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Bombenentschärfungen in Potsdam Was Sie zur Bombenentschärfung in Potsdam wissen müssen
Lokales Potsdam Bombenentschärfungen in Potsdam Was Sie zur Bombenentschärfung in Potsdam wissen müssen
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11:29 17.01.2019
In diesem Loch auf dem Baugelände neben der Speicherstadt wurde der Blindgänger entdeckt. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

 Am Donnerstag, dem 17. Januar, wird es aufgrund einer Bombenentschärfung am Leipziger Dreieck zu erheblichen Einschränkungen kommen, vor allem, weil diesmal auch der Potsdamer Hauptbahnhof geschlossen und die Lange Brücke gesperrt wird.

Die gesperrte Zone muss bis 8 Uhr geräumt sein; erst danach können die angeforderten Evakuierungstrupps prüfen, ob noch Menschen im Sperrbereich sind. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Blindgänger, zum Sperrgebiet und zum öffentlichen Nahverkehr:

Was für eine Bombe ist das?

Es handelt sich um eine US-amerikanische 250-Kilogramm-Bombe mit dem Heckaufschlagzünder M 101. Der Sprengkörper lag in einem Meter Tiefe; der technische Zustand des Zünders kann nach Auskunft des staatlichen Kampfmittelbeseitigungsdienstes (KMBD) erst nach der Reinigung beurteilt werden. Das Gelände wird im Auftrag der Stadt systematisch auf Blindgänger abgesucht; das besorgt zum wiederholten Male die Bohr- und Sprengtechnik Alexander. Auf dem betroffenen Baugelände am Leipziger Dreieck soll ein Hotel entstehen.

Wann wurde die Bombe abgeworfen?

Vermutlich in der Nacht des 14. April 1945, der so genannten „Nacht von Potsdam“, von einem Flugzeug der US-Luftwaffe. Der Befehl zur Bombardierung wurde an jenem Abend um 22.39 Uhr erteilt.

Welcher Bereich muss geräumt werden und wer ist davon betroffen?

Rund 5900 Menschen leben und arbeiten im Sperrkreis, der einen Radius von 800 Metern um den Fundort hat. Er wird begrenzt durch die Dortustraße, Yorckstraße, Am Kanal, Burgstraße, die Nuthe, Humboldtring, Friedhofsgasse, Wirtschaftswege rund um den Brauhausberg sowie in der Templiner Vorstadt durch die Templiner Straße, Leipziger Straße und den Stichweg zum Havelufer.

Im Sperrgebiet befinden sich unter anderem die Speicherstadt, die Staatskanzlei Brandenburg, der Landtag sowie mehrere Ministerien, der Hauptbahnhof, die Polizeidirektion, zwei Pflegeheime, eine Einrichtung des betreuten Wohnens, die Comenius-Schule, das Sport- und Freizeitbad „blu“, das Hotel Mercure, das Rechenzentrum, der Neue Markt, der Alte Markt, die Freundschaftsinsel, das Extavium, und die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB).

Das Potsdam-Museum, das Filmmuseum, das Kunstmuseum Barberini und das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte sowie die Volkshochschule und die Stadt- und Landesbibliothek im Bildungsforum müssen ab 8 Uhr bis zum Ende der Sperrungen geschlossen bleiben.

Was bedeutet das für den öffentlichen Nahverkehr?

Der Hauptbahnhof ist ab 8 Uhr komplett gesperrt. Von den Sperrungen betroffen sind die Straßenbahnlinien 91, 92, 93, 96 und 98 ab Platz der Einheit in Richtung Süden sowie sämtliche Buslinien ab und vom Hauptbahnhof.

Die Straßenbahnen fahren ab 8 Uhr ohne Halt zwischen Platz der Einheit und Friedhofsgasse durch. Sobald der Sperrkreis abgesichert ist und der Sprengmeister mit der Entschärfung beginnt, wird der Verkehr auf den Tramlinien komplett unterbrochen.

