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Potsdam Bartleby-Premiere am Hans-Otto-Theater
Lokales Potsdam Bartleby-Premiere am Hans-Otto-Theater
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10:11 26.04.2019
Schauspieler Marie-Therése Fischer (l.) und Jonas Götzinger mit Regisseurin Nina de la Parra. Quelle: Foto: Stefan Gloede
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Schiffbauergasse

„Bartleby der Schreiber“ von Hermann Melville ist die Geschichte eines eigentlich perfekt funktionierenden Angestellten, der eines Tages zu seinem Arbeitgeber sagt: „Ich möchte lieber nicht“, dessen rätselhaft passiver Widerstand sich schließlich auswächst bis zur Verweigerung der Nahrungsaufnahme mit Todesfolge.

Das Hans-Otto-Theater (HOT) bringt „Bartleby – Ich möchte lieber nicht“ in einer bearbeiteten Fassung auf die Bühne, in die Erfahrungen der Schauspieler einflossen. Am Sonnabend ist Premiere. Für Regisseurin Nina de la Parra ist es die erste Arbeit in Ostdeutschland und die erste Arbeit mit Werkstattcharakter überhaupt an einer deutschen Bühne.

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Nina de la Parra studierte Englisch an der University of Edinburgh und Regie an der Folkwang Universität der Künste in Essen/Bochum. Sie inszenierte unter anderem „Eine Sommernacht“ am Theater Oberhausen, „Die Verwandlung“ und „Dienstags bei Kaufland“ am Theater Osnabrück, „Ich Moby Dick“, „Ungefähr Gleich“ und „Jackie“ am Landestheater Neuss. 2018 schrieb und inszenierte sie in Utrecht ein Kiez-Projekt mit Schauspielern und Flüchtlingen, das im Flüchtlingslager Utrecht aufgeführt wurde.

In den ersten Gesprächen mit den beteiligten Schauspielern ging es um die Frage, wann sie schon einmal sagten: „Ich möchte lieber nicht.“ Aber auch darum, wann sie es sagen wollten, ohne es dann zu tun.

Die Geschichte des störrisch gewordenen Schreibers werde durcherzählt, angereichert mit persönlichen Episoden und Themen, die in den Besprechungen aufgeworfen wurden. „Polyamorie“ nennt Schauspielerin Therése Fischer als Beispiel, Jonas Götzinger, der den Bartleby spielt, ergänzt: „Ernährung und Klimawandel“.

In ihren Werkstattgesprächen stellten sie einen gravierenden Unterschied der Mentalitäten von Ost und West fest. Bettina Riebesel und Jörg Dathe, die einzigen beteiligten Schauspieler mit der DDR als biografischem Hintergrund, täten sich schwerer als die anderen damit, einfach mal Nein zu sagen.

In einem Interview mit dem HOT-Magazin „Zugabe“ hatte die Regisseurin angekündigt, dass auch die DDR-Geschichte Potsdams zum Thema wird, weil man da „nicht einfach sagen durfte: Ich möchte lieber nicht“. Doch die beiden Potsdam-Episoden sind wegen der Fülle der Ideen wieder gestrichen worden.

Mit der Erzählung „Bartleby der Schreiber“ veröffentlichte Hermann Melville 1853 ein weiteres Mal nach dem 1851 erschienenen Roman „Moby-Dick“ ein Werk, das Eingang in die Weltliteratur fand.

Mit der Fassung „Bartleby – Ich möchte lieber nicht“ kommt die Geschichte erstmals im Hans-Otto-Theater auf die Bühne. In Potsdam wurde „Bartleby der Schreiber“ zuletzt im Sommer 2017 in einer Inszenierung des Ton und Kirschen Theaters open air am Pfingstberg-Belvedere gezeigt.

Premiere in der Reithalle am Sonnabend, 19.30 Uhr. Weitere Vorstellungen am 11. und 30. Mai, jeweils 19.30 Uhr.

Von Volker Oelschläger