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Potsdam Diktator im Bademantel
Lokales Potsdam Diktator im Bademantel
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15:26 09.07.2019
Das betreute Wohnen für chronisch psychisch kranke Menschen am Volkspark in Potsdam. Quelle: Varvara Smirnova
Potsdam

Als der Notarzt am Abend des 9. Januar 2019 die Wohnstätte für psychisch kranke Menschen am Volkspark erreicht, steht ein hoch aufgeschossener Mann im Bademantel auf dem Hof und weist die Retter ein. Der Mann, der den Wagen dirigiert, als hätte er das Kommando, ist Stefan L. (41). Er hat wenige Minuten zuvor einen Mitbewohner vom Balkon sieben Meter in die Tiefe gestürzt – Bernhard F. (68) stirbt auf der Terrasse, auf der er aufgeschlagen ist. Stefan L. sagt, es war Notwehr – F. habe mit eine Waffe gefeuert auf ihn gefeuert.

Der Umgang mit dem Beschuldigten war schwer

Stefan L. lebt derzeit in einer psychiatrischen Fachklinik. Er wird dem Schwurgericht in Handschellen vorgeführt. An Tag 2 im Sicherungsverfahren gegen den Potsdamer, der seit Jahren an einer paranoiden Schizophrenie erkrankt ist und bereits einige Male in geschlossenen Abteilungen untergebracht war, sagen zwei der Betreuer der Wohnstätte am Volkspark aus. Sie bestätigen, was ein Kollege bereits zum Prozessauftakt schilderte: Mit Stefan L., der die meiste Zeit in einer Wahnwelt lebt, war schwer umzugehen – nicht nur die Bewohner, auch die Betreuer fühlten sich von ihm eingeschüchtert.

Er trägt meist den Bademantel, wenn er sich als Befehlshaber aufführt

„Er ist deutlich aufgefallen“, sagt die Betreuungshelferin Annika S.: „Er führte laute Selbstgespräche, die meist einen aggressiven Grundton hatten. Er meinte, dass er das Sagen hat, dass er der Chef ist und dass wir seine Untergebenen sind. Er gab sich als Ordnungshüter, als Polizist – auch mal als Hitler.“ Frappant: Stefan L. trägt meist seinen Bademantel, wenn er sich als Befehlshaber aufführt. Die Pfleger mutmaßen, der Mantel sei wie eine Uniform für ihn.

Dass er mitbestimmen konnte, hat ihm gut getan

Um die Situation für alle im Haus zu entspannen, wird L. 2017 aus seiner Wohngemeinschaft herausgenommen – er zieht in ein eigenes Apartment im Parterre. Das so genannte „Trainingswohnen“ ist für chronisch Kranke gedacht, die ein gewisses Maß an Selbstständigkeit entwickelt haben und Verantwortung für sich selbst übernehmen können – sie gehen arbeiten, kaufen ein, nehmen ihre Medikamente ohne Aufsicht. Zwar sei L. nicht „der klassische Bewohner“ dieses Bereichs gewesen. Die Zeit dort und die Tatsache, dass er bestimmen konnte, hätten sich aber positiv auf ihn ausgewirkt. Dennoch: „Er wusste, dass er ganz doll krank ist.“

Das spätere Opfer hat den Beschuldigten gemieden

Stefan L. und sein späteres Opfer Bernhard F. kannten sich bereits aus einem früheren Lebensabschnitt – Bernhard F. arbeitete in der Bäckerei, in der Stefan L. einst Lehrling war. Im Wohnheim habe F. den Beschuldigten allerdings gemieden, berichtet Annika S.: „Er war traurig, dass es Herrn L. nicht so gut geht. Ein Konflikt war uns nicht bekannt.“

Die Betreuer beschreiben Bernhard F. als sehr umgänglichen Typen. „Er war einer von den netten Leuten, die die WG am Leben erhalten“, sagt der Heilerziehungspfleger Friedrich B.: „Er war die gute Seele.“ Natürlich sei auch F. mal angeeckt: „So wie es jedem in einer WG passiert. Aber es hielt sich alles im Rahmen einer normalen Diskussion.“ – Das Verfahren wird am 29. Juli fortgesetzt.

Von Nadine Fabian

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