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Potsdam Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Klinikum wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung
Lokales Potsdam

Corona im Bergmann-Klinikum: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Klinikum wegen fahrlässiger Tötung

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15:18 15.06.2020
Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Die Staatsanwaltschaft Potsdam hat gegen drei leitende Mediziner und die zwischenzeitlich beurlaubte Geschäftsführung des Potsdamer KlinikumsErnst von Bergmann“ ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung im Zusammenhang mit dem COVID-19 Ausbruchsgeschehen in der Einrichtung eingeleitet. Darüber informiert die Staatsanwaltschaft in einer Pressemitteilung.

„Aufgrund der Erkenntnisse und Feststellungen des Gesundheitsamtes, die sich teilweise mit den Erkenntnissen und Bewertungen in dem Analysebericht des Ernst von Bergmann Klinikums vom 20.5.2020 decken, bestehen zureichende tatsächliche Anhaltspunkte, dass sich Patienten während ihrer stationären Behandlung in dem Krankenhaus durch pflichtwidrige Versäumnisse der Beschuldigten mit dem SARS-CoV-2 Virus vermeidbar infiziert haben und ein Teil von ihnen infolge der hervorgerufenen Infektion an Covid-19 verstorben sind“, heißt es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft.

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Verdacht gegen Geschäftsführer und Ärzte

Die Beschuldigten sind über ihre Anwälte informiert worden. Den Oberbürgermeister hat der Staatsanwalt persönlich in Kenntnis gesetzt.

Die Geschäftsführung steht laut Staatsanwaltschaft im Verdacht, „schon im Vorfeld des Ausbruchsgeschehens und nach dem nosokomialen Ausbruch die geeigneten und ihnen möglichen organisatorischen Maßnahmen entweder nicht oder nicht rechtzeitig ergriffen zu haben“. Weiterer Vorwurf: Es wurde versäumt, im „Ausbruchsmanagement kompetente Personen in die Krankenhauseinsatzleitung zu integrieren“.

Der wesentlich Vorwurf gegen die beschuldigten Ärzte: Erkrankungen oder Verdachtsfälle seien pflichtwidrig nicht oder verspätet an das Gesundheitsamt gemeldet worden. „Dadurch“, so die Staatsanwaltschaft, „soll es dem Gesundheitsamt nicht möglich gewesen sein, Rückschlüsse auf eine epidemiologische Lage zu ziehen und Maßnahmen zur Verhinderung oder Begrenzung eines COVID-19 Ausbruchsgeschehens zu ergreifen oder anzuordnen, wodurch möglicherweise Infektionen oder gar der Tod von Patienten hätte verhindert werden können.“

Oberbürgermeister warnt vor pauschaler Verurteilung

Der Oberbürgermeister meldete sich ebenfalls mit einer Pressemitteilung zu Wort. Die Staatsanwaltschaft müsse die Frage der Verantwortung klären und bewerten, erklärt Schubert, betont aber: „Es geht nicht um eine pauschale Verurteilung des Krankenhauses und der Mitarbeitenden.“ In den vergangenen Wochen sei im Klinikum hart daran gearbeitet worden, Vertrauen zurückzugewinnen. „Die Stadt wird mit ihrem Klinikum weiter daran arbeiten, die medizinische Versorgung in der Region auf hohem Niveau abzusichern.“

Von MAZonline/off

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