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Potsdam Besprechungen und Fußball-Erinnerungen
Lokales Potsdam Besprechungen und Fußball-Erinnerungen
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14:05 12.07.2017
Jann Jakobs (2.v.l.) und Bürgermeister Khatib Abdulrahman Khatib (am Kopf des Tisches) im Gespräch. Quelle: Ildiko Röd
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Sansibar

Nach den Reisestrapazen geht’s für ein paar Stunden ins Bett unters Moskitonetz. Um sieben Uhr morgens erschallt Besteckgeklapper und Stimmengewirr vom Büffet auf der Dachterrasse - Frühstück ruft. Aber zuerst mal Fenster auf. Hoppla - statt des erhofften Panoramas mit Strand und Palmen fällt der Blick auf eine Baustelle in einem Hinterhof mit einem Gebäude, an dem eine waghalsige Gerüstkonstruktion klebt.

Der Blick durchs Hotelfenster Quelle: Ildiko Röd

Viel Zeit, um sich das Alltags-Sansibar anzusehen, bleibt aber ohnehin nicht. Abfahrt zum Rathaus, wo Bürgermeister Khatib Abdulrahman Khatib auf seinen Amtskollegen und Fußballkumpel Jann Jakobs und auf die Stadtverordnetenvorsitzende Birgit Müller (Linke) wartet. Der Verwaltungssitz ist im Vergleich zu seinem Pendant in Potsdam wie ein Puppenhaus zu einem Mehrfamilienhaus. Alles klein und kuschelig und mit baumbestandenem Innenhof. Nur eine einzige Sache ist wirklich groß: der Ventilator, der fast Windpark-Ausmaße hat.

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Schnell wird klar, dass Jakobs hier nicht einfach aus Pflicht, sondern auch aus Neigung handelt.

Die Sympathie zwischen den beiden Rathauschefs ist nicht aufgesetzt. Jakobs fragt den Khahtib auch, ob er sich an den Besuch des Fußballspiels zwischen Babelsberg und Cottbus erinnert, bei dem es zu heftigen Auseinandersetzungen gab. Khatib erinnert sich sehr gut. Er sei vor dem Spiel und den Ausschreitungen angesichts der Polizeipräsenz sehr erstaunt gewesen, dass es so viel Polizei in Potsdam gibt - und war leicht enttäuscht, dass das Polizeiaufgebot nicht ihm gegolten habe.

Khatib ist ein handfester Typ“, lobte Jakobs. Allerdings geht es nicht nur darum, dass sich da Zwei gut verstehen, sondern um „die Beziehungen zwischen den Menschen der Partnerstädte“, unterstrich Jakobs. Aber: „Wir brauchen die Unterstützung der Regierungen, um bestimmte Projekte umsetzen zu können.“

Auf der Agenda stehen Berufsfortbildungen für Jugendliche, weitere Kooperationen bei Klima und Umwelt und die Themen Film, Gesundheit und Weltkulturerbe.

Gedenktafel. Quelle: Ildiko Röd

Kein Weltkulturerbe, aber doch super-spannend ist das DDR-Neubauviertel in Kikwajuni - im Moment teilweise ein echt trauriger Anblick. Schimmelige Häuserwände wegen des Meeresklimas und Müll auf der Wiese - Müllabfuhr ist hier ein Luxus für wenige. „Aber ich würde hier nie wegziehen“, erzählt eine Fünfzigjährige in einem prächtigen bunten Gewand.

Farbenprächtige Kleidung. Quelle: Ildiko Röd

„Ich bin hier geboren und habe immer hier gewohnt“. Zu sechst leben sie in einer Drei-Zimmer-Wohnung, der Abfluss funktioniert teilweise nicht und auch sonst hapert es. Pro-Potsdam-Architekt Thomas Nolte streift fasziniert-schockiert durch die Grünanlagen, die als solche fast nicht mehr zu erkennen sind.

Pro-Potsdam-Architekt Thomas Nolte Quelle: Ildiko Röd

Dann wird es feierlich: Kati Anton von der Bürgervertretung Drewitz unterzeichnet im Beisein des Oberbürgermeisters mit dem Vertreter der Bürgervertretung von Kikwajuni - einem ehrwürdigen, weiß gewandeten Mann im Rollstuhl - einen Kooperationsvertrag. Viele Bürger sind in das Jugendzentrum geströmt, ihre Gesichter strahlen. Asante sana - vielen Dank, sagen Sie zum Abschied.

Von Ildiko Röd

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