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Potsdam Nach IT-Blackout im Potsdamer Rathaus: Viele Systeme noch länger außer Betrieb
Lokales Potsdam Nach IT-Blackout im Potsdamer Rathaus: Viele Systeme noch länger außer Betrieb
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10:09 07.02.2020
Ein Laptop und ein Telefon mit dem Citrix-Logo. Verschiedene Unternehmen haben die Verwendung der Software eingestellt, nachdem ein schwerwiegendes Leck entdeckt wurde. Quelle: picture alliance/ANP
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Potsdam

Nach dem IT-Blackout im Potsdamer Rathaus vom 22. Januar dauert es möglicherweise noch Wochen, bis die Verwaltung alle wichtigen Dienste reaktivieren konnte. Noch immer gibt es weder E-Mailverkehr noch Internetverbindung, sind weder Kartenzahlung noch Online-Terminvergaben möglich.

Gute Nachrichten: Seit dem 31. Januar kann das Standesamt wieder Urkunden für Hochzeiten und Sterbefälle ausstellen, kann auch wieder Wohngeld ausgezahlt werden. Die Kfz-Zulassungsstelle ist laut Rathaus bereits seit dem 29. Januar wieder teilweise handlungsfähig. Die Ausländerbehörde kann seit dem 3. Februar „einen Teil“ ihrer Leistungen absichern. Im Bürgerservice gebe es zumindest vorläufige Dokumente wie Führungszeugnisse, Reisepässe und Personalausweise.

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„Technische und sicherheitsrelevante Fragen zu klären“

Zwar hatte Dieter Jetschmanegg als Chef des zuständigen Krisenstabes vor mehr als einer Woche bekannt gegeben, das Rathaus gehe „schrittweise“ wieder online und die Internet-Verbindung werde „spätestens“ am 31. Januar wieder hergestellt. Und Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) hatte am 30. Januar vor den Stadtverordneten bekräftigt: „Wir hoffen, dass im Laufe der kommenden Woche alle Systeme wieder hochgefahren sind.“

Trotzdem bleibt es weiter beim Postweg: Auf MAZ-Nachfrage zur aktuellen Zeitschiene wollte sich die Rathaus-Pressestelle am Donnerstag nicht mehr festlegen. Zur Frage, welche Systeme in der kommenden Woche oder wenigstens noch im Februar wieder in Betrieb genommen werden sollen, hieß es lediglich: „Darüber können wir aktuell keine Prognose abgeben, da technische und sicherheitsrelevante Fragen zu klären sind.“

Bürgernahe Dienste gehen vor

Grundsätzlich gelte, dass „aktuell die Ressourcen interner und externer Kräfte auf bürgernahe Dienste mit erhöhter Priorität konzentriert werden“, hieß es am Mittwoch in der jüngsten Pressemeldung der Stadt zum Blackout.

Der zuständige Fachbereich E-Government arbeite „seit der Trennung der Onlineverbindung“ auch „an allen Wochenenden“, versichert die Pressestelle auf MAZ-Anfrage. Die Mitarbeiter würden „je nach Bedarf“ auch von „externen Kräften unterstützt“.

Verwaltung weist Kritik von IT-Professor zurück

Kritische Nachfragen zum Krisenmanagement der Verwaltung kamen in den letzten Tagen von Stadtpolitikern, aber auch von unabhängigen Experten. So kritisierte der Potsdamer IT-Professor Key Pousttchi in einem MAZ-Interview, dass die Verwaltung von der ersten weltweiten Warnung bis zur ersten Reaktion vier Wochen brauchte: „Einzige plausible Erklärung: Es interessiert keinen wirklich dort.“

Das Rathaus parierte am Montag mit der Feststellung, „dass die Experten von außen keinen umfassenden Einblick in die Abläufe und den Umgang mit den Vorgängen haben“ und kündigte zugleich an, Pousttchi und andere Profis kontaktieren zu wollen. Man freue sich sehr, „mit externen Experten vor Ort in regelmäßigen Austausch gehen zu können und ihre Expertise zu nutzen“.

Twitter-Anfrage blieb ohne Antwort

Pousttchi, Inhaber des SAP-Stiftungslehrstuhls für Wirtschaftsinformatik und Digitalisierung an der Universität Potsdam, wurde bislang allerdings nicht kontaktiert. Auch seine vor gut zwei Wochen an die Stadt gerichtete Twitter-Anfrage sei ohne Antwort geblieben.

Rathaus-intern wurde nicht zuletzt aufmerksam registriert, dass trotz des Ausnahmezustandes Oberbürgermeister Mike Schubert und Bürgermeister Burkhard Exner sowie zeitweise auch Dieter Jetschmanegg (alle SPD) als Chef des Krisenstabes in den Urlaub gingen. Immerhin: Schubert lässt sich laut Pressestelle täglich berichten und Jetschmanegg ist seit Donnerstag wieder im Haus.

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