Sämtliche Busse starten und enden ab 8 Uhr am Platz der Einheit in Richtung Nord und West sowie in am Rathaus Babelsberg in südliche und östliche Richtung. Die Vollsperrungen gelten bis zur offiziellen Entwarnung.

Einschränkungen gibt es auch im Regionalverkehr und bei der S-Bahn. Die S-Bahnen in Richtung Berlin starten und enden ab 8 Uhr am S-Bahnhof Babelsberg. Die Regionalbahnen fahren bis zum Start der Entschärfung ohne Halt am Hauptbahnhof.

Und für Autofahrer?

Die westliche Sperrkreisgrenze liegt an der Dortustraße, nördlich an der Yorckstraße und der Straße am Kanal, welche allesamt frei befahrbar bleiben. Südlich wird die Heinrich-Mann-Allee stadteinwärts bis zur Friedhofsgasse frei bleiben. Die Friedrich-Engels-Straße, wo sich auch die MAZ-Redaktion und -Druckerei befinden, liegt teilweise in der Nähe des Hauptbahnhofs im Sperrkreis – ab der Friedhofsgasse bleibt sie offen.

Das Wohngebiet Zentrum-Ost ist nicht betroffen. Auch der Wissenschaftspark „Albert Einstein“ auf dem Telegrafenberg liegt außerhalb des Sperrkreises, dessen östliche Grenze die Spitze der Freundschaftsinsel gegenüber der Nuthemündung in die Havel ist.

Wie lange dauert der Einsatz?

Das hängt von der Bereitschaft der Menschen ab, den Sperrkreis rechtzeitig zu verlassen. Erst wenn der Sperrkreis als geräumt gilt, kann Sprengmeister Mike Schwitzke loslegen. Auch weiß dieser jetzt noch nicht genau, wie gut erhalten bzw, wie beschädigt der Zünder ist und wie leicht oder schwer er zu entfernen ist.

Nach Einschätzung von Ingo Decker, Sprecher des Innenministeriums, ist die Evakuierung deutlich umfangreicher als bei den jüngsten Entschärfungen, als die Bomben am früheren Straßenbahndepot an der Heinrich-Mann-Allee gefunden wurden: „Das ist recht robust“, sagte Decker der MAZ: „Wir können nur jeden im Sperrkreis mahnen, die Anweisungen der Behörden für die Räumung als dringend anzusehen.“

Wird es ein Infotelefon geben?

Ja. Auskünfte rund um die Entschärfung und den Sperrkreis erteilen die Mitarbeiter der Landeshauptstadt unter (0331) 289 1677 sowie 289 1642. Personen, die nicht selbstständig den Sperrkreis verlassen können, melden sich bitte frühzeitig bei der Potsdamer Feuerwehr unter (0331) 370 1216, um einen Transport für Donnerstag zu bestellen.

Wo kann man unterkommen?

Während der Sperrung steht das soziokulturelle Zentrum Freiland in der Friedrich-Engels-Straße als Aufenthaltsort für Betroffene zur Verfügung.

Was macht man mit seinem Haustier?

Tiere sind in Notunterkünften nicht gern gesehen. Es wird empfohlen, sie mit genügend Futter und Trinken in der Wohnung zu lassen.

Was sollte man aus der Wohnung mitnehmen?

Wichtige Dokumente und Medikamente.

Wann darf man zurück?

Wenn über die Medien im Radio, Fernsehen und Internet die Aufhebung des Sperrkreises nach Entschärfung der Bombe bekannt gegeben wird, nicht schon etwa nach dem Knall einer Sprengung des Zünders oder gar der Sprengung der Bombe.

Wir berichten am Donnerstag ab 6 Uhr unter
maz-online.de/potsdambombe
live von der Evakuierung und der Bombenentschärfung und halten Sie dort permanent auf dem Laufenden.

Was passiert mit Störern?

Jede Form der Störung und Verzögerung wird angezeigt und sofort beendet. Störer müssen mit Bußgeldern bis zu 5000 Euro rechnen.

Von Rainer Schüler

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