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Potsdam Begegnung in der Vergangenheit
Lokales Potsdam Begegnung in der Vergangenheit
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16:09 30.05.2018
Die HOT-Schauspieler Zora Klostermann und Friedemann Eckert schlüpften bei der Szenischen Autorenlesung in die Romanrollen. Quelle: foto: Christin Iffert
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Freundschaft, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und die Liebe sind Grundwerte, die Caroline Flüh aufgreift, um zwei Jungs aus dem barocken Zeitalter und zwei in der Zeit reisende Mädchen aus dem heutigen Potsdam miteinander zu verbinden. Sie legt die Pfade so, dass Herz und Schmerz, absolutistische Herrschaft und jugendlich aufgeklärter Geist des 21. Jahrhunderts aufeinander treffen. In der Stiftung „Großes Waisenhaus zu Potsdam“ hat Caroline Flüh gestern zur ersten szenischen Autorenlesung zum im März veröffentlichten Kinder- und Jugendroman „Drama an der Hofoper“ in den Friedenssaal des alten Waisenhauses geladen.

„Das Buch entführt in die königliche Welt von Kunst und Musik“, sagte Flüh. Dabei achtete die Autorin vor allem auf eines: historische Authentizität. Die Daten, die Details – alles ist gut recherchiert. Sie sprach seit 2014 mit Wissenschaftlern, fuhr sogar nach Schweden.

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Der dritte Band der Preußen-Trilogie zeigt die Welt vom Waisenjungen Johann, der sich im Jahr 1755 zur Zeit Friedrich des Großen inmitten von Intrigen um die Premiere der Barockoper „Montezuma“ wiederfindet. Er ist zufällig an eine Anstellung als Ankleider des Star-Sängers Paolino gekommen – und dann kommt unerwartet seine große Liebe Emma zurück in seine Zeit. Gemeinsam lüften sie wohlbehütete Geheimnisse. Karriere, Einfluss, Macht und Drogen – es sind Dramen, denen sie begegnen.

Tenor Sören Richter (l.) sang bei der szenischen Lesung und schlüpfte in die Rolle eines italienischen Hofsängers, der als Kastrat Drogen verfallen ist um seine Schmerzen zu lindern. Quelle: Christin Iffert

An dem wohl heißesten Tag im Mai schlüpften die Schauspieler Zora Klostermann und Friedemann Eckert während der Lesung in die Rollen der Leonie und des Johann, während Sören Richter als Tenor das tat, was er am besten kann: singen, auf Italienisch. Gemeinsam machten sie Handlungsstränge auf, ohne zu viel zu verraten. Sie mischten sich unter das Publikum und sprachen es direkt an. „Die Leute lachen, weinen und manchmal quatschen sie auch ein bisschen“, sagte Friedemann Eckert. Es verstummte im Friedenssaal, an deren Wand die Illustrationen des Buches geworfen wurden. Dann erzählte Zora Klostermann von viel zu eng gezogenen Kleidern, prunkvollen Logen in der Königlichen Hofoper unter den Linden Berlins – und ließ sich mitten im Publikum auf einen freien Stuhl fallen, als die Musik zu spielen begann.

Gut 60 Zuschauer waren am Nachmittag gekommen, ein großer Teil unter ihnen waren Schülerinnen der Voltaire-Schule, mit der es eine Kooperation gibt. Sie konnten im Anschluss Fragen stellen, mit den Schauspielern in Kontakt kommen. Die 13-jährige Nele Eichhorn gefiel, dass die Geschichte veranschaulicht wurde. Es war ihre erste Lesung – und nun , sagt sie „bin ich auch neugierig, wie es ausgeht“.

Von Christin Iffert

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