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Potsdam Hier müssen die Lastwagen mitten durchs Wohngebiet
Lokales Potsdam Hier müssen die Lastwagen mitten durchs Wohngebiet
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19:37 12.09.2019
Ein neues Viertel entsteht auf dem Lazarett-Gelände hinter der Großbeerenstraße. Die Zufahrt von dort endet auf der Baustelle; drehen ist schwierig für die Lkws. Quelle: Rainer Schüler und KUD
Babelsberg

„Das geht so gar nicht!“ Marianne Krohse (69) steht auf der Straße vor ihrem Haus an der Wildeberstraße und sieht die Kindergruppe mitten auf der Fahrbahn von der Schule zum Hort laufen. Ins Gespräch vertieft sind die Kinder, bemerken nicht den Laster, der von vorne auf sie zukommt. Zum Glück von vorn; so sehen sie ihn dann doch noch und weichen auf die Wiese aus.

Von hinten kommen Lkw auf zwei radelnde Jungen zu, die miteinander reden. Einer der beiden dreht sich um, entdeckt den Kipper. „Paul!“ ruft er: „Ein Laster!“ In einer Grundstückseinfahrt kann Paul die Fahrbahn verlassen.

Bau läuft seit dem Frühjahr

„Seit Ende Mai ist das hier so“, seufzt die Babelsbergerin, die dort seit 1977 wohnt: „Um 7 Uhr morgens geht das los mit dem Baustellenverkehr. Das sind 30-Tonner, bestimmt 20 am Tag.“ Die Fahrzeuge beliefern die Waldpark-Baustelle des Babelsberger Immobilienentwicklers und Stadtverordneten Wolfhard Kirsch. Bis Dezember soll der Anlieferverkehr noch über die Anliegerstraße laufen.

Der Baustellenverkehr für den „Waldpark“ auf dem alten Lazarett-Gelände läuft vor allem über die Wildeberstraße, doch die hat weder Geh- noch Radweg.

Außer den Schulkindern sieht Marianne Krohse auch die Bewohner eines behindertengerechten Hauses und des Ärztehauses in Gefahr, denn die Wildeberstraße hat weder einen Geh- noch einen Radweg. Warum?

Stadt sieht keine Konflikte

Nach Auskunft der Stadtverwaltung handelt es sich um „eine 300 Meter lange übersichtliche Sackgasse mit einer begrenzten Anzahl von Anliegern“. Zwischen Jagdhaus- und Ziolkowskistraße gelegen, sei sie Bestandteil einer Tempo-30-Zone, erklärt Rathaussprecherin Christine Homann auf MAZ-Anfrage:

„Hierfür ist eine Mischverkehrsfläche ausreichend – das heißt, dass diese von allen Verkehrsteilnehmern gleichermaßen genutzt werden kann. Der Ausbau als Mischverkehrsfläche erfolgte zwischen Zufahrt Ärztehaus und Ziolkowskistraße. Der Abschnitt zwischen Jagdhausstraße und Zufahrt Ärztehaus ist Altbestand und verfügt auf der Seite des Ärztehauses über einen Gehweg“, aber nur dort.

Regengraben lässt keinen Gehweg zu

Marianne Krohse findet, dass der Regen statt in einen Graben neben der Straße besser in eine unterirdische Rohrtrasse fließen sollte; dann hätte man Platz für einen Gehweg gehabt. „Für die Funktion als Sackgasse und Anliegerstraße“ sei eine Mischverkehrsfläche wie diese „ein ausreichender Ausbaugrad, so dass auf versickerfähige Materialien als Fahrbahnbefestigung verzichtet werden konnte“, kontert Homann:

Die Versickerung vor Ort im Graben sei die umweltverträglichste Lösung. Nach Wasserhaushaltsgesetz (WHG) stehe die Versickerung des anfallenden Oberflächenwassers vor der Ableitung über ein Kanalsystem. Verkehrlich sei kein Gehweg erforderlich, also „wurde hier nachhaltig gebaut“.

Jeder hat Recht auf Baustellenzufahrt

Auf einem kleinen Stück zwischen Ziolkowski- und Wildeberstraße ist derzeit ein provisorischer Fußweg durch Absperrgitter gesichert, im weiteren, viel längeren Verlauf der Wildeber- hin zur Jagdhausstraße aber nicht. Die kurze Sperrzone ist nach Darstellung der Stadt zum Schutz der Fußgänger nötig, weil hier die Laster eine Kurve fahren müssen.

