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Potsdam Mögliche Kiewitt-Hermannswerder-Brücke: Abschied von Potsdams letzter Fähre?
Lokales Potsdam Mögliche Kiewitt-Hermannswerder-Brücke: Abschied von Potsdams letzter Fähre?
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00:24 11.03.2019
Die Seilfähre ist seit einer Havarie Anfang Februar stillgelegt. Ob sie ab Sonntag wieder fahren darf, ist noch offen. Quelle: Varvara Smirnova
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Brandenburger Vorstadt

Die Tage der letzten Potsdamer Fähre sind vielleicht schon bald gezählt. Das Rathaus prüft den Bau einer Brücke zwischen dem Kiewitt und Hermannswerder, mit der die havarieanfällige Schiffsverbindung ersetzt werden könnte. Im April soll die Kalkulation zu Betriebs- und Unterhaltungskosten vorgelegt werden, hat Rathaussprecherin Christine Homann auf MAZ-Anfrage mitgeteilt.

Eine Brücke würde Millionen kosten

Die Prüfung eines Brückenbaus für Fußgänger und Radfahrer ist von den Stadtverordneten im Juli 2017 auf Antrag von SPD und CDU/ANW beschlossen worden. Der damalige SPD-Stadtverordnete Kai Weber sprach mit Verweis auf vergleichbare Projekte von Investitionskosten „im unteren einstelligen Millionenbereich“.

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Mit dem Ergebnis der Prüfung soll laut Homann noch keine Empfehlung zu einem Brückenbau gegeben werden. Die Verwaltung empfehle, diese „wichtige Verbindung bei der Erstellung des Fußwegekonzeptes zu berücksichtigen“. Das Konzept soll nach aktuellem Stand Anfang 2020 vorliegen.

Ist ein neues Fährschiff nötig?

Die Brücke müsste eine Wasserdistanz von rund 200 Metern überspannen und über der Fahrrinne der Berufsschifffahrt eine Durchfahrtshöhe von 5,25 Metern haben. Gegenstand der Untersuchungen ist laut Stadtverordnetenbeschluss auch ein Vergleich mit den Kosten für die Neuanschaffung und den Betrieb eines Fährschiffs. Auf Antrag der Grünen sollte auch der Einsatz eines solargetriebenen Schiffs geprüft werden.

In einer Umfrage der SPD begleitend zum Antrag der beiden Fraktionen hatten sich fast 75 Prozent der Teilnehmer für den Bau einer Brücke ausgesprochen. Bei täglich mehr als 70 Überfahrten hat die Fähre nach Angaben des Verkehrsbetriebes mehr als 170 000 Fahrgäste im Jahr. Die Ausfallquote wegen Havarien und schlechten Wetters lag in vergangenen Jahren bei fünf Prozent. Aktuell ruht der Betrieb.

Wiederaufnahme der Fährverbindung am Sonntag geplant

 Nach einer Havarie am 4. Februar, bei der ein Schiff das Fährseil kappte und die Fähre samt Passagieren und Besatzung auf den Templiner See hinaus schleppte, wird begleitend zu den Reparaturarbeiten die Sicherheit überprüft. Nach Angaben von Stadtwerke-Sprecher Stefan Klotz ließ der Verkehrsbetrieb am Donnerstag erneut von einem Taucher die Tiefe des am Seeboden liegenden Führungsseils ausmessen.

Erst nach dieser Untersuchung könne entschieden werden, ob die Fähre ihren Betrieb, wie zwischenzeitlich angekündigt, am Sonntag wieder aufnehmen kann oder weiter pausieren muss. Die Ergebnisse sollen am Freitag bekannt gegeben werden.

Neben dem stetig zunehmenden Bootsverkehr mache der sinkende Wasserstand der Havel dem Fährbetrieb zu schaffen. „Durch das Niedrigwasser auf Grund der Trockenheit hat sich die Situation verschärft“, sagt Klotz mit Verweis auf zweimalige Kontakte von Binnenschiffen mit dem am Boden liegenden Fährseil im Februar und im August des vergangenen Jahres. Der Verkehrsbetrieb prüfe aktuell, „ob wir die grundsätzliche Verfahrensweise mit einem Seil beibehalten können“.

Verbindung bis 2022 geplant – Änderung des Antriebs soll überprüft werden

Das aktuelle Schiff sollte nach bisherigen Planungen noch bis 2022 fahren. Eine frühere Neuanschaffung wäre für den Verkehrsbetrieb „wirklich ein Problem“, sagt Klotz. Bei der Ausschreibung der nächsten Fähre werde auch eine „Änderung des Antriebs geprüft“, kündigte er an.

Die letzte Meldung dazu kam vom CDU-Ortsverein Potsdam-West. Dessen Vorsitzender Wieland Niekisch forderte einen Austausch der Seilfähre gegen eine „batteriegetriebene Fähre mit Magnetanlegetechnik wie vor den 1970er Jahren“ und eine Verlängerung des Fährbetriebes von 6 bis 23 Uhr.

Kommentar: Eine Brücke ist die beste Lösung

Letzte Zeugen alter Romantik

Mit der Verbindung zwischen dem Kiewitt und Hermannswerder steht die letzte Fähre in Potsdam zur Disposition.

Eine weitere Fährverbindung gab es bis zum Bau der Humboldtbrücke Ende der 1970er Jahre zwischen Babelsberg und der Berliner Vorstadt auf dem Tiefen See.

Die nächsten Seilfähren havelabwärts verkehren in Caputh und Ketzin, in Brandenburg und in Pritzerbe.

Havelaufwärts gibt es Fähr-Romantik nahe Potsdam noch am Übergang zur Pfaueninsel.

Von Rainer Schüler und Volker Oelschläger

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