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Potsdam So sah der Potsdamer „Bummelboulevard“ vor 40 Jahren aus
Lokales Potsdam So sah der Potsdamer „Bummelboulevard“ vor 40 Jahren aus
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00:20 01.05.2019
Klement-Gottwald-Straße mit Blick zum Brandenburger Tor um 1979. Quelle: Förderverein Potsdam-Museum
Innenstadt

Eine außergewöhnliche Sammlung von Aufnahmen der heutigen Brandenburger Straße kurz nach der Rekonstruktion Ende der 1970er Jahre ist vom Förderverein des Potsdam-Museums in einem Antiquariat erworben und an das Museum übergeben worden.

Gezeigt werden in elf Aufnahmen unter anderem das Brandenburger Tor, eine Gesamtansicht der damaligen Klement-Gottwald-Straße, sowie Außen- und teilweise auch Innenaufnahmen beliebter Restaurants und Cafés wie „Gastmahl des Meeres“, „Babette“ und „Stadttor“.

Die Bildermappe war ein Geburtstagsgeschenk der regionalen Parteiführung an den SED-Funktionär Friedrich Ebert jr., „verbunden“ mit einem „Dank für Deine stete Aufmerksamkeit und große Hilfe bei der Entwicklung der Stadt Potsdam“, wie es in der Widmung hieß.

Friedrich Ebert jr., geboren am 12. September 1894 in Bremen und Sohn des sozialdemokratischen Reichspräsidenten Friedrich Ebert, war nach dem Zweiten Weltkrieg Landesvorsitzender der SPD Brandenburg und nach der Zwangsvereinigung mit der KPD Landeschef der SED. 1946 wurde er Präsident des Brandenburgischen Landtages, bevor Ebert jr. im November 1948 auf Betreiben der sowjetischen Besatzungsmacht zum Oberbürgermeister Berlins gewählt wurde.

Die 1734 bis 1738 unter Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. errichtete und vom Zweiten Krieg weitgehend verschonte Barockstraße in Potsdam, die 1950 nach dem tschechischen Kommunisten Klement Gottwald umbenannt worden ist, wurde von 1975 bis 1978 in ihrer Gesamtlänge von 750 Metern mit allen Häusern komplett saniert und zur Fußgängerzone umgestaltet.

Das Schreiben der Potsdamer Genossen an Ebert jr., der zu dieser Zeit als Vorsirzender der SED-Fraktion in der Volkskammer und as stellvertretender Vorsitzender des Staatsrates der DDR zum engsten Führungszirkel der Partei zählte, liest sich wie eine Leistungsschau: „Dieser ,Bummelboulevard’ wurde als ein interessanter Erlebnisbereich für die Potsdamer Bürger und Gäste ... gestaltet. 160 Wohnungen wurden auf das Niveau von Neubauwohnungen gebracht, sowie 90 Einrichtungen des Handels, der Gastronomie und der Dienstleistungen rekonstruiert.“

An der Neugestaltung der Klement-Gottwald-Straße seien Bauarbeiter aus allen 16 Kreisen des damaligen Bezirks Potsdam beteiligt gewesen.

Nach Auskunft des Architekturführers „Das andere Potsdam“ von Christian Klusemann stand die Sanierung der Klement-Gottwald-Straße für einen „DDR-weiten Paradigmenwechsel“, „denn bis dato hatte man lediglich Einzelbauten geschützt, galt doch Stadterneuerung (zuvor) noch in erster Linie als Rekonstruktionsmaßnahme im Sinne von Abriss und Neubau“.

Mit dem Bau ihres von den Potsdamern spöttisch Broadway genannten „Bummelboulevards“ war die Bezirksstadt im Vergleich zu anderen Orten in der DDR allerdings spät dran. Städte wie Leipzig, Rostock, Weimar und Gotha hatten laut „Das andere Potsdam“ bereits in den 1960er Jahren Einkaufs- und Geschäftsstraßen für den Durchgangsverkehr gesperrt.

Die Rekonstruktion der Klement-Gottwald-Straße und ihr Umbau zum Boulevard blieb in Potsdam eine einmalige Anstrengung. Zur Sanierung weiterer Straßen der sogenannten Zweiten Barocken Stadterweiterung zwischen Friedrich-Ebert-, Charlotten-, Schopenhauerstraße und Hegelallee fehlten Kraft und Mittel.

Zum Ende der DDR drohte mit einem Flächenabriss und dem Ersatz durch Plattenbauten der Verlust kompletter Straßenzüge. An den Widerstand dagegen erinnert die Ausstellung „Fundstücke aus Brandenburg im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte. Am 28. Mai um 18 Uhr gibt es eine Podiumsrunde „Protestieren für die Stadt: Die Gruppe ARGUS 1989/90“ mit Zeitzeugen in der Gedenkstätte Lindenstraße 54.

Das Schreiben der Genossen. Unterzeichner sind Günther Jahn (SED-Bezirkschef), Uli Schlaak (2. Sekretär SED-Bezirksleitung), Herbert Zschoppe (Vorsitzender Rat des Bezirkes) und Gerhard Pannhausen (Chef der SED-Kreisleitung). Quelle: Förderverein Potsdam-Museum

Bei der Bildermappe für Friedrich Ebert jr. handelt es sich nach Einschätzung von Markus Wicke, dem Vorsitzenden des Museums-Fördervereins, um ein Einzelstück, ein extra angefertigtes Unikat. Besondere Bedeutung habe der Fund angesichts des wachsenden Interesses an DDR-Architektur und DDR-Baugeschichte.

Wicke verweist dabei nicht zuletzt auf die aktuelle Entwicklung im Streit um den Erhalt des Terrassenrestaurants „Minsk“. Das ist in der Bildersammlung gleich zweimal berücksichtigt. Möglicherweise, weil es fast zeitgleich mit der Rekonstruktion der Klement-Gottwald-Straße errichtet wurde.

Das Restaurant Minsk am Brauhausberg, dahinter die „.Kreml“ genannte SED-Bezirksleitung. Quelle: Förderverein Potsdam-Museum

Eines dieser Bilder zeigt das RestaurantMinsk“ mit dem „Haus der Partei im Hintergrund“, wie es in der Legende heißt. Gemeint war die im Volksmund „Kreml“ genannte SED-Bezirksleitung auf dem Brauhausberg.

Die Bildermappe ist nicht datiert. Wicke vermutet, dass sie 1979 angefertigt wurde, als die Arbeiten in der Klement-Gottwald-Straße weitgehend erledigt waren. Lediglich das Kunstprogramm für den öffentlichen Raum mit Skulpturen wie der Figurengruppe „Familie Grün“ stand damals noch aus. Friedrich Ebert jr. starb kurz darauf im Dezember 1979.

Von Volker Oelschläger

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