Bundestagswahl 2021: Wo liegen die Grünen-Hochburgen, wo punktet die AfD in Potsdam? Eine Analyse der Hochburgen und Verlust-Gebiete
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Potsdam AfD-Zonen, grüne Hochburgen, SPD-Land: Was die Prozente über das Wahlverhalten in Potsdam verraten
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Bundestagswahl 2021: Wo liegen die Grünen-Hochburgen, wo punktet die AfD in Potsdam? Eine Analyse der Hochburgen und Verlust-Gebiete

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16:47 27.09.2021
Wo haben die Parteien gewonnen, wo verloren?
Wo haben die Parteien gewonnen, wo verloren? Quelle: MAZ
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Potsdam

Grandiose Erfolge und krachende Niederlagen: Der Blick auf das Wahlverhalten der Potsdamer zeigt, wo die Kandidaten und Parteien ihre Hochburgen haben – und zugleich, wo sie keinen Fuß auf den politischen Boden bekommen.

Insgesamt konnte SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz 33,5 Prozent der Erststimmen im Potsdamer Stadtgebiet auf sich vereinen. Überdurchschnittlich viele Wähler hat er rund um den Schillerplatz in der Brandenburger Vorstadt (45,4 Prozent) und bei den Anwohnern um den Johannes-Kepler-Platz am Stern (46.4 Prozent). Die absoluten Spitzenwerte aller Kandidaten fährt ebenfalls Scholz ein: 48,2 Prozent der Erststimmen und 40,1 Prozent der Zweitstimmen in Zentrum Ost.

Baerbock verliert am Stern

In keinem Wahlbezirk schneidet Scholz schlechter ab als auf dem zweiten Platz, seine niedrigste Zustimmung liegt mit 21,3 Prozent am Hauptbahnhof und Brauhausberg. Dort entfallen auch die wenigsten Stimmen in ganz Potsdam auf die SPD (14,6 Prozent), die Sozialdemokraten liegen mit CDU und FDP praktisch gleichauf.

Nur wenig anfangen mit den Grünen können die Wähler am Otto-Hahn-Ring am Stern, 6,1 Prozent Zweitstimmen bilden den Tiefpunkt der Öko-Partei. Nur ein paar hundert Meter weiter, am Kepler-Platz, überzeugt Grünen-Chefin Annalena Baerbock mit 5,6 Prozent die wenigsten Wähler. Ihr bestes Ergebnis erreicht sie am Tschäpe-Platz in der Brandenburger Vorstadt mit 41,7 Prozent der Erststimmen, auch die Zweitstimmen der Grünen erreichen dort mit 39,7 Prozent ihren Höchststand.

Wenn die Grünen gewinnen, verliert die AfD

Zugleich hat die AfD am Tschäpe-Platz mit 2,6 Prozent der Zweit- und 2,8 Prozent der Erststimmen dort stadtweit die wenigsten Stimmen bekommen. Insgesamt liegt die rechtspopulistische Partei in vier Wahlbezirken unter der Fünf-Prozent-Hürde, alle vier Bezirke gewinnen die Grünen.

Allerdings kann die AfD in einer ganzen Reihe von Straßenzügen viele Wähler überzeugen, in sechs Bezirken erreicht ihr Kandidat Tim Krause mehr als 20 Prozent der Erststimmen. Sein bester Wert liegt bei 23 Prozent in Uetz-Paaren, dort gewinnt die AfD mit 24,9 Prozent der Zweitstimmen auch den einzigen Wahlbezirk in Potsdam.

Ludwig und Teuteberg stark in der Berliner Vorstadt

Auch Saskia Ludwigs größter Erfolg lässt sich auf dem Stadtplan genau verorten: Der Wahlbezirk Berliner Vorstadt 1 – das ist der östliche, näher an Berlin liegende Part des Stadtteils – hat mehrheitlich Ludwig (29,6 Prozent Erststimmen) und ihre CDU (26,3 Prozent) gewählt. Nach Zweitstimmen gewinnen die Christdemokraten zudem in Neu Fahrland mit 23,4 Prozent und im Groß Glienicker Bullenwinkel mit 22,5 Prozent.

Ganz anders sieht es in der Brandenburger Vorstadt am Park Sanssouci aus, dort erreicht die CDU nur 5,6 Prozent. Saskia Ludwig als Person wird am seltensten in Ost-Drewitz gewählt. Zwischen Havel-Nuthe-Center und der Schnellstraße haben nur 6 Prozent der Wähler ihr Kreuz bei Ludwig gemacht.

Linda Teuteberg (FDP) wird am seltensten rund ums Stern-Center gewählt, dort erreicht sie 3,2 Prozent der Erststimmen. Ihr bestes Ergebnis feiert die Liberale mit 17,1 Prozent in ihrem Heimatbezirk Babelsberg-Nord. In der Berliner Vorstadt rund um die Schiffbauergasse kommt die FDP gar auf 21,8 Prozent der Zweitstimmen – fünf Mal würde sie in Potsdam aber an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, die wenigsten Zweitstimmen kann sie mit 4,1 Prozent auf dem Kiewitt sammeln.

Linke punktet an der Burgstraße

Die Linke und ihr Direktkandidat Norbert Müller werden nach der Klatsche am Wahlsonntag auch in der genaueren Betrachtung der Wahlbezirke feststellen, dass ihr Resultat kaum schönzureden ist. Müller streicht seinen besten Wert mit 14,8 Prozent der Erststimmen in der innerstädtischen Burgstraße ein.

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Im Haeckelkiez in Potsdam West landet die Linke ihren größten Erfolg mit 16,2 Prozent der Zweitstimmen. Doch auf der anderen Seite stehen gleich 20 Wahlbezirke, in denen die Linke das schlechteste Ergebnis der Parteien verzeichnet, ausgerechnet in Fahrland – dort lebt Norbert Müller – und im Groß Glienicker Bullenwinkel kommt sie nur auf je 5,6 Prozent.

Der rot-grüne Kiez-Äquator

Was für Bayern und den Rest der Republik der Weißwurst-Äquator, ist für Babelsberg die Bahnlinie und für die Brandenburger Vorstadt die Zeppelinstraße. Babelsberg Nord wählt in fünf von acht Stimmbezirken mit beiden Stimmen grün; in den übrigen drei Bezirken geht die zweite Stimme an die Grünen, die erste an Scholz. Im Süden liegen Rot und Grün hingegen gleichauf.

Rot und Grün trennt auch die Zeppelinstraße: Das zum Park Sanssouci weisende Quartier wählt grün, das Quartiert am Wasser rot.

Von Saskia Kirf und Nadine Fabian