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Potsdam „Biosphäre 2.0“ wird zurückhaltend bewertet
Lokales Potsdam „Biosphäre 2.0“ wird zurückhaltend bewertet
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19:37 03.02.2019
Die Biosphäre soll erweitert werden.
Die Biosphäre soll erweitert werden. Quelle: Varvara Smirnova
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Bornstedt

Die Klimazonen der Welt unter einem Dach, ein Hotelneubau und mehr Gastronomie – die Pläne für die Sanierung und Neukonzeption der Tropenhalle Biosphäre am Volkspark rufen ein geteiltes Echo in der Potsdamer Lokalpolitik hervor. Angesichts der kalkulierten Investitionssumme von 17,3 Millionen Euro herrscht in den meisten Fraktionen Zurückhaltung.

Konzept erhält Beifall von Linken, CDU und Die Andere

Beifall erhält das am Freitag vorgestellte Konzept bei den Linken, der CDU und der Fraktion Die Andere. „Das Konzept findet unsere Zustimmung, da es auf den Vorzügen der Biosphäre aufbaut und sie mit attraktiven Elementen ergänzt, die dem Klimaschutz unserer Stadt in besonderer Weise entsprechen“, sagt Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg, dessen Fraktion sich schon in der Vergangenheit für den Erhalt der Biospäre ausgesprochen hatte.

Ein „Grobkonzept, mit dem man gut weiterarbeiten kann“ nennt Matthias Finken, Vorsitzender der Fraktion CDU/ANW, die Pläne. Es müssten nun allerdings Kosten, Mehrwert für das Wohngebiet, Synergien mit dem Volkspark und Zusammenarbeit mit anderen Potsdamer Akteuren geprüft werden. „Wichtig ist die Ausschöpfung von Fördermitteln und die weitere Senkung des jährlichen Zuschusses“, so Finken.

Weitere Geldgeber sollen akquiriert werden

So sieht das auch die Fraktion Die Andere. Das Workshop-Ergebnis des Berliner Kreativbüros Dan Pearlman zeige, „dass die Halle inklusive ihrer bisherigen Funktion nicht nur besondere Qualitäten hat, sondern auch enormes Potenzial für eine inhaltliche Verdichtung“, so André Tomczak.

Potsdam werde um eine „Erlebnisdestination“ reicher, die zum Wiederkommen einlade. Aber die Finanzierung könne „nicht Aufgabe der Stadt alleine sein.“ Die Stadt müsse weitere Geldgeber wie das Bundesministerium für Bildung und Forschung an Bord holen.

Bislang gibt es in der Tropenhalle nur einen künstlichen Dschungel – die Biosphäre soll aber um weitere Klimazonen erweitert werden. Quelle: Varvara Smirnova

Grüne, Bürgerbündnis und SPD sehen hohe Kosten kritisch

Die Investitionssumme schreckt weitere Fraktionen. „Braucht Potsdam wirklich eine 17 Millionen teure Erlebniswelt?“, fragt Janny Armbruster (Grüne) angesichts „knapper Unterstützung“ für Kultur, Stadtteilzentren oder das Mitmach-Museum „Extavium“.

In die gleiche Richtung äußert sich auch Wolfhard Kirsch (Bürgerbündnis): „Das ist ein teures Vergnügen, das man kritisch hinterfragen muss. Das Verhältnis zwischen Bildungsauftrag und Investition stimmt nicht“, so Kirsch. „Die 200 000 Euro, mit denen die Stadt das Extavium unterstützt hat“, seien besser angelegt.

SPD-Chef Heuer ist mit dem Workshop-Ergebnis unzufrieden

SPD-Fraktionschef Pete Heuer ist nicht nur wegen der Kosten zurückhaltend. Er ist auch mit dem Konzept des Büros Dan Pearlman unzufrieden. „Das Ergebnis ist ernüchternd. Die inhaltlichen Ideen genügen offenbar nicht für einen überregionalen Leuchtturm. Das zeigen die Besucherprognosen“, reagiert Heuer auf die Präsentation. So sollen nur 18 Prozent der prognostizierten Besucher von außerhalb kommen.

Er hält es auch für unrealistisch, dass trotz der baulichen Erweiterungen – etwa um eine Wüstenregion und einen Bereich mit arktischer Kälte – die Betriebskosten auf jetzigem Niveau verbleiben sollen. „Das geht so nicht auf“, sagt Heuer. Bei genauerem Hinsehen könne das Ganze „zu einem millionenschweren Risiko für die Stadt“ werden. Er wolle das Projekt in Ruhe mit seiner Fraktion beraten.

Von Peter Degener

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