Die Kirsch und Drechsler Hausbau habe, „wie jeder Anlieger“, die Möglichkeit, für Bautätigkeiten auf dem Grundstück eine Erschließungsmöglichkeit über die öffentlich gewidmete Straße zu erhalten. Nach Wissen der Stadt wurden und werden im Baufeld auch Leitungsverlegungen und Straßenbauarbeiten durchgeführt, die eine Erschließung allein über die Zufahrt Großbeerenstraße technisch unmöglich machen, wo es einen Gehweg gibt und keinen Schülerverkehr.

Weil jeder Anlieger, auch dieses Teils der Wildeberstraße, das Recht habe, bei anstehenden Bautätigkeiten eine Antrag auf Baustellenzufahrt von der öffentlichen Straße zum Baugrundstück zu stellen, gibt es Homann zufolge für die Stadt als Straßenbaulastträger „keinen Grund, diesen abzulehnen“.

Investor verteidigt Baumaßnahme

Das weiß auch Wolfhard Kirsch, der die Anwohner „der guten Ordnung halber“ am 25. Juni schriftlich informierte, von der Stadt eine Zufahrtgenehmigung über die Wildeberstraße erhalten zu haben. „Selbstverständlich sind wir uns der Situation bewusst“, erklärte Kirsch der MAZ gegenüber. Ihm sei allerdings nicht bekannt, dass es zu „Konfliktsituationen“ gekommen sei.

Die Baustellenzufahrt über die Wildeberstraße sei notwendig, weil derzeit die Ringstraße innerhalb des Areals „Wohnen am Waldpark“ gebaut wird. Ohne diese könnten die zukünftigen Bewohner ihre Wohnungen nicht erreichen. Große Baufahrzeuge könnten die Baustelle von der Großbeerenstraße damit zur Zeit nicht anfahren.

Kirsch: Zweite Zufahrt ist nötig

Die Einrichtung der zweiten Baustellenzufahrt über die Wildeberstraße sei in Abstimmung mit den zuständigen Stellen der Stadt Potsdam durchgeführt und von der Stadt Potsdam genehmigt worden, schreibt Kirsch. In der Zufahrt wurde dabei ein von der Fahrbahn mit einem Zaun deutlich abgetrennter und beschilderter Fußgängerstreifen eingerichtet.

„Da die Anlieferung von Baumaterialien nun mal nicht über den Luftraum geschehen kann“, bräuchten die Fahrzeuge bis zur Fertigstellung des neuen Wohnraums „Wohnen am Waldpark“ die Zufahrtsstraße über die Wildeberstraße, so Kirsch. Im Anschluss entstehe inmitten des neuen Wohngebietes ein öffentlicher Park, der dann über einen reinen Fußgängerweg von der Wildeberstraße erreichbar sein wird. Beides werde von der Firma Kirsch und Drechsler errichtet und bezahlt.

„Wenn sich einzelne Anwohner davon gestört fühlen, dass neuer Wohnraum geschaffen wird, ist das bedauerlich“, argumentiert Kirsch und unterstellt, dass etwa Marianne Krohse etwas gegen neue Wohnhäuser hat; sie hat das nie geäußert.

Unternehmen hat Straßenbau bezahlt

Kirsch erinnert daran, „dass die Wildeberstraße vor der Errichtung der dortigen Einfamilienhäuser eine unbefestigte Sandpiste war, die erst im Zuge der Bauarbeiten von Kirsch und Drechsler und ohne Beteiligung der Anlieger zu einer befestigten Straße ausgebaut wurde. Von dieser profitieren heute alle Anlieger.“ Die Wildeberstraße sei öffentlich und wurde zur zum Teil zur Parkverbotszone deklariert. Selbstverständlich müssten sich alle Nutzer an die Straßenverkehrsordnung halten.

Für eine diesbezügliche Kontrolle sei jedoch nicht die Firma Kirsch und Drechsler zuständig, das obliege dem Ordnungsamt und der Polizei. „Dennoch weisen wir in den Baubesprechungen regelmäßig darauf hin, dass alle Fahrzeuge bitte langsam zur Baustelle fahren, damit die Belastung für die Anlieger so gering wie möglich ist.“

Von Rainer Schüler

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