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Potsdam Geschäftsführung gesteht Fehler in der Corona-Krise ein
Lokales Potsdam Geschäftsführung gesteht Fehler in der Corona-Krise ein
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16:59 18.04.2020
Potsdams größtes Krankenhaus: das Ernst von Bergmann Klinikum. Quelle: Varvara Smirnova
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Potsdam

Kein Tag vergeht aktuell, an dem die Vorfälle am Ernst-von Bergmann-Klinikum in Potsdam nicht das Stadtgespräch bestimmen. In der Affäre um den Corona-Ausbruch in Potsdams größtem Krankenhaus hat sich nun die Leitung des Klinikums zu Wort gemeldet.

Dazu veröffentlichte die Geschäftsführung am Samstagnachmittag eine Pressemitteilung. Gleich zu Anfang wird darin eingeräumt, dass man die kritische Entwicklung vom 13. bis 26. März bezüglich des Corona-Ausbruchs nicht ausreichend erkannt habe. „Dabei sind tatsächlich nachgewiesene und registrierte Infektionen bei einzelnen Mitarbeitern nicht in einen inhaltlichen Zusammenhang gebracht und tiefgreifend analysiert worden. Dies betrifft insbesondere die Bereiche Nephrologie, Urologie, Geriatrie und Allgemeinchirurgie. Damit hätten im Rückblick unter Umständen noch fundiertere Entscheidungen getroffen werden können“, heißt es in dem Schreiben.

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Klinikleitung sichert transparente Aufarbeitung zu

„Wir stellen uns als Geschäftsführung unserer Verantwortung. Wir haben für das Misstrauen des Gesundheitsamtes und des Oberbürgermeisters absolut Verständnis – auch für Verfügungen und Anordnungen“, teilte Steffen Grebner, Geschäftsführer des Klinikums am Samstag mit. Man werde etwaige Versäumnisse – insbesondere im Zeitraum vom 13. bis 26. März – transparent aufarbeiten und aktiv informieren. Zugleich werde das Klinikum die Kooperation und den Austausch mit dem Gesundheitsamt und der Stadt weiter intensivieren, sicherte er zu.

Er betonte, dass das Klinikum nicht bewusst entscheidende Informationen zurückgehalten habe. Man werde aber nun auch die bisherige Kommunikationsstrategie kritisch hinterfragen. Der Geschäftsführer bedauere, dass aufgrund der aktuellen Diskussionen der „selbstlose, unermüdliche und verantwortungsvolle Einsatz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Hintergrund getreten“ sei. „Hinter diesem Engagement stehen wir mit voller Überzeugung. Um es klar zu sagen: Unsere Mitarbeiter machen einen hervorragenden Job für die Patienten“, so Steffen Grebner.

Affäre um Bergmann-Klinikum beschäftigt unterschiedliche Instanzen

Im März war die Zahl der Corona-Infektionen im Bergmann-Krankenhaus stark angestiegen. Auch zahlreiche Mitarbeiter infizierten sich mit dem neuartigen Virus. Noch in der vergangenen Woche konstatierte das Robert-Koch-Institut in einem Bericht zur Corona-Lage in der Klinik, dass der Ausbruch der Krankheit im Haus noch immer nicht unter Kontrolle sei.

Bei der Staatsanwaltschaft Potsdam ist mittlerweile auch eine Strafanzeige wegen fahrlässiger Tötung gegen die Geschäftsführung und einige Ärzte des Potsdamer Klinikums „Ernst von Bergmann“ eingegangen. Gestellt wurde sie von der Deutschen Stiftung Patientenschutz.

Bereits am Samstagvormittag hatte sich der Hauptausschuss der Landeshauptstadt mit den Vorfällen am Bergmann-Klinikum beschäftigt. In einer Sondersitzung wurde unter anderem eruiert, wie gut die Stadtspitze über die Vorgänge informiert war und wie es zu dem Corona-Ausbruch im zentralen Potsdamer Krankenhaus kommen konnte.

In den Potsdamer Krankenhäusern sind aktuell 98 Covid-19-Patienten, 16 auf den speziellen Intensivstationen behandelt, 14 werden künstlich beatmet.

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Von MAZonline