Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Bekommt das Rechenzentrum doch noch eine Chance?
Lokales Potsdam Bekommt das Rechenzentrum doch noch eine Chance?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:02 11.04.2019
Hinter dem bestehenden Rechenzentrum, wo sich früher die Feuerwache befand, soll bis Ende 2023 ein neues Kreativquartier entstehen.
Hinter dem bestehenden Rechenzentrum, wo sich früher die Feuerwache befand, soll bis Ende 2023 ein neues Kreativquartier entstehen. Quelle: Christian Morgenstern
Anzeige
Innenstadt

Der Erhalt des Kunsthauses Rechenzentrum an der Breiten Straße wird noch einmal geprüft. Die Verwaltung hat sich am Dienstagabend im Bauausschuss dazu bereit erklärt, bis Jahresende eine Machbarkeitsstudie durchzuführen. Darin soll untersucht werden, „welche Folgen eine dauerhafte Nutzung des Rechenzentrums mit Begrenzung auf das städtische Grundstück hätte“. Das heißt, dass ein Erhalt des gesamten Gebäudes nicht Teil der Studie sein wird.

Hintergrund der Beschränkung ist die Tatsache, dass die südöstliche Ecke des Rechenzentrums auf dem Grundstück steht, das für das Kirchenschiff der Garnisonkirche vorgesehen ist. Diese Fläche gehört allerdings der Stiftung für den Wiederaufbau der Kirche (siehe Grafik).

Das Rechenzentrum links befindet sich mit einer Ecke auf dem Grundstück der Stiftung für den Wiederaufbau der Garnisonkirche. Sollte das Kirchenschiff gebaut werden, müsste mindestens ein Teilabriss erfolgen. Quelle: Detlev Scheerbarth

„Die Erwartungen sollten nicht zu hoch sein“, sagt die Verwaltung zur Studie

„Wir können das Rechenzentrum noch einmal in unsere Überlegungen miteinbeziehen und eine solche Prüfung vorlegen. Die Erwartungen daran sollten nur nicht zu hoch sein, das wollen wir von vornherein sagen“, sagte Harald Kümmel zum Prüfauftrag der Linken. Kümmel ist in der Verwaltung für die Entwicklung des neuen Kreativquartiers auf dem Areal des Langen Stalls und der ehemaligen Feuerwache verantwortlich.

Sein Plädoyer galt vor allem den Verwaltungsplänen für den Ersatz des Rechenzentrums mithilfe des neuen Kreativquartiers in der unmittelbaren Nachbarschaft. „Wir brauchen unbedingt im Mai die Beschlussfassung, sonst verlieren wir durch die Kommunalwahl ein halbes Jahr, das uns Ende 2023 fehlen würde“, sagte Kümmel. Nach aktueller Beschlusslage könnte das Rechenzen­trum ab 2024 für den Kirchenbau abgerissen werden.

Blick auf das Areal des Langen Stalls und der früheren Feuerwache aus dem Rechenzentrum. Dort entsteht das neue Kreativquartier. Quelle: Anne Knappe

Grundstückswert für neues Kreativzentrum erstmals benannt

Bis dahin muss deshalb der erste Bauabschnitt des neuen Kreativquartiers errichtet und bezugsfertig sein. Noch in diesem Jahr soll ein Investor gefunden werden, der bereit ist, die geschätzten 50 Millionen Euro Baukosten zu investieren. Im nicht-öffentlichen Teil des Bauausschusses wurde am Dienstag auch erstmals der mögliche Grundstückswert für die Fläche der früheren Feuerwache und des Langen Stalls genannt, die zu den Baukosten hinzukäme.

Nach MAZ-Informationen hat ein Gutachten von 2018 einen Verkehrswert von 17 Millionen Euro ergeben. Allerdings sinkt demnach diese Summe durch die geplanten Auflagen des neuen Quartiers auf rund elf Millionen Euro. So sollen dort auf einem Teil der Fläche Mieten unterhalb des gängigen Marktpreises angeboten werden. Im öffentlichen Teil hatte Kümmel noch betont, dass Gutachten zum neuen Kreativquartier ergeben hätten, dass der Investor Bedingungen vorfinde, „die ihn das Projekt wirtschaftlich durchführen lassen“.

Auflagen lassen Verkehrswert des Grundstücks sinken

Bert Nicke, Geschäftsführer des verantwortlichen Sanierungsträgers, erklärte auf Anfrage, dass man sich gutachterlich mit der Wertentwicklung „mit und ohne Auflagen“ befasst habe. „Die Nutzungseinschränkungen haben unmittelbar eine Auswirkung auf den Verkehrswert“, so Nicke.

Geplant ist derzeit, dass auf einem Teil der Fläche besonders günstige Startmieten von durchschnittlich neun Euro verpflichtend werden, die der kleinteiligen Kreativwirtschaft, die derzeit im Rechenzentrum untergekommen ist, den Umzug ermöglichen soll. Der größere Teil der Flächen wird teurer, um so die günstigen Mieten zu ermöglichen. Wenn die Stadtverordneten im Mai zustimmen, wird das Grundstück zu einem Festpreis angeboten, der von einem Gutachter noch festgelegt wird. Das Nutzungskonzept der Bieter entscheidet über den Zuschlag.

Von Peter Degener