Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam So wird die Bombe im Potsdamer Zentrum am Freitag entschärft
Lokales Potsdam

Bombe in Potsdam gefunden: Evakuierung des Hauptbahnhofs am Freitag

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:31 25.06.2020
Bombe an Potsdamer Freundschaftsinsel wird am Freitag entschärft – 13.000 Einwohner müssen evakuiert werden Bei einer systematischen Suche durch Taucher ist am Dienstag ein Blindgänger in der Havel gefunden worden. Am Freitag soll entschärft werden. Ab 8 Uhr soll der Sperrkreis stehen. Hauptbahnhof, Humboldtbrücke und die Lange Brücke werden.Foto:Bernd Gartenschläger Quelle: Bernd Gartenschläger
Anzeige
Innenstadt

Der am Dienstag entdeckte englische Blindgänger in der Havel wird am Freitag entschärft. Das gab die Stadt Potsdam in einer Pressemitteilung bekannt. Ab Freitagmorgen, 8 Uhr, müssen rund 13.000 Potsdamer den Sperrkreis verlassen haben.

Der Sperrkreise hat einen Radius von 800 Metern um den Fundort. Darin liegen unter andrem der Brandenburger Landtag, mehrere Kitas, zahlreiche Museen, das Schwimmbad Blu sowie das Mercure Hotel und die Investitionsbank des Landes Brandenburg. Auch das kommunale Klinikum „Ernst-von-Bergmann“ liegt in diesem Bereich. Das Krankenhaus, in dem derzeit 526 Patienten stationär behandelt werden, wird jedoch nicht evakuiert werden, wie eine MAZ-Anfrage ergab.

Anzeige

Liveticker: Die Stadt erklärt in einer Konferenz die Details der Entschärfung am Freitag

Dem Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) der Polizei zufolge muss zur Bombe ein Sicherheitsabstand von mindestens 400 Metern gehalten werden. Das Klinikum liegt mehr als 500 Meter entfernt, so dass die Voraussetzungen für den Verbleib von Patienten und Mitarbeitern im Haus gegeben wären.

Evakuierung unter Coronabedingungen

Herausfordernd wird die Evakuierung unter Coronabedingungen von gleich drei Seniorenheimen. Die Senioren der Josephinen Wohnanlage, der Heilig Geist Residenz und des Pflegewohnstifts City-Quartier werden als eigene Kohorten in Schulen untergebracht. Dafür werden (in gleicher Reihenfolge) die neue Schule an der Roten Kaserne, die Davinci Gesamtschule und das Humboldt Gymnasium genutzt.

Bei der Evakuierung der 350 Senioren und in den Anlauforten wird es schwer den Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten. Deswegen appelliert Feuerwehrchef Ralf Krawinkel an die Potsdamer Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Alles, was dafür nötig ist, soll an den Anlauforten zur Verfügung gestellt werden, sagte er.

Hier können Sie sich während der Sperrzeit aufhalten

Für die Menschen, die im Sperrkreis leben, ihn verlassen müssen, aber keine andere Unterkunft finden, stehen nördlich und südlich der Havel jeweils ein Aufenthaltsort zur Verfügung. Im Norden können Potsdamer im Treffpunkt Freizeit unterkommen, im Süden im Freiland.

Droht Potsdam das Verkehrschaos?

Auch der Verkehr wird am Freitag ab 8 Uhr stark eingeschränkt: Der Hauptbahnhof liegt im Sperrkreis und muss für die Dauer der Arbeiten gesperrt werden, Regionalbahnen sollen umgeleitet werden, die S-Bahn-Linie 7 fährt nur bis Babelsberg. Zahlreiche Bus- und Tramlinien müssen ebenfalls unterbrochen werden. Der zentrale Busbahnhof wird vom Hauptbahnhof im Norden auf den Platz der Einheit verlegt. Im Süden dient die Kreuzung zum Rathaus Babelsberg als zentraler Umstiegsort.

Nur die Straßenenbahnen sollen solange wie möglich, allerdings ohne Halt, durch den Sperrkreis fahren.

Potsdam ganz nah – der Newsletter für die Landeshauptstadt

Sie wollen immer bestens informiert sein, was sich in Ihrer Stadt verändert, aber nicht ständig die News checken? Dann haben wir genau das Richtige für Sie: Unseren kostenlosen Newsletter „Potsdam ganz nah“.

Zweimal wöchentlich nehmen wir Sie mit auf einen Streifzug durch die Landeshauptstadt und geben Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Nachrichten. Aber wir blicken auch hinter die Kulissen. Ehrlich, persönlich und zuverlässig recherchiert. Ganz nah dran eben.

Der kostenlose Newsletter erscheint immer dienstags und freitags und Sie können ihn hier abonnieren.

Auch Auto- und Radfahrer trifft es hart. Weil sowohl die Humboldtbrücke als auch die Lange Brücke gesperrt werden, bleibt nur eine weiträumige Umfahrung des Sperrkreises. Konkret bedeutet das: Potsdamer müssen einen Umweg über Klein Glienicke oder Geltow machen. Bei der Entschärfung werden also Nord- und Süd-Potsdam in jedem Fall von einander getrennt. Diesen Zustand gab es bisher nur einmal und nur für 30 Minuten in Jahr 2010. Diesmal wird es deutlich länger werden.

Wo bekomme ich weitere Informationen?

Am Freitag sollen laut Stadt Potsdam etwa 400 Helferinnen und Helfer aus Stadtverwaltung, Berufs- und Freiwilligen Feuerwehr, Bundespolizei und Polizei im Einsatz sein, um den Sperrkreis zu räumen und abzusichern. Für Informationen zur Entschärfung und zum Sperrkreis ist die Landeshauptstadt ab Donnerstag von 7 bis 19 Uhr unter der Nummer (0331) 289 1677 erreichbar – am Freitag bereits ab 5 Uhr.

Hier finden Sie eine adressgenaue Karte des Sperrkreises der Stadt.

Die 250 Kilogramm schwere Bombe liegt in der Nuthemündung zur neuen Fahrt drei Meter tief unter Wasser. Sie wurde bei einer systematischen Suche gefunden und ist seit der Wende der 203. Weltkriegssprengkörper, der in Potsdam gefunden wurde. Dazu werden nur Bomben ab 50 Kilogramm gezählt.

Potsdam ist besonders belastet

Potsdam ist besonders mit Blindgängern belastet. Seit der Wende wurden mehr als 200 Großbomben entschärft oder gesprengt. Zuletzt wurde im Dezember in der Pirschheide eine 100 Kilogramm schwere Fliegerbombe gesprengt.

Lesen Sie dazu auch: „276 Tonnen Kampfmittel wurden 2019 in Brandenburg geräumt“

Erstmalige Unter-Wasser-Sprengung 2010

Bereits 2010 wurde erstmals eine Bombe in der Nuthe unter Wasser gesprengt. Auch damals wog der Blindgänger 250 Kilogramm. Während 7000 Menschen den Sperrkreis verlassen mussten, hatten zwei Surfer am Rande des Sperrkreises auf die perfekte Welle gewartet.

Am 14. Oktober 2010 sprengte Manuel Kunzendorf eine amerikanische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg in der Nuthe. Quelle: Bernd Gartenschläger

Lesen Sie dazu auch: „Warten auf die perfekte Welle: 250-Kilogramm-Bombe in der Nuthe gesprengt“

Von Anna Sprockhoff, Jan Russezki und Saskia Kirf

Anzeige