Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam DDR-Kunstwerke: Das sind die ersten Bilder von der neuen Familie Grün
Lokales Potsdam DDR-Kunstwerke: Das sind die ersten Bilder von der neuen Familie Grün
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:09 08.07.2019
Keramikerin Kerstin Becker (l.) und Künstler-Tochter Katja Buhlmann mit der Kopie des Jungen. Quelle: Stefanie Rogge/LHP
Innenstadt

Mit der Familie Grün, der Transparenten Weltkugel und den Staudenhof-Skulpturen kehren in den kommenden Monaten einige der populärsten Potsdamer DDR-Kunstwerke in den Stadtraum zurück. Das hat Rathaus-Sprecherin Christine Homann auf MAZ-Anfrage angekündigt.

Die Staudenhof-Skulpturen sollen voraussichtlich im März 2020 am Bootshafen auf der Freundschaftsinsel platziert sein. Ziel für die Rückkehr der Familie Grün in die Brandenburger Straße ist das vierte Quartal 2019 oder das erste Quartal 2020.

Der neue Platz für die Transparente Weltkugel wurde schon vor einem Jahr abgesperrt. Im Hintergrund die Moschee. Quelle: Bernd Gartenschläger

Am weitesten fortgeschritten ist nach Angaben der Rathaussprecherin die Rückkehr der Transparenten Weltkugel von Christian Roehl (1940-2013) und Günther Junge. Am 15. August soll sie an ihrem neuen Standort neben dem Marktcenter an der Breiten Straße gegenüber der Moschee

präsentiert werden.

Seit 1977 stand die Metallskulptur mit ihren fünf Metern Durchmesser an der Friedrich-Ebert-Straße vor dem damals neuen Innenstadt-Ensemble mit Wissenschaftlicher Allgemeinbibliothek und dem Institut für Lehrerbildung (IfL).

Vor dem Umbau der Bibliothek und dem Abriss der Fachhochschule im früheren IfL wurde die Weltkugel 2010 auf einen Bauhof in Drewitz abtransportiert.

Abtransport der Transparenten Weltkugel im Herbst 2010. Quelle: Joachim Liebe

Nach Mitteilung des mit der Rekonstruktion beauftragten Metallkünstlers Torsten Theel, der die Werkstatt von Christian Roehl in Stahnsdorf übernommen hat, ist die Weltkugel mittlerweile nach aufwendiger Aufarbeitung in ihre Einzelteile zerlegt und transportfertig.

Über den neuen Platz für die Weltkugel, die von der berühmten Feuerbachthese von Karl-Marx („Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern“) als Äquator und dem Schlusssatz aus Goethes Faust II. (“Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis“) als Meridian markiert wird, ist lange gestritten worden.

Der mit fast 100.000 Euro enorme Kostenaufwand für die Rekonstruktion ist nach Einschätzung von Fachleuten auch durch den unsachgemäßen Abtransport verursacht worden.

Reparatur an der Familie Grün in der Brandenburger Straße mit Carola Buhlmann und Joachim Buhlmann im Oktober 2005. Quelle: Michael Hübner

Die Ende der 1970er Jahre von der Fahrländer Keramikkünstlerin Carola Buhlmann geschaffene Figurengruppe Familie Grün, die 1980 nach der Komplettsanierung der Klement-Gottwald-Straße (heute Brandenburger) an der Ecke Otto-Nuschke-Straße (heute Lindenstraße) aufgestellt wurde, musste 2013 ins Depot gebracht werden, um sie vor der völligen Zerstörung zu bewahren.

Immer wieder war das Ensemble mit Vater, Mutter und Sohn durch Unfälle etwa mit rangierenden Fahrzeugen oder durch Vandalismus beschädigt worden. Der Junge musste 2008 schon einmal komplett neu modelliert werden.

Das Signal zum Abtransport aber kam, nachdem Experten festgestellt hatten, dass erodierendes Eisen im Inneren der Figuren komplette Körperpartien absprengte.

