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Potsdam Diese Frauen haben Brustkrebs überlebt – jetzt zeigen sie ihren Körper
Lokales Potsdam Diese Frauen haben Brustkrebs überlebt – jetzt zeigen sie ihren Körper
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00:21 12.01.2019
Eine Ausstellung zeigt Frauen, die gegen Brustkrebs gekämpft haben.
Eine Ausstellung zeigt Frauen, die gegen Brustkrebs gekämpft haben. Quelle: Fotoatelier Straubel/Nadine Fabian/Kollage RND
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Potsdam

Niemand braucht sich zu verstecken. Das weiß Rosemarie Dörwald (68). Und doch hat sie oft mit sich, mit ihrer Scham gerungen. Daheim vor dem Spiegel. Im Urlaub am Strand. In der Sauna. Selbst im Umkleideraum unter Frauen fühlt sich Rosi Dörwald lange Zeit fremd, seit bei ihr Brustkrebs diagnostiziert und die rechte Brust amputiert worden ist.

„Steh zu dir, so wie die bist!“

Vierzehn Jahre ist das her. Geblieben ist eine Narbe, auch auf der Seele. Mit ihr zu leben, hat Rosi Dörwald gelernt. Die Frauenselbsthilfe nach Krebs (FSH) hat ihr dabei geholfen. Ihr Selbstbewusstsein, sagt Rosi Dörwald, konnte in der Potsdamer Gruppe, in der sie sich bis heute engagiert, wieder gesund werden – sie fühlt sich stark.

Und dennoch zögert sie, als sie die Mitstreiterinnen aus Bad Belzig zu einem Bodypainting-Workshop mit einer Kunsttherapeutin einladen. „Ich dachte, dass das nichts für mich ist“, sagt Rosi Dörwald – das Projekt sollte zu einer außerordentlichen Erfahrung werden. „Steh zu dir, so wie die bist!“, sagt Rosi Dörwald heute. „Das kann ich jeder Frau mit oder nach Krebs nur empfehlen.“

Eine Ausstellung im Ernst-von-Bergmann-Klinikum in Potsdam zeigt Frauen, die gegen Brustkrebs kämpften. Jetzt wollen sie anderen Mut machen – nackt und in Farbe.

Am neuen Selbst- und Körperbewusstsein der Frauen, an ihrer Lebensfreude können nun alle Menschen teilhaben, die den Blick auf Nacktheit und Verletzlichkeit nicht scheuen. Das Fotoatelier Straubel hat den Bodypainting-Workshop begleitet und die schönsten Aufnahmen vergrößern lassen. Als Wanderausstellung ziehen die Bilder nun von Krankenhaus zu Krankenhaus.

„Wir wollen betroffenen Frauen Mut machen und ihnen zeigen, dass es sich lohnt zu kämpfen“, sagt Rosi Dörwald. Zu sehen sind die Fotografien derzeit im Bergmann-Klinikum, Gang L2. In zwei anderen Häusern in Sachsen und in Berlin kam die Ausstellung so gut an, dass sie die Bilder erworben haben.

„Die Narben erzählen von unserem Leben“

Die Idee zum Workshop hatte Uta Büchner, die Landesvorsitzende der Frauenselbsthilfe: „Wir an Krebs erkrankte Frauen müssen lernen, mit dem neuen Körperbild zu leben“, schreibt sie in einem Grußwort zum Projekt. „Jede Frau hat ihre Besonderheiten – die Narben erzählen von unserem Leben, deshalb sollen wir sie auch zeigen.“

Auffangen, informieren, begleiten

Die „Frauenselbsthilfe nach Krebs“ (FSH) ist eine der ältesten und größten Krebs-Selbsthilfeorganisationen in Deutschland. Sie wurde 1976 in Mannheim von Ursula Schmidt und 15 weiteren brustamputierten Frauen gegründet, die sich mit der Diagnose Krebs allein gelassen fühlten.

Heute hat die FSH elf Landesverbände und bundesweit ein dichtes Netz regionaler Gruppen, in denen etwa 35 000 krebskranke Frauen – und Männer – mit unterschiedlichen Erkrankungen Rat und Hilfe finden. Auch Einzelgespräche sowie eine Telefon- und Online-Beratung sind möglich.

Das Motto der Frauenselbsthilfe lautet „ Auffangen, informieren, beraten“.

Die Potsdamer FSH hat sich vor 28 Jahren gegründet. Die Selbsthilfegruppe trifft sich jeden zweiten Montag im Monat um 16 Uhr im Bürgerhaus am Schlaatz, Schilfhof 28. Die Teilnahme ist unverbindlich und ohne Mitgliedsbeitrag möglich.

Dass das trotzdem nicht einfach ist, geben viele der Frauen zu. Marianne (65) zum Beispiel. Mamakarzinom rechts, Amputation. Ihr Kopf ist nach der Chemotherapie kahl geblieben. Sie sei von der Idee zunächst „nicht sehr begeistert“ gewesen, berichtet Marianne. Sie ließ sich aber überreden – und auf das Projekt ein. Als die Skizze für die Bemalung ihres Körpers, der Arme, der Narbe, der gebliebenen Brust, ihres Kopfes entstand, da durchlebte Marianne in Gedanken noch einmal ihre Krankengeschichte. „Und es wurde mir klar, wie gut es mir eigentlich geht: Aus einem Tief habe ich mich wieder zur Fast-Normalität herausgearbeitet. Jetzt genieße ich das Leben und freue mich auf jeden neuen Tag.“

„Wieder etwas gewagt und gesiegt“

Auch Doreen (44) hat Brustkrebs, die erbliche Form: „Aber das ist nicht schlimm, alles wird wieder gut.“ – Doreens Credo soll alle erreichen, die sich die Ausstellung ansehen. Sie hat diese Zeilen neben ihr Bild schreiben lassen, so wie jede der Frauen auf einem Begleit-Kärtchen ein paar Worte an die Besucher richtet. Doreens Botschaft endet mit einem einfachen Satz mit drei Ö: „Das Leben ist schööön.“ Bärbel (57), Gebärmutterhalskrebs, spricht aus, was Frau für Frau, Bild für Bild ausstrahlt: „Schaut mich an: Wieder etwas gewagt und gesiegt.“

D Quelle: Fotoatelier Straubel, Nadine Fabian (Repro)

Dass Rosi, Marianne, Bärbel, Doreen und die anderen Frauen das wieder sagen können, liegt zum großen Teil an der Gruppe, an dem Halt, den sich die Frauen dort gegenseitig geben, oft über viele Jahre hinweg. Auffangen, informieren, begleiten – das ist seit jeher das Motto der FSH, die eine der ältesten und größten Krebs-Selbsthilfeorganisationen in Deutschland ist. 1976 von 16 brustamputierten Frauen in Mannheim gegründet, hat die FSH heute zwölf Landesverbände und ein dichtes Netz regionaler Gruppen, in denen etwa 35 000 Frauen – und Männer – mit unterschiedlichen Erkrankungen Rat und Hilfe finden.

Potsdamer Frauenselbsthilfe trifft sich jeden zweiten Montag im Monat

Die Potsdamer FSH hat sich vor 28 Jahren gegründet. Die Gruppe trifft sich jeden zweiten Montag im Monat um 16 Uhr im Bürgerhaus am Schlaatz, Schilfhof 28. Die Teilnahme ist unverbindlich und ohne Mitgliedsbeitrag möglich.

Von Nadine Fabian