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Potsdam Babelsberger Sanierung vor dem Ziel
Lokales Potsdam Babelsberger Sanierung vor dem Ziel
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19:25 30.12.2018
Luftbild von Babelsberg zwischen Babelsberger Park (links oben), Goethe-Platz (rechts oben) und Nuthe-Straße (unten). Quelle: Stadtkontor GmbH
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Babelsberg

Die Sanierung der Babelsberger Straßen und Plätze sowie der meisten Häuser ist weitgehend abgeschlossen. Nur noch 77 von rund 1100 Gebäuden im Sanierungsgebiet Babelsberg weisen heute einen mittleren oder hohen Sanierungsbedarf auf, heißt es beim Stadtkontor, das die Aufgabe 1991 mit ersten Voruntersuchungen übernommen und seitdem koordiniert hat.

Um die mittlerweile erreichte Qualität des Stadtteils und besondere Baumerkmale zu sichern, sollen künftig zwei Gestaltungssatzungen gelten – eine für den von Weberhäusern geprägten Bereich nördlich der Bahnlinie, eine für das südliche Gründerzeitviertel. Ab 4. Februar sollen die Satzungsentwürfe öffentlich ausgelegt werden, damit Bürger Stellung beziehen können.

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Saniertes Weberhaus in der Karl-Gruhl-Straße. Quelle: Stadtkontor GmbH

Hintergrund ist die formelle Aufhebung des Sanierungsgebiets, womit laut Stadtkontor-Geschäftsführer Uwe Hackmann voraussichtlich Ende 2021 zu rechnen ist. Dann würden zwischen Park Babelsberg und Goetheplatz, Karl-Liebknecht-Stadion und Großbeerenstraße zahlreiche Gestaltungsregeln plötzlich nicht mehr gelten. Um die typischen Dachformen, Tür- und Fensterformate, die verwendeten Materialien oder erlaubten Fassadenfarben zu sichern, sollen bis dahin die Gestaltungssatzungen in kraft treten. Auch die typischen Vorgärten im Gründerzeitviertel und vor allem die begrünten Freiflächen der Innen- und Hinterhöfe, die auf die alten Kolonistengärten der Weber zurückgehen, werden damit gesichert. Damit wird im Geltungsbereich der Satzungen eine umfassende Nachverdichtung, wie sie von den Stadtverordneten in der Brandenburger Vorstadt gerade befürchtet wird, verhindert.

Ladenlokale in den Erdgeschossen sollen geschützt werden

Die Satzung schützt zudem auch die Ladenlokale in den Erdgeschossen vieler Wohnhäuser. „Es herrscht ein hoher Druck, diese zu Wohnungen umzubauen. Aber wir müssen mit dem Einzelhandel auch die Zentrumsfunktion des Sanierungsgebiets für ganz Babelsberg unterstützen“, begründet Hackmann.

Das Haus in der Mühlenstraße 2a wurde ebenfalls umgebaut. Quelle: Stadtkontor GmbH

Zu den restlichen Maßnahmen im Sanierungsgebiet gehören einerseits die westlichen Randbereiche zum Park Babelsberg, etwa an der Jute- und Mühlenstraße, die noch nicht saniert wurden. Auch rund um den Schulstandort Goethe-Schule/Berta-von-Suttner-Gymnasium sind noch Straßensanierungen offen. „All diese Straßen sollen bis 2021 erneuert werden“, kündigt Hackmann an.

60 Jahre lang herrschte in Babelsberg Stillstand

„Als wir anfingen, hatte die Bausubstanz über 60 Jahre Stillstand hinter sich“, erklärt Hackmann. Die letzten größeren Investitionen in Babelsberg fanden in den 1920er-Jahren statt. Die Leitungen unter dem Pflaster stammten noch aus der Jahrhundertwende. 1991 gab es vor allem einen großen Leerstand in Babelsberg. Es lebten nur gut 7000 Menschen im Sanierungsgebiet und die Einwohnerzahl sank bis 1998 noch weiter auf etwa 5800 Einwohner. „Ein wesentliches Ziel war die Beseitigung des Leerstands, um Babelsberg als Wohnstandort zu qualifizieren. Heute leben hier wieder 10 000 Menschen“, sagt Hackmann.

Uwe Hackmann, Geschäftsführer des Stadt-Kontors, auf dem Weberplatz. Quelle: Peter Degener

Zugleich laufen für angrenzende Bereiche des Stadtteils, die nicht Teil des Sanierungsgebiets sind, wichtige Vorarbeiten für deren Weiterentwicklung. Ein kleines Sanierungsgebiet „Am Findling“ existiert bereits. Für das Quartier um die Glasmeisterstraße gegenüber dem Oberlin-Gelände laufen Untersuchungen für eine Nachnutzung des vom Verkehrsunternehmen Regiobus genutzten Betriebshofes.

Vor allem sollen aber der Neuendorfer Anger und dessen Umgebung städtebaulich neu geordnet werden. Denn rund um diese Keimzelle Babelsbergs herrscht ein Wildwuchs alter Gewerbeflächen und es fehlt an einer sinnvollen Wegeführung. Die Voruntersuchungen des Stadtkontors hierfür sind bereits abgeschlossen.

Von Peter Degener