Die MAZ hat über die Kunstwerke im Laufe der Jahre immer wieder berichtet. Hier einige Bild-Impressionen.

Die geborgenen Figuren liegen seither in der Werkstatt der Baudenkmalpflege Roland Schulze in Babelsberg. Zur geplanten Neuaufstellung in einem geschützten Raum soll laut Homann bis Ende des Jahres in Absprache mit der Künstlerfamilie Buhlmann eine Entscheidung getroffen werden.

Familie Grün in der Werkstatt der Baudenkmalpflege Roland Schulze mit Michael Roth. Quelle: Bernd Gartenschläger

Für die Brandenburger Straße aber werden jetzt von der Zossener Keramikerin Kerstin Becker robustere Kopien hergestellt. Die Figuren seien bereits modelliert, so die Rathaussprecherin, und „müssen jetzt längere Zeit unter regelmäßiger Befeuchtung langsam trocknen und werden dann erstmals gebrannt. Im Anschluss wird die Glasur aufgetragen und es erfolgt der Glattbrand.“ Wegen des schwierigen Arbeitsprozesses lasse sich derzeit noch kein exakter Termin für die Neuaufstellung benennen.

Die 1975 von Jürgen von Woyski (1929-2000) für den Staudenhof geschaffenen Skulpturen „Stehende unter Baldachin“, „Pflanzenturm“ und „Sitzendes Mädchen“ wurden vor dem Abriss der Fachhochschule und des Staudenhofs auf dem Neuen Friedhof zwischengelagert. Über einen neuen Platz für die Plastiken ist lange verhandelt worden. 

Die Woyski-Skulpturen „Sitzendes Mädchen“ und „Pflanzenturm“ auf dem Neuen Friedhof. Quelle: Varvara Smirnova

Die vom Beirat für Kunst im öffentlichen Raum empfohlene Platz auf der Freundschaftsinsel wurde von Denkmalpflegern abgelehnt, der Neue Friedhof scheiterte am Protest von Linken und Anderen, die von den Linken angeregte Integration in die neue Potsdamer Mitte wurde von einer bürgerlichen Mehrheit abgelehnt.

In Kürze soll es zu den Woyski-Figuren laut Homann eine erste Bauberatung der zuständigen Fachbereiche zur Standortprüfung geben. Im September sei der Bauantrag geplant, mit der Genehmigung rechne die Stadt im Dezember.

Potsdam und die Kunst im öffentlichen Raum

Der Umgang mit Kunst im öffentlichen Raum ist in Potsdam immer wieder ein umstrittenes Thema. Als beratendes Gremium gibt es einen Beirat für Kunst im öffentlichen Raum, doch die letzte Entscheidung treffen oftmals die Kommunalpolitiker.

Für Diskussionen sorgten etwa der Umgang mit der Wasserharfe von Christian Roehl, die vom Staudenhof zum Schillerplatz umgesetzt wurde, und mit dem von Roehl und Peter Rohn für das Haus des Reisens geschaffenen Flugschiff, das schließlich in die Schiffbauergasse kam.

Zu den aktuell offenen Fragen zählt etwa der Umgang mit dem Mosaik „Der Mensch bezwingt den Kosmos“, für das nach dem angekündigten Abriss des Rechenzentrums in der Breiten Straße ein neuer Platz gefunden werden muss.

Von Volker Oelschläger

Über Tage hinweg hielten sie sich an ihrer Hoffnung fest – nun haben Familie und Betreuer erfahren, dass die aus ihrem Pflegeheim auf Hermannswerder verschwundene Seniorin Ursula M. wohl tot ist.

08.07.2019

In der Baustelle der A10 bei Michendorf wird es ab dieser Woche noch enger. Wegen Arbeiten an den Ausfahrten gibt es Spur-Sperrungen.

08.07.2019

Die Fraktion Die Andere setzt sich für das Terrassenhaus ein und fordert eine neue Untersuchung über die Kosten eines Abrisses und Neubaus im Vergleich zu einer Sanierung des ungewöhnlichen Hauses an der Nuthestraße.

08.07.2019