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Potsdam Das Brandenburger Tor strahlt wieder
Lokales Potsdam Das Brandenburger Tor strahlt wieder
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01:16 20.10.2018
Beendigung der Sanierungsarbeiten am Brandenburger Tor: Baudezernent Bernd Rubelt, Thomas Schenke vom Grün- und Verkehrsflächenamt und Denkmalpfleger Roland Zurkuhlen (v.l.). Quelle: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

Das Brandenburger Tor erstrahlt in neuem Glanz. Nach einjähriger Sanierung wurde Potsdams bekanntestes städtisches Bauwerk am Mittwoch offiziell wieder seiner öffentlichen Nutzung übergeben. 410.000 Euro haben die Arbeiten gekostet, bei denen Schäden und Verfälschungen beseitigt und der originale Zustand von 1770/71 wiederhergestellt wurden. Überwiegend, denn bis 1843 waren die heutigen seitlichen Durchgänge noch geschlossen; sie bargen die Räume der Zollkontrolleure und der Wache.

Sanierung schon mal nach der Wende

Vor 25 Jahren hatte man das Tor schon einmal saniert. Doch bei Wartungskontrollen im Jahr 2016 zeigten sich erneut schwere Witterungsschäden am Dach, an der Entwässerung sowie an den Putzflächen. Man musste Putz- und Mauerwerksflächen überarbeiten, die Trophäen sowie alle Putz- und Sandsteinflächen wurden gereinigt. Außerdem hat man die gesamte Dachfläche abgedeckt und neuen sowie historischen Dachziegeln neu verlegt. Das schon seit DDR-Zeiten in Potsdam aktive und anerkannte Denkmalpflegeunternehmen PKZ aus dem polnischen Poznan führte die Arbeiten aus; es hat auch schon das Filmmuseum am Lustgarten saniert.

In der Potsdamer Innenstadt, rund um das wahre Brandenburger Tor – das 20 Jahre älter ist, als die Kopie in Berlin – stehen noch einige andere Bauwerke. Wir zeigen, wie sie damals und heute ausgesehen haben.

Es gibt nur ein originales Brandenburger Tor

Für diese Restaurationsarbeiten musste das Tor eingerüstet und überdacht werden. Bernd Rubelt, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt, zeigte sich hoch erfreut, „dem Stadtbild das Tor zurückgeben“ zu können: „Das hier ist das originale Brandenburger Tor“, sagte er, „nicht das andere“ in Berlin, das ja erst 1789-93 entstand: „Ganz besonders wirkungsvoll präsentiert sich das Tor nun als schmückender Blickfang in der Nacht“, lobte Rubelt die erstmalige Beleuchtung: LED-Lichtbänder erhellen ab Einbruch der Dunkelheit die Durchgänge, aus denen sich viele Passanten abends und nachts bislang lieber fern hielten. Auch von umliegenden Straßenlaternen aus wird das Bauwerk dezent und flächig erleuchtet: Strahler in den Laternendächern sorgen dafür. Eine punktuelle Beleuchtung wie am Nauener Tor wurde bewusst vermieden, und auch das zweite große Stadttor soll noch auf „sanftes Licht“ umgerüstet werden. Beim Jägertor ist das schon so. Von einem Lichtkonzept für Baudenkmäler will Rubelt aber noch nicht reden.

Die neue Farbe fällt kaum auf

Der Laie wird den farblichen Unterschied des sanierten Bauwerks zum unsanierten kaum bemerken; es sieht auf den ersten Blick genauso sandfarben aus wie früher, nur sauberer und ohne Nässeschäden. Doch die jetzige, als original nachgewiesene Farbfassung des Tores hebt aufgesetzte Architekturelemente aus der Erbauungszeit durch leicht hellere Farbschattierungen hervor. Ganz deutlich wird die Erneuerung an den sandsteinernen Trophäen und Schmuckelementen, die sehr hell wirken und sonderbar glänzen: „Das ist eine haltbarere Ölfarbe, die mit der Zeit abstumpft“, erklärt Dominik Chuchracki von den Poznaner Werkstätten für Denkmalpflege.

Auch wurden die Initialen des Königs in der Kartusche der Südfassade, gerahmt von einem Lorbeerzweig und einem Palmenzweig mit Schleife, wieder entsperchend dem Farbbefund vergoldet. Somit ist die Lesbarkeit dieses Architekturschmucks wieder hergestellt.

