beschämend zugleich, dass wir im ganzen Land die Tendenz haben, dass immer weniger Kinder schwimmen können“, sagt Weidemann, der als Zivildienstleistender einst selbst eine Ausbildung zum Schwimmlehrer absolviert und Kurse gegeben hat. „Ich habe erlebt, was das mit den Kindern gemacht hat“, erzählt er. Schwimmen sei eben nicht nur gut für die Gesundheit. „Schwimmen stärkt auch das Selbstbewusstsein – und es ist ein Glücksmoment.“ Er hoffe, dass nun „eine kleine Lawine“ losgetreten werde und schon im Winter die ersten Wellenreiter loslegen können. „Ich danke dafür, dass ich hier mitmachen darf – und springe auch gern mit ins Wasser.“

Hans-Jürgen Scharfenberg und Wolfhard Kirsch sind die ersten Paten

Die ersten Paten haben schon Herz und Portemonnaie geöffnet: zunächst Linken-Urgestein Hans-Jürgen Scharfenberg, als zweites Bauträger Wolfhard Kirsch. „Wer mal vom Zehnmeterbrett gesprungen ist, weiß, was für ein gutes Gefühl das ist“, so Kirsch: „Das macht breite Schultern und weniger anfällig für alle Gefahren und Herausforderungen des Lebens.“ Kirsch, der seit Jahren die Awo-Spirellibande unterstützt, zeichnete 20 Patenschaften auf einmal: „Ich wünsche mir, dass jeder Potsdamer mitmacht und für 50 Euro ein halbes Selbstbewusstsein ermöglicht und für 100 Euro ein ganzes.“

Schwimmpartner für Potsdamer Kinder gesucht

Mit dem Projekt „Wellenreiter“ will dasAwo-Büro „Kindermut gemeinsam mit der Bäderlandschaft Potsdam möglichst vielen Kindern das Schwimmenlernen ermöglichen.

Die Kurse finden im Kiezbad Am Stern und um Blu statt.

Interessierte Spender wenden sich an das Büro „Kindermut“ unter der Telefonnummer 0331/20076310.

Interessierte Eltern wenden sich ebenfalls an das Büro „Kindermut“. Es ist an folgenden Adressen zu finden:

Am Stern im Eltern-Kind-Zentrum in der Röhrenstraße 6.

In Drewitz im Oskar-Begegnungszentrum, Oskar-Meßter-Straße 4-6.

Am Schlaatz in der Awo-Kita „Kinderland“ im Bisamkiez 101.

Am Hauptbahnhof in den Awo-Räumen in der Babelsberger Straße 12, 5. Obergeschoss.

Das Büro „Kindermut“ hat im Sommer 2018 die Arbeit aufgenommen. Es unterstützt Familien, sensibilisiert fürs Thema Kinderarmut und will diese aktiv abschaffen. nf

Von Nadine Fabian

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