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Potsdam Die MAZ sucht Potsdams kreativsten Krisenwirt
Lokales Potsdam

Corona: Die MAZ sucht Potsdams kreativsten Krisenwirt

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19:42 12.06.2020
Galerie-Café 11-Line in der Charlottenstraße: Die Abstandsregel wird mit Strohpuppen deutlich gemacht. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Hunderte leerer Stühle vor dem Landtag, immer wieder: Die Gastronomen der Landeshauptstadt haben während der coronabedingten Schließungen ihrer Lokale oft lautstark auf ihr anliegen aufmerksam gemacht. Denn während Havelzander und Beelitzer Spargel nicht an den Gast gebracht werden konnten, mussten die oft hohen Mieten, Versicherungen und Betriebskosten weiter gezahlt werden. Doch parallel zur Protestbewegung, zu den Forderungen nach staatlichen Hilfen für Restaurants, Bars und Kneipen, haben die Potsdamer Wirte in der Krise auch ihre Kreativität bewiesen.

Potsdams Gastronomen finden Ideen zum Überleben

Als Mitte März klar wurde, dass gerade nicht die Zeit für geselliges Beisammensein und große Feiern ist, haben einige Wirte spontan umgesattelt. Sie haben spontan, oft aus dem Bauch heraus Ideen entwickelt – Ideen zum Überleben.

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Auch für die Gäste waren diese Ideen wichtig: Die Lieblingskneipe oder das Stammrestaurant zu unterstützen, war vielen eine Herzensangelegenheit. Die Kommentare und Fotos in den sozialen Medien sprechen Bände. „Perfektes After-Work-Programm mit den Lieblingskollegen und den besten Cocktails“, schreibt eine Potsdamerin etwa an die Bar Fritz’n, die ihre berühmten Cocktails in der Krise nach Hause geliefert hat – inklusive Eis und Deko in edlen Glasflaschen bis zu eineinhalb Litern Inhalt.

Dank der Stammgäste auf den Tellern

Auch das Restaurant Quendel in der Brandenburger Vorstadt setzte voll aufs Liefern. Chef Alexander Stüver persönlich brachte nach Vorbestellung edle Mittags-Menüs zu den Hungrigen nach Hause. Und zwar nicht in der umweltschädlichen und wenig eleganten Alu-Schale, sondern stilecht auf bestem Geschirr serviert. „Wir bestellen ganz sicher, bleibt tapfer!“, kommentieren die Gäste im Netz. Ein Foto zeigt das Geschirr, welches die Potsdamer Stüver zurückbrachten. Jeder Teller, jedes Schälchen ist mit einer handgeschriebenen Dankes-Botschaft verziert.

Foodtruack-Aktion im April für die Krankenhäuser. Quelle: Varvara Smirnova

Viel Dankbarkeit haben auch die beiden Innenstadtgastronomen René Dost und Katharina Rosenberg-Ehrl erfahren. Denn Dost, der unter anderem das Café Heider und das XXL-Restaurant in der Stadt betreibt, und Rosenberg-Ehrl, die Chefin des veganen Lifestyle Cafés Rosenberg, haben sich kurzerhand zusammengetan, um sich ihrerseits zu bedanken. Mit Foodtrucks voll beladen mit Pizza, stärkenden Suppen und verführerischen Süßspeisen zogen die beiden vor die Potsdamer Krankenhäuser.

Gratis-Aktion für Mitarbeiter der Krankenhäuser

Die Belegschaft, die Ärztinnen und Pfleger, die in der Coronazeit an vorderster Front standen, konnten sich hier tagelang gratis verpflegen. „Mega-Aktion“, sagte die Physiotherapeutin Stephanie Herrschuh damals. „Ich finde das super kreativ und innovativ und wertschätzend für die, die weiterhin nach bestem Gewissen die Patienten versorgen und alles geben, dass wir alle gut durch diese Zeit kommen, Patienten, Mitarbeiter und Familien.“

Wiederum einen anderen Ansatz verfolgte Jörg Frankenhäuser, der Patron des Sternerestaurants Kochzimmer am Neuen Markt. Mit Menüboxen auf Top-Niveau konnten sich die Gourmets der Stadt ihr Sterne-Essen zu Hause zubereiten. Dass dieses Konzept fortgeführt werden soll, hat Frankenhäuser der MAZ bereits verraten.

So läuft die Wahl des kreativsten Krisenwirts

Für die Abstimmung über Potsdams kreativsten Krisenwirt brauchen wir Ihre Hilfe, liebe Leserinnen und Leser: Welcher Wirt, welche Gastronomin hat Sie in der Krise mit guten Ideen überrascht? Wer war immer da? Wer hatte neue Ansätze?

Schicken Sie uns Ihre Vorschläge bis zum 19. Juni, dem nächsten Freitag, an potsdam-stadt@maz-online.de – gern mit einer kurzen Begründung oder einer persönlichen Anekdote.

Bis zum 29. Juni läuft die Abstimmung. Ende des Monats küren wir Potsdams kreativsten Krisenwirt.

Wenige Schritte vom Kochzimmer entfernt empfängt die Unscheinbar in der Friedrich-Ebert-Straße normalerweise bis in den frühen Morgen hinein Nachtschwärmer. Auch hier war mit Corona aber Schluss. Unscheinbar-Chef Erik Helbl hatte schon früh beschlossen, keine Experimente mit Halb-Öffnungen zu wagen. „Betroffen sind wir alle. Direkt, indirekt, völlig egal. Jeder in unserem Team hat Angehörige gehobenen Alters oder Kinder“, hatte er Mitte März auf Facebook geschrieben. Noch vor den behördlichen Anordnungen hatte Helbl die Bar geschlossen – um kurz darauf mit dem „Tragbar“-Konzept für Aufsehen zu sorgen. Denn statt kühlen Drinks verkaufte die Unscheinbar nun selbst genähte Mund-Nasen-Masken. Zu einem Zeitpunkt, da sich vor den Schneidereien lange Schlangen bildeten, um den begehrten Schutz zu ergattern, konnte die Unscheinbar so nicht nur ein dringend benötigtes Produkt anbieten, sondern zugleich das eigene Überleben sichern.

Es gibt noch viele weitere Beispiele für Gastronomen, die in der Krise kreativ wurden. Diese wollen wir nun finden und den besten von ihnen prämieren. Denn Potsdam wäre ohne seine Gastronomie nicht mehr Potsdam. Ohne die Leichtigkeit eines gut gekühlten Weißweins in der blauen Stunde und ohne einen guten Kaffee in der Sonne, ohne ein perfekt gebratenes Steak oder einen leichten Salat zum Lunch in einem Straßencafé macht auch in der schönsten Stadt das Leben weniger Spaß. Die MAZ will sich bedanken bei denen, die auch in der Zeit des Zuhausebleibens an die Gäste gedacht haben. Klar ist dabei: Verlierer kann es nicht geben. Jeder, der Mut hatte, geht gestärkt aus der Krise hervor.

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Von Saskia Kirf

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