Der im Zuge der Sanierungsarbeiten verschwundene Reichsapfel mit Kreuz auf der Spitze der vergoldeten Königskrone indes bleibt weiter unauffindbar. Diebe hatten im Herbst 2017 die Komplettverhüllung des Tores als Deckung genutzt und waren zum höchsten Punkt des Bauwerkes geklettert, wo sie den Reichsapfel von der Krone hebelten. Doch nach Auskunft von Denkmalpfleger Roland Zurkuhlen konnte man das fehlende Stück nachfertigen.

Denkmalpfleger räumt mit Gerüchten auf

Das Brandenburger Tor am Luisenplatz in Potsdam steht am westlichen Ende der Brandenburger Straße, die in gerader Linie bis zur Kirche St. Peter und Paul verläuft. Seinen Namen erhielt es durch die am äußeren Vorplatz des Tores beginnende Landstraße zur Stadt Brandenburg. Der Vorgängerbau entstand im Zuge der zweiten Barocken Stadterweiterung im Jahr 1733 als Teil der Potsdamer Stadtmauer, die als Zoll- und Akzisemauer nicht der Befestigung diente, sondern den Schmuggel unterbinden sollte.

Dass sie auch das Desertieren zwangsrekrutierter Soldaten verhindern sollte, hält Zurkuhlen für ein Märchen: „Dafür gibt es keinen Beleg. Die Soldaten konnten bei Übungen und Manövern im offenen Feld viel besser abhauen.“ Auch, dass die Giebel der zweistöckigen Bürgerhäuser von Soldaten bewohnt wurden, die sich auf das Signal eines inspizierenden Offiziers oder Unteroffiziers am Fenster zeigen mussten, ist in seinen Augen ein Gerücht, „wenn auch ein oft wiederholtes.“

Triumphtor nach dem Krieg gegen Schlesien

Nach Ende des Siebenjährigen Krieges wollte Friedrich der Große durch den Bau eines neuen prachtvollen Triumphtores den Aufstieg Preußens zu einer europäischen Großmacht symbolisieren. Dementsprechend wurde das neue Tor von Carl von Gontard und seinem Schüler Georg Christian Unger 1770 nach dem Vorbild eines römischen Triumphbogens gestaltet.

Charakteristisch für das Brandenburger Tor sind seine zwei vollständig unterschiedlich gestalteten Seiten. Die Stadtseite des Tores gestaltete Gontard als Putzfassade mit korinthisierenden Lisenen und Trophäen. Die von Unger entworfene Feldseite des Tores mit korinthischen Doppelsäulen sollte an den Konstantinbogen in Rom erinnern. Die hohe Attika des Tores ist mit ausladenden Kriegstrophäen und einer Wappenkartusche bekrönt. Mit dem Abriss der Stadtmauer zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Tor ein freistehendes Bauwerk.

Von ihm aus wieder den früheren Mauerverlauf auf der gelb asphaltierten Promenade nachvollziehbar zu machen, ist laut Rubelt nicht geplant. Die seitlichen Häuser der Brandenburger Tores wieder aufzubauen, kommt für ihn gleichfalls nicht in Frage: „Das ist ein freier Stadtplatz“, betonte er: „Ich will nicht sagen, solange ich lebe, kommen die nicht wieder, aber keiner will das wirklich.“

Die sechs Stadttore sind in gutem Zustand

Der Zustand der anderen fünf Stadttore ist gut, schätzt Zurkuhlen ein. Die Nässeprobleme des Jägertores seien gelöst. Am Nauener Tor würden aber immer wieder Reparaturen nötig, zuletzt an den Zinnen des Daches. Statische Probleme gebe es keine, auch nicht wegen der intensiven Durchfahrung mit Straßenbahnen und Bussen. Und der graue Anstrich, der die Steinhaftigkeit des Tores unterstreichen soll, sei bauzeitlich original und werde auf lange Sicht so bleiben.

Berliner Tor wird nicht mehr angedeutet

Auch die Nässeschäden am verbliebenen Halbrund-Anbau des früheren Berliner Tores auf der Berliner Straße sind beseitigt. Ein Wiederaufbau des gegenüber gewesenen Bogens ist laut Zurkuhlen nicht geplant. Aber die Wiederherstellung des optischen Wirkung des Neustädter Tores auf der Breiten Straße ist gewollt. „Der Zwillingsobelisk muss wieder her!“ Beide Obelisken würden dann wieder näher an die Straße gerückt.

Der verlorene Zwilling müsse nicht aussehen wie der jetzt noch stehende, sagte Zurkuhlen, er müsse nur dieselben Maße haben. Er könnte sogar schmucklos glatt sein oder farbig gestaltet werden, als Gegensatz zum Original. Das Kellertor am Beginn des Stadtkanals in der Großen Fischerstraße ist ein Neubau nach historischem Vorbild.

Von Rainer Schüler

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