Corona-Schnelltest in Potsdamer Kitas: Spucktests als Weg für Kitas, Schulen und Handel
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Potsdam So sollen Spucktests auch für Schulen und Handel eine Perspektive bieten
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Corona-Schnelltest in Potsdamer Kitas: Spucktests als Weg für Kitas, Schulen und Handel

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13:25 15.02.2021
Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) kam nach Potsdam, um sich von der Einfachheit und Zuverässigkeit von Spucktests zu überzeugen.
Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) kam nach Potsdam, um sich von der Einfachheit und Zuverässigkeit von Spucktests zu überzeugen. Quelle: Soeren Stache/dpa
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Waldstadt

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) ist sich sicher: „Das kann jedes Kind“, sagt sie nach der Demonstration eines so genannten Spucktests in der Potsdamer Kita Abenteuerland. Seit zwei Wochen führen die rund 2500 Erzieherinnen und Mitarbeiter der mehr als 130 Kindertagesstätten in der Landeshauptstadt die Schnelltests durch.

Zwei Mal in der Woche vor dem Dienst, montags und donnerstags, absolvieren sie die Prozedur, die Thomas Hoß am Montagmorgen der Bundesministerin vorführt. Der Leiter der Kita Abenteuerland hat gute Erfahrungen mit den Schnelltests gemacht. „Die Kollegen fühlen sich damit sehr sicher“, sagt Hoß. Er zeigt, wie etwas Speichel in einem speziellen Tütchen gesammelt, dann mit einer Lösung vermischt und schließlich tröpfchenweise auf einen Teststreifen geträufelt wird.

Nach 15 Minuten ist klar, ob die Probe positiv ist. „In diesem Fall wird das Ergebnis sofort ans Gesundheitsamt gegeben“, erklärt Potsdams Amtsärztin Kristina Böhm. Die Behörde sei in der Lage, binnen 24 Stunden einen PCR-Test zur Abklärung des Verdachts durchzuführen und zudem die Kontaktpersonen zu isolieren. Wenn – wie bisher bei allen positiven Schnelltests – der Abstrich eine Infektion nicht bestätigt, werden die Maßnahmen sofort wieder aufgehoben, kein Kind muss für zwei Wochen in Quarantäne, weil der Schnelltests seiner Erzieherin fälschlicherweise positiv war.

Ein Modell für den Bund

Für die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey ist der Potsdamer Weg ein Modell für den Bund. Durchgesetzt müsste es allerdings von den Ländern und Kommunen werden, sagt sie. Schon seit einigen Tagen positioniert sich die SPD-Politikerin immer wieder für die Schnelltests – nicht nur für Kitas, sondern auch für Schulen seien diese ein „Gamechanger für die Rückkehr zur Normalität“, so Giffey. „Das Impfen ist derzeit nicht in ausreichendem Maß möglich. Die Spucktests können eine Brücke zum Impfen bilden, mit diesen Tests können wir einen Weg zum sicheren Öffnen der Bildungseinrichtungen schaffen.“ Das Potsdamer Modell kombiniert die Schnelltests mit den Abstands- und Hygieneregeln, außerdem gibt es ein Stufenmodell für jede einzelne Einrichtung, das klar zieht, wie bei Infektionen konkret geschlossen wird. „Wir warten jetzt auf die Zulassung solcher Produkte als Laientest“, sagt Franziska Giffey. Diese erwarte sie für die kommenden Wochen.

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Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) sieht derweil noch mehr Perspektiven. „Aus unserer Sicht trägt dieses System nicht nur für die Kitas und Schulen“, sagt er. Schubert hofft vielmehr auf Schnelltest-gesicherte Optionen auch für die Wirtschaft. „Diese Strategie kann als Beispiel für andere Länder und Kommunen oder sogar für den Handel und Fitnessstudios gelten“, schreibt er beim Kurznachrichtendienst Twitter.

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Zunächst aber sollen mangels breiter Verfügbarkeit vor der Laien-Zulassung weiterhin die Kitas mit den Schnelltests versorgt werden. Die Lehrer in den Potsdamer und Brandenburger Grundschulen auszustatten, sei hingegen Sache des Landes, betont Schubert. „Wir werden hier in Potsdam aber in jeder Schule einige Tests hinterlegen, damit die Schülerinnen und Schüler bei eventuell auftretenden Symptomen sofort klären können, ob eine Infektion besteht.“ Ab dem kommenden Montag sollen zunächst die Grundschulen wieder teilweise in den Präsenzunterricht wechseln.

Stadt kauft 40.000 weitere Speicheltests

Den Ankauf der Tests für die Kitas und die Schüler übernimmt die Kommune, das Land finanziert dann im Anschluss gegen. Was die Spucktests genau kosten, vermag ein Stadtsprecher nicht zu beziffern. „Zwischen 3 und 9 Euro“ lägen die Kosten pro Test, so der Sprecher. Zuletzt hatte die Stadt Potsdam die Lieferung von fast 40.000 Spucktests öffentlich ausgeschrieben. In Österreich sind die Speicheltests schon in Apotheken und bei Onlinehändlern für den privaten Gebrauch im Handel. Dort werden etwa 7,50 Euro pro Testkit fällig.

Entstanden ist das nun auch von der Bundesfamilienministerin Franziska Giffey bewunderte Potsdamer Modell auf, wie es Mike Schubert ausdrückt, „freundlichen Druck der Eltern und Träger“. Tatsächlich hatten zahlreiche Kita-Träger und die Elternvertreter gemeinsam gefordert, die geplanten Kita-Öffnungen nur unter gemeinsam erarbeiteten Sicherheitsmaßgaben anzugehen – wobei besonders die im Kitaelternbeirat organisierten Elternvertreter ohnehin auf eine geregelte Betreuung der Kinder gedrungen hatte. Seit Anfang Januar waren die Potsdamer Kitas im Gegensatz zu denen im Rest des Bundeslandes geschlossen gewesen, weil die Corona-Inzidenz zuvor auf über 300 gestiegen war.

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Entsprechend zufrieden zeigt sich dann auch der Potsdamer Kita-Elternbeiratsvertreter Robert Witzsche. „Es ist wichtig, dass hier gemeinsam eine Lösung gefunden wurde, wie die Kitas für alle sicher öffnen können“, so Witzsche. Auch er kann sich eine Erweiterung des Modells auf die Schulen – und auf die Kinder selbst – vorstellen. „Das kann jeder, man muss ja nur etwas Speichel sammeln und bei den Kleineren können die Eltern bei der Durchführung assistieren“, sagt Robert Witzsche.

Von Saskia Kirf