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Potsdam Bahnstreik legt Zugverkehr in Potsdam lahm
Lokales Potsdam Bahnstreik legt Zugverkehr in Potsdam lahm
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01:16 13.12.2018
Vom Potsdamer Hauptbahnhof kamen Potsdams Reisende nicht mehr weg: Am Bahn-Informationsschalter suchten sie Hilfe. Quelle: Anne Knappe
Innenstadt

Bahnreisende in Potsdam erlebten am Montagmorgen eine böse Überraschung: Bei der Deutschen Bahn haben Beschäftigte ab 6.17 Uhr in der Früh die Arbeit niedergelegt. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hatte bundesweit ihre Mitglieder zu dem Warnstreik aufgerufen.

Wer als Pendler zur Arbeit musste, hatte schlechte Karten und brauchte viel Geduld. Vier Stunden lang lag der gesamte Zugverkehr inklusive S-Bahnen lahm. Laut dem aktuellen Pendleratlas der Bundesagentur für Arbeit müssen rund 33 300 Menschen täglich von Potsdam aus pendeln – anders ausgedrückt betrifft das jeden zweiten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der Landeshauptstadt.

Bahn füllt 400 Verspätungs-Bescheinigungen aus

„Es ist einfach schrecklich“, klagte Pendlerin Arina Iurikin. Die junge Potsdamerin arbeitet in Berlin in einem Callcenter. Sie hat sich – wie so viele an dem Morgen – eine Verspätungs-Bescheinigung der Deutschen Bahn aushändigen lassen. Sie hofft, dass ihr Arbeitgeber diesen akzeptiert und ihr keine Strafe aufbürdet. „Wenn ich eine Stunde später komme, muss ich zwei Stunden dafür nacharbeiten“, erklärt sie. Acht Schreibblöcke mit insgesamt 400 solcher Bescheinigungen füllten die Bahn-Mitarbeiter im Laufe des Vormittages aus. „Ich muss zum Seminar“, sagt Studentin Nadine, die gerade zur Universität in den Berliner Stadtteil Wedding fahren wollte. Sie ist genervt: „Das interessiert doch die Uni nicht, ob die Bahn streikt.“

Reisende warten an den Bahnhöfen

Währenddessen standen auch an anderen Potsdamer Bahnhöfen viele Reisende vergebens auf den Bahnsteigen. Am Charlottenhof harrten die Menschen stundenlang in der Eingangshalle im Untergeschoss aus, um Kälte und Wind zu entfliehen. Der Babelsberger Bahnhof war wie leer gefegt. Viele Reisende waren zum Potsdamer Hauptbahnhof gezogen, weil sie sich hier bessere Chancen ausrechneten. Weg kamen sie aber auch von hier nicht. Drei Mitarbeiter der Deutschen Bahn informierten die Reisenden am Infoschalter, wann es wo weitergeht. Kurz nach sechs Uhr reichte die Schlange mit verzweifelten Menschen bereits bis zur Buchhandlung am Haupteingang.

Verständnis für die Mitarbeiter

Während die meisten Menschen genervt und wütend waren, gab es auch einige verständnisvolle Potsdamer. „Es ist beschissen, ja. Aber im Grunde finde ich es in Ordnung“, sagt Gisela Jeball. „Das müssten viel mehr Leute in verschiedenen Branche machen.“

Hintergrund des Warnstreiks sind Tarifverhandlungen für rund 160 000 Beschäftigte der Bahn mit der Eisenbahngewerkschaft. Sie ist die größte Bahn-Gewerkschaft, organisiert größtenteils Servicepersonal am Bahnhof und im Zug, aber auch einige Lokführer. Als Grund für die Streiks nannte die EVG zu geringe Löhne des bundeseigenen Konzerns. „Der Streik war ein Erfolg. Die Wucht der Arbeitsniederlegungen hat deutlich gemacht, wie unzufrieden die Kolleginnen und Kollegen mit dem augenblicklichen Verhandlungsverlauf sind“, erklärte der EVG-Sprecher Uwe Reitz.

Neun Regionallinien waren komplett ausgefallen – darunter auch der viel genutzte R1, der von Potsdam über Berlin nach Cottbus fährt. „Wir hatten massive Auswirkungen. Unsere Reisenden waren sehr betroffen“, teilte Bahn-Sprecher Burkhard Ahlert auf MAZ-Nachfrage mit. Ab neun Uhr wurde der Ausstand am Montagmorgen offiziell aufgehoben. Der erste überfüllte Zug fuhr pünktlich nach Streikende ab. Schwallartig trafen dann im Laufe des Vormittags auch die Pendler aus Berlin in Potsdam ein. Insbesondere bei den Regionalbahnen kam es den ganzen Tag noch zu Verspätungen. „Das Ziel ist es, bis Dienstagfrüh wieder planmäßig weiterfahren zu können“, sagte Ahlert.

Am Mittwoch möchte sich die Eisenbahngewerkschaft mit der Deutschen Bahn erneut treffen. „Insofern gibt es erst einmal keine weiteren Streiks“, gab Uwe Reitz Entwarnung.

Von Anne Knappe

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