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Potsdam Briten-Minister auf Ideensuche
Lokales Potsdam Briten-Minister auf Ideensuche
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17:56 05.01.2017
Bürgermeister Burkhard Exner (SPD), Pro-Potsdam-Chef Bert Nicke, Minister Sajid Javid, Gewoba-Geschäftsführerin Kerstin Kirsch und Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD). Quelle: Bernd Gartenschläger
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Bornstedter Feld

Einheimische erinnert die Architektur im Bornstedter Feld ja an manchen Stellen an eine Sammlung riesiger Schuhkartons. Umso erstaunlicher mutet es an, dass am Donnerstag ausgerechnet der britische Minister für Kommunen und Lokalregierungen, Sajid Javid, auf der Suche nach Inspirationen in den Potsdamer Norden kam.

Bei der Begrüßung in den Räumen der kommunalen Pro Potsdam in der Pappelallee streute er den Gastgebern – verbal – Blumen. „Wir können von ihren Leistungen lernen“ sagte Javid, der am Morgen noch in Amsterdam gewesen war und später nach Berlin weiterfuhr. Ziel des Ausflugs über den Ärmelkanal war, auf dem Festland Anregungen für die Wohnungsbaupolitik zu suchen. Potsdam war dabei mit Bedacht ausgewählt worden. Schließlich handelt es sich beim Bornstedter Feld mit seinen 300 Hektar um die größte Entwicklungsmaßnahme dieser Art in der Bundesrepublik.

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Das Bornstedter Feld aus der Vogelperspektive. Quelle: Lutz Hannemann

Der 46-jährige Javid hat vor seinem Wechsel in die Politik zehn Jahre lang in leitender Position für die Deutsche Bank gearbeitet. Eins habe er dort allerdings nicht gelernt, wie er scherzhaft einräumte: „Deutsch.“ Zu einem Satz mit charmantem britischem Akzent reichte es dann aber doch: „Frohes neues Jahr“, lautete sein Wunsch an Infrastrukturministerin Kathrin Schneider und Bürgermeister Burkhard Exner (beide SPD) sowie an Pro-Potsdam-Geschäftsführer Bert Nicke.

Nach den Nettigkeiten ging es schnell an die Kernfrage: Wie kann man bezahlbaren Wohnraum schaffen? „Es geht nicht nur um Geld, sondern auch um Kreativität“, erklärte Javid. Im Unterschied zu Großbritannien, wo sehr viel privatisiert worden ist, spielen in Deutschland kommunale Wohnungsbauunternehmen wie die Pro Potsdam auch eine wichtige Rolle. Im Bornstedter Feld bekam der Konservativen-Politiker vorgeführt, wie man die Herstellungskosten pro Wohnung so niedrig wie möglich zu halten versucht. Die Zauberworte lauten „Raumoptimierung“ und „intelligentes Bauen“ – große Flure gehören etwa der Vergangenheit an. Außerdem wurden dem Minister gängige deutsche Finanzierungsmöglichkeiten wie die KfW-Darlehen zur Energieoptimierung erklärt.

Abendhimmel über dem Bornstedter Feld. Quelle: Bernd Gartenschläger

„Ich freue mich über eine so hohe Aufmerksamkeit für unsere Erfolgsstory Bornstedter Feld bis in die britische Regierung hinein“, sagte Exner, während Javid von einem eigens angereisten TV-Team des Senders Sky interviewt wurde. Am Donnerstagabend konnten die Briten in den Nachrichten das Bornstedter Feld bewundern.

Von Ildiko Röd