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Potsdam DJ Udo lud zur Diskothek ins „Minsk“
Lokales Potsdam DJ Udo lud zur Diskothek ins „Minsk“
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18:10 04.06.2018
in diesem Beatquartett sammelte Gerd-Udo Schmidt in den 1960ern erste musikalische Erfahrungen als Schlagzeuger. Quelle: privat
Drewitz

Wenn Gerd-Udo Schmidt im „Minsk“ auflegte, trug er Lackschuhe, feine Hose und Weste, alles in schwarz. Dazu ein Lurex-Hemd mit eingewobenen Metallfäden, das so glitzerte, wie es sich für einen DJ gehört. Fast ein Jahrzehnt lang war Schmidt mindestens zwei Abende in der Woche im Restaurant auf dem Brauhausberg für die Musik verantwortlich. „Ich habe einen großen Teil meiner Freizeit dort verbracht“, sagt der 69-Jährige.

100 Ost-Mark verdiente der Schallplattenunterhalter am Abend

Täglich wurde im „Minsk“ getanzt. „Erst gab es ab 19 Uhr eine Stunde Hintergrund-Musik und dann bis 23 Uhr Tanz. Am Wochenende war um 1 Uhr Schluss“, erinnert sich Schmidt. 100 Mark nahm der Bau-Ingenieur in seinem Nebenberuf als Schallplattenunterhalter pro Abend ein.

Großartige private Momente hat es im „Minsk“ auf dem Brauhausberg gegeben. Gerd-Udo Schmidt war dort über Jahre Stamm-DJ. Regine Miks feierte dort noch kurz vor dem Mauerfall die Hochzeit ihrer Tochter mit einem Italiener.

Dank zweier Bekannter kam er Ende 1977 an den lukrativen Job. „Zwei Kollegen von mir, ebenfalls Bau-Ingenieure und DJs, waren von der Gaststättendirektion seit der Eröffnung des Hauses gebucht. Die waren bald satt, weil sie jeden Tag antreten mussten, und da wurde ich angesprochen. Wir drei waren dann für Jahre die Stammmannschaft“, sagt Schmidt.

Die Jugend wollte rein – kam aber nicht ins „Minsk

Der Andrang zu den Tanzabenden war groß. „Die Abende im ,Minsk‘ waren anders. Das war kein Jugendtanz. Die wollten vielleicht, kamen aber nicht rein. Wir hätten damals schon den Begriff Ü30 prägen können“, sagt er.

Schmidt stammt aus Brandenburg an der Havel. Als Schlagzeuger einer Beat-Gruppe machte er in den Sechziger Jahren erste musikalische Erfahrungen. Beim Ingenieursstudium in Magdeburg saß er im Studentenclub erstmals hinter Plattentellern. Seit 1972, da war er 24 Jahre alt, war er als staatlich geprüfter Schallplattenunterhalter im Land unterwegs.

In seiner Drewitzer Wohnung hat der 69-Jährige viele Erinnerungen aufgehoben. Quelle: Peter Degener

Der DJ-Tisch des Minsk war das „U-Boot“

In einem bunt verzierten und gepflegten Erinnerungsalbum finden sich Partybilder von Falkensee bis Werder. Er legte auf Faschingspartys, Frauentagsfeiern und Betriebsfesten auf. „Ich hatte mein eigenes Equipment. Mischpult, Tonbandgeräte, Plattenspieler und zwei Boxen, die genug Druck für Säle bis 400 Personen brachten“, erinnert sich Schmidt. Doch im „Minsk“ war das alles natürlich vorhanden. „Dort gab es das U-Boot, so nannten wir den DJ-Tisch. Dort waren die Abspielgeräte, ein Mikrofon und von dort konnten wir auch die Lichtanlage kontrollieren.“

Flair und Ausblick statt Kneipenqualm

Beim Blick zurück in die 1980er- Jahre kommt Schmidt ins Schwärmen. „Der Blick auf Potsdam und das Flair an der Bar – das war keine verqualmte Kneipe“, beschreibt Schmidt die besondere Atmosphäre. Sogar internationale Begegnungen hatte er dort. Im Oktober 1979 kam an einem Abend eine Gruppe Iraker an sein „U-Boot“. „Die wünschten sich ,Rivers of Babylon’ und weil ich das parat hatte, wurden wir an diesem Abend gute Freunde.“

Des DJs größter Schatz – Westberliner Musiksendungen im Radio

Doch manches war auch im „Minsk“ wie in jeder anderen Ost-Disco: „Die FDJ schickte Typen in die Garderobe, die von unten hörten, was ich oben spielte“, erzählt er. Das Verhältnis von 60 zu 40 zwischen ostdeutschen und westlichen Songs sollte möglichst eingehalten werden. Als geprüfter DJ konnte Schmidt zwar bevorzugt in Plattenläden einkaufen, doch sein größter Schatz war das Radio.

Alte Tonbänder und ein Ordner voll maschinengetippter Listen mit den aufgenommen Songs – Schmidt hat alles noch griffbereit. Quelle: Peter Degener

„Ich hörte ständig die Musiksendungen der Westberliner Sender, da konnte ich die neuestens Hits aufnehmen“ sagt Udo und zieht eine Schublade in seinem Drewitzer Wohnzimmer auf. Dutzende großformatige Orwo-Tonbänder lagern darin. In einem Order sind die darauf gespeicherten Songs in Tabellen mit der Schreibmaschine dokumentiert. Auch die alte Technik hält er noch immer in Ehren.

Nach 1990 betrat DJ Udo das „Minsk“ nie wieder

Bis 1986 legte DJ Udo im „Minsk“ auf. Nach 1990 war er nie wieder in dem Gebäude. „Ich hab hin und wieder hingeschaut aber reingehen würde ich heute nicht mehr. Ich will die positiven Erinnerungen nicht aus meinem Kopf verdrängen“, sagt Schmidt.

Von Peter Degener

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