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Potsdam „Ich zeige im Ring, was ich kann“ – wie das Potsdamer Box-Projekt „Fair“ beim Ankommen hilft
Lokales Potsdam

Boxen in Potsdam: Diese Jungs boxen bei Fair - und haben einiges vor

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20:47 12.12.2020
Sterntaler Aktion-Box-Jungs Lamjed (17) rechts und Daniel (14) gehören zum Team des Boxvereins "Fair" hier im Boxkeller an der Uni Potsdam am Neuen Palais Foto:Bernd Gartenschläger
Sterntaler Aktion-Box-Jungs Lamjed (17) rechts und Daniel (14) gehören zum Team des Boxvereins "Fair" hier im Boxkeller an der Uni Potsdam am Neuen Palais Foto:Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Sie haben große Vorbilder – und noch größere Träume. Lamjed Khazri und Daniel Jardan boxen beide beim Sportprojekt „Fair“, für das die MAZ in der diesjährigen Weihnachtsaktion Spenden sammelt. Die Freunde wollen hoch hinaus: „Ich möchte wie Muhammad Ali sein. Er arbeitet viel mit dem Oberkörper und bewegt seine Füße schnell“, erzählt der 17-jährige Lamjed. Daniel hat ebenso viel vor. „Ich will in ein paar Jahren mit Mixed Martial Arts anfangen und dann im UFC Sport machen“, sagt der 14-Jährige im MAZ-Gespräch.

Beide sprechen mehrere Sprachen

Daniels Augen strahlen, als er von seinem Idol, dem moldauischen MMA-Sportler Ion Cuelaba, berichtet. „Er kommt aus dem gleichen Land wie ich“, erzählt er. Cuelaba trägt in der MMA-Szene den Namen Hulk: Er malt sich grün an, ist sehr muskulös und von seinem Können überzeugt. „Niemand hat an ihn geglaubt“, erklärt Daniel. „Er hat alles selbst erreicht, gemeinsam mit seiner Frau.“ Das findet Daniel, der ebenfalls aus Moldawien stammt, vorbildlich. Er lebt seit 2018 mit seiner Mutter in Deutschland und spricht mehrere Sprachen, darunter Russisch, Rumänisch und Deutsch. Aktuell geht er auf die Lenné-Schule in Potsdam.

Auch Lamjed ist ein Sprachentalent. So kann er sich zum Beispiel auf Deutsch, Arabisch und Italienisch unterhalten. Der 17-Jährige wurde in Italien geboren, lebte in Tunesien, wieder in Italien und später auch in Belgien. Im Jahr 2017 kam er mit seinem Vater nach Deutschland. Mittlerweile geht er in die zehnte Klasse der Potsdamer Käthe-Kollwitz-Oberschule.

„Frieden und Zukunft“

Was ist Lamjed als erstes in Deutschland aufgefallen? Er lacht, überlegt nicht lange und sagt: „die Sprache“. Mithilfe seiner Freunde und der Schule habe er sich Deutsch beigebracht. Er fühlt sich wohl in Potsdam, doch die Temperaturen machen ihm zu schaffen: „Es ist kalt hier.“ Was er mit Deutschland verbindet? Für Lamjed ist es klar: „Frieden und Zukunft“.

Lamjed (17) rechts und Daniel (14) boxen seit 2018 bei "Fair" mit. Quelle: Bernd Gartenschläger

Dass Daniel ein erfolgreicher MMA-Kämpfer wird, ist für ihn keine Frage, sondern ein Fakt: „Wenn ich ein großer Sportler werde, möchte ich wieder nach Moldawien ziehen. Ich will mein Land repräsentieren. Ich möchte, dass die Leute mich als einen Moldawier kennen“, erzählt der 14-Jährige stolz. Auch Lamjed merkt man an, dass er sehr an Italien hängt: „Ich habe schon viele Länder gesehen. Doch mit Italien fühle ich mich am stärksten verbunden, da bin ich geboren und aufgewachsen. Meine Mutter und viele meiner Freunde sind in Italien.“

Selbstsicherheit und Entspannung

Lamjed und Daniel kennen sich aus der Schule. Beide haben im Jahr 2018 bei Fair angefangen, nachdem Daniel das Angebot entdeckt hatte. Er ging damals direkt zu Lamjed und sagte ihm: „Komm mit zu Fair!“ Durch das Projekt haben sie aber nicht nur die Leidenschaft für den Boxsport gefunden, sondern auch Freundschaften und enge Bindungen zu den Trainern.

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Das Projekt Fair ist nämlich nicht nur ein Sportangebot – das Team unterstützt die Kinder und Jugendlichen auch bei persönlichen Anliegen. Vor dem Boxen habe Lamjed Angst gehabt, vor anderen Menschen zu stehen, sei es in der Schule oder im Boxring. Doch das Training habe ihn entspannter, selbstbewusster gemacht. Das hilft ihm auch bei Wettkämpfen, wie er berichtet: „Ich zeige im Ring, was ich kann.“ Beim Boxen kann Lamjed alles ausblenden: „Ich stehe im Ring, alles ist schwarz und ich sehe nur meinen Gegner.“ Vor der Corona-Pandemie war er jeden Tag im Boxkeller. Die pädagogische Leiterin von Fair Maria Pohle berichtet: „Lamjed hat die höchste Anwesenheitsquote“. Was gibt ihm das Boxen? „Wenn ich im Boxkeller bin, kann ich meinen Kopf frei machen.“

„Vor Corona war alles einfacher“

Doch die Corona-Krise macht ihm zu schaffen – trainieren kann Lamjed fast nur noch zu Hause. „Vor Corona war alles einfacher“, erzählt er. „Im Boxtraining braucht man einen Partner, um wirklich besser zu werden.“ Sogar bei der Landesmeisterschaft sollte der 17-Jährige auftreten, trainiert habe er dafür auch schon. Aber dann kam die Pandemie. Auch Daniel trainiert momentan zu Hause. Er schaut sich Videos von seinem Idol, dem grünen Hulk, an und lernt sogar Judo. Er hat Talent, sagt Pohle.

Lamjed und Daniel freuen sich schon auf die Zeit nach Corona, denn sie haben große Pläne: Lamjed möchte die „Landesmeisterschaft gewinnen“ und Daniel will seinen „ersten Wettkampf machen“. Auch Muhammad Ali und MMA-Hulk haben einst so angefangen.

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Von Alisha Mendgen