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Potsdam Brandenburger Straße muss saniert werden
Lokales Potsdam Brandenburger Straße muss saniert werden
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15:45 07.09.2017
Stefan Scharnbeck zeigt das kaputte Pflaster in der Brandenburger Straße. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Innenstadt

Alarmstufe Rot für die Brandenburger Straße: Die Flaniermeile zwischen Brandenburger Tor und Friedrich-Ebert-Straße muss dringend saniert werden – sonst ist die Fußgängerzone irgendwann für die Passanten nicht mehr verkehrssicher. „Die Situation in der Brandenburger Straße ist hochproblematisch“, warnte Martina Woiwode, Bereichsleiterin Verkehrsanlagen, am Dienstag im Bauausschuss.

Das Natursteinpflaster ist an vielen Stellen locker und wackelig. Zuletzt wurde der „Boulevard“ Mitte der 1990er saniert; davor Mitte der 1970er Jahre. Zwischen den Steinen sind die Fugen so breit, dass sie zum Sicherheitsrisiko werden. Besonders Passanten mit Rollatoren und Rollstuhlfahrer meiden die acht Meter breite Fläche zwischen den zwei abgesenkten Gehwegstreifen. Die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs müssen ein- bis zweimal pro Woche ausrücken, um lockere Steine auszubauen und mit „Plomben“ aus dunkelrotem Asphalt zu ersetzen. Mittlerweile kann der Bauhof das alleine nicht mehr leisten, weshalb seit diesem Monat noch eine externe Baufirma beauftragt worden ist.

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Blick in die Brandenburger Straße. Quelle: Friedrich Bungert

Auch Händler blicken sorgenvoll auf die Stolperfalle vor ihren Läden. „Das Pflasterproblem kennen wir schon seit langem – die Steine werden immer lockerer, die Ritzen immer größer“, bestätigt Optikermeister und AG-Innenstadt-Schatzmeister Stefan Scharnbeck der MAZ. Damen in Stöckelschuhen, Rolli-Fahrer, Passanten mit Kinderwagen und Senioren würden sich oft nicht mehr über die Fläche wagen.

Eine Straße mit langer Tradition

Im 18. Jahrhundert quartierte der Soldatenkönig in den Häusern Rekruten ein. Bis zur Wende hieß der Straßenzug Klement-Gottwald-Straße, danach wieder Brandenburger Straße.

Die letzte Sanierung des Pflasters fand Mitte der 1990er Jahre statt. „Damals blieben viele Kunden weg“, erinnert sich Mode-Lady Karin Genrich, die bis vor kurzem ihr Geschäft in der Jäger- und zuvor in der Brandenburger Straße betrieb. Allerdings habe man auch damals gewusst: Die Sanierung ist notwendig. Deshalb biss man in den sauren Apfel.

Aus Sicht der Verwaltung ist die Schmerzgrenze erreicht. Statt des „Plomben“-Flickenteppichs, mit denen die Straße übersät ist, soll das Pflaster endlich ordentlich saniert werden. „Es kann nicht mehr repariert werden“, sagte Woiwode klipp und klar vor dem Bauausschuss. Allerdings würde es nicht reichen, das Pflaster zu ersetzen. Die Wurzel des Übels liegt tiefer – unterhalb des Pflasters. Bei einer der früheren Sanierungen wurde für den Unterbau ein Mix aus Beton und Recyclingmaterial verwendet. Dabei kam auch Ziegelschutt mit Kalk zum Einsatz, der abbindet und fest wird. Die Folge: Wasser kann nicht mehr ablaufen; bei Frost brechen die Steine.

Gerade bei Festen ist auf der Brandenburger Straße enorm viel los. Quelle: Friedrich Bungert

Fakt ist laut Woiwode: Es muss bald etwas getan werden. Fakt ist aber auch: Eine runderneuerte Straße gibt es nicht unbedingt zum Sparefroh-Tarif. Die Kosten für die Sanierung würden je nach verwendetem Material unterschiedlich ausfallen: Die Maximalvariante ist ein Natursteinpflaster für 2,1 Millionen Euro, gefolgt von einem Betonpflaster für 1,9 Millionen. Auch Asphalt wäre eine Variante. Hier reicht die Spannbreite von etwas mehr als einer halben Million für schwarzen Asphalt bis hin zu 1,2 Millionen für farbigen Asphalt mit Struktur. Bauausschussvorsitzender Ralf Jäkel (Linke) plädierte dafür, nicht an der falschen Stelle knauserig zu sein und auf Natursteinpflaster zu setzen. „Wir müssen der historischen Rolle gerecht werden – immerhin ist die Brandenburger Straße mit dem Alten Markt vergleichbar.“

Wie die Anlieger an der Maßnahme beteiligt werden sollen, ist noch unklar. Entweder in Form einer Abschöpfung der Werterhöhung, falls die Regelungen für das Sanierungsgebiet Potsdamer Mitte Nord greifen. Oder die Anlieger müssen sich – falls das Sanierungsgebiet vor der Erneuerung der Straße aufgehoben wird – mit einer Umlage beteiligen.

Für die Händler würde eine Sanierung zwar „ganz sicher Umsatzeinbußen bedeuten“, so Optikermeister Scharnbeck. Aber: „Wir kommen nicht mehr drumherum.“ Damit die Belastung nicht zu groß wird, sollte die Sanierung abschnittsweise erfolgen, empfiehlt der Inhaber von Scharnbeck-Optik.

Von Ildiko Röd

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