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Potsdam Baby Jane als theatralisches Gruselett
Lokales Potsdam Baby Jane als theatralisches Gruselett
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00:25 21.03.2018
Eine Ode ans Theater: Gudrun Libnau, Monika Seebohm und Barbara Schaffernicht  (v.l.) bei der Premiere im „sans titre“.
Eine Ode ans Theater: Gudrun Libnau, Monika Seebohm und Barbara Schaffernicht (v.l.) bei der Premiere im „sans titre“. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Innenstadt

Die kammerspielartige Inszenierung des Ensembles LX, im mit schwarzem Tuch verhüllten Untergeschoss des Hauses, begann vor circa 30 Besuchern mit fühlbar knisternder Spannung und ersten Getränken an einer improvisierten kleinen Bar.

Angekündigt war „Eine Ode ans Theater“, die sich am Hollywoodklassiker „Was geschah wirklich mit Baby Jane“ von 1962 mit Bette Davis und Joan Crawford orientieren würde. Dieser filmische Psychothriller von zwei beinahe siamesisch verbandelten garstigen Film-Schwestern lieferte dann auch die Textgrundlage für die Bearbeitung des Stoffes durch den Regisseur Richard Jourdant vom Ensemble LX.

Nur drei Akteure halten das Publikum in Atem

Nur drei Akteure agieren fast hautnah vor den Zuschauern auf der einzig durch ein dickes schwarzes Klebeband markierten quadratischen Bühne. Gudrun Libnau spielt das schwer gealterte ehemalige Kindersternchen Jane Hudson mal als eine sich in nostalgisch sentimentale Wahnbilder Träumende und dann wieder als abgrundtief böse Gegenwärtigkeit praktizierende gallige Greisin.

Ihr Konterpart ist ihre Schwester Blanche Hudson (Barbara Schaffernicht), der die Opferrolle zukommt. Auch sie war einst ein Filmstar, doch ihre Kariere endete durch einen mysteriösen Autounfall, der sie seither an den Rollstuhl fesselte. Schaffernicht gibt eine zwiespältig Leidende, bei der, wenn auch in homöopathischen Dosen, gelegentlich geschwisterliches Mitgefühl und Liebe aufzublitzen scheint. Als dramaturgischer Katalysator fungiert Monika Seebohm gleich in mehreren Rollen. So gibt sie gibt das Hausmädchen und den erfolglosen Pianisten Edwin Flagg.

Ein Kosmos seelischer Abgründe

Dieses überschaubare Bühnenpersonal agiert glatte zwei Stunden einzig als wollten sie das Publikum in einen Kosmos seelischer Abgründe zerren. Da wird gequält und gezetert, dass sich einem die Nackenhaare aufstellen. Abwechslung gibt es insofern, als dass regelmäßig auf seelische auch noch körperlichen Gewalt folgt und immer neue Perversionen sowie multiple moralische Defizite offenbar werden. Wen wundert’s, hatte doch bereits der Titel „Baby Jane auf dem Weg zum Berge Golgatha“ hinreichend Elend versprochen. Nur dass das Leid des gekreuzigten Jesus sich im österlichen Trost auflöst, während diese Bühnentragödie in einer letzten brutalen zerstörerischen Gewissheit endet.

Das vorgebliche „Spiel um Liebe und Tod“ bleibt leider im theatralischen Nachspielen des Hollywood Gruseletts stecken, das zudem die Mängel seines Vorbildes, wie dessen krude, arg konstruiert wirkenden Handlung teilt.

Das Programmheft dieser Inszenierung endet mit mehreren fiktiven Fragen an das Publikum. So wird danach gefragt: „Wie viel Tragödie steckt in einem Film-Thriller?“. Noch überraschender aber war die Frage nach dem Anteil von „Poesie und Heiterkeit“, obwohl diese beiden Programmpunkte bedauerlicherweise in dieser Dramatisierung des Stoffes arg stiefmütterlich behandelt wurden.

Ein Gruselcocktail, der gefiel

Das Publikum allerdings schien von der Mischung dieses Gruselcocktails und dem engagierten Spiel der drei Damen ausgesprochen angetan, denn es klatschte bereits zur Pause und diese Begeisterung steigerte sich dann sogar noch am Schluss, als die am Stück Beteiligten mit Blumen und reichlich Beifall beglückt wurden.

Vorstellungen: 23./ 24.03.2018 jeweils um 20 Uhr sowie am 18. und 25.03.2018 um 18 Uhr

Von Lothar Krone

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