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Potsdam Investor will Villa Hoffbauer bauen
Lokales Potsdam Investor will Villa Hoffbauer bauen
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18:26 19.08.2019
Die 1945 zerstörte Villa Hoffbauer war das Wohnhaus des Fabrikanten Hermann Hoffbauer und befand sich am Ende des Stadtkanals nahe der Kiezstraße. Quelle: Archiv Hoffbauer Stiftung
Innenstadt

Die Villa des Fabrikanten Hermann Hoffbauer in der heutigen Hoffbauerstraße könnte wieder aufgebaut werden. Der Potsdamer Mediziner Daniel Panzer bestätigte, dass er das 1868 gebaute und 1945 zerstörte Gebäude neu errichten möchte. „Ich möchte das alte Ensemble und diesen einst wichtigen Treffpunkt der Potsdamer Gesellschaft wiederherstellen“, sagte Panzer am Montag der MAZ. „Es gibt aber noch keine konkreten Planungen oder Bauanträge, denn mir fehlt ein schmaler Grundstücksstreifen, der dem Land Brandenburg gehört“, so Panzer.

Für die Übertragung dieses Landstreifens an Panzer gibt es allerdings ein Hindernis, über das zuerst die Bild-Zeitung berichtet hatte: Der notwendige, nur rund zwei Meter breite Streifen ist Teil eines Parkplatzes am Rand des Behördenstandorts. Genau dort könnte aber ein abgeschotteter Neubau für den Verfassungsschutz des Landes entstehen. „Nach meiner Kenntnis soll dort ein Bau mit fünf Meter breitem Sicherheitsstreifen und sechs Meter hohem Zaun entstehen. Das halte ich an dieser Stelle zum einen für völlig unsensibel, aber der Sicherheitsabstand verhindert auch den Wiederaufbau der Villa Hoffbauer“, so Panzer.

Innenministerium: noch keine konkrete Planung

Das Innenministerium, wo der Verfassungsschutz angesiedelt ist, bestätigt: „Wir planen mittelfristig einen Neubau für den Verfassungsschutz, nicht nur um zusätzliches Personal unterzubringen, sondern auch wegen der Sicherheitsvorkehrungen“, sagte Ministeriumssprecher Ingo Decker der MAZ. Ob der Neubau tatsächlich an dieser Stelle und mit einem Sicherheitsstreifen samt hohem Zaun vorgesehen ist, wollte Decker nicht bestätigen. „Es gibt noch keine konkreten Planungen und zur Frage des Standortes äußern wir uns nicht“, so Decker weiter. Frühestens 2021 werde darüber eine Entscheidung getroffen.

Der gesamte Behördenstandort des Landes am Lustgarten soll neu geordnet werden. Beim Finanzministerium, das für die Liegenschaften des Landes verantwortlich ist, heißt es: „Es laufen umfangreiche Vorarbeiten. Wir überlegen, wie wir die Landesbehörden dort unterbringen, die von der Heinrich-Mann-Allee dorthin ziehen sollen.“ Zum Streit um den Grundstücksstreifen für die Villa Hoffbauer sagte eine Sprecherin des Finanzministeriums: „Der Neubau der Villa Hoffbauer sollte auch ohne Landesliegenschaften möglich sein.“

Das Erbe von Hermann und Clara Hoffbauer

Das Ehepaar Hoffbauer ist in Potsdam heute vor allem durch die gleichnamige Stiftung bekannt, die auf Hermannswerder ihren Sitz hat.

Hermann Hoffbauer (1819–1884), nach dem die Halbinsel heute benannt ist, machte als Textil- und Teppichfabrikant ein Vermögen. Noch zu Lebzeiten entschied er mit seiner Frau Clara, eine Stiftung zu gründen.

1901 wurde die Stiftung von Hoffbauers Witwe gegründet. Sie umfasst heute Kitas, Schulen, Fachhoch- und Berufsschulen, sowie Pflegeeinrichtungen in ganz Brandenburg.

Die einstige Straße An der Gewehrfabrik am Ende des Stadtkanals, wo auch die Villa stand, heißt heute Hoffbauerstraße.

Neben dem Grundstückseigentümer Panzer und dem Land gibt es noch einen dritten Beteiligten – die Stadt Potsdam. Dort ist man für einen Teil der Misere mitverantwortlich. Denn Panzers Grundstück machte bereits 2014 Schlagzeilen, als er es vom Land für nur 17 000 Euro erwarb. Noch vor der Übertragung stellte sich jedoch heraus, dass ein Teil davon das Bett des zugeschütteten Stadtkanals umfasste. Die Verwaltung hatte ihr Vorkaufsrecht trotz der städtebaulichen Bedeutung nicht genutzt. Um den Wiederaufbau des Kanals noch zu sichern, verhängte die Stadt eine Veränderungssperre, legte den Bebauungsplan 144 auf und ließ sich einen Teil des Grundstücks, der die Straße umfasste, zuordnen.

Die von Panzer geplante Wohnbebauung war auf dem verbliebenen Rest nicht mehr zu realisieren und so ging Panzer vor Gericht – gegen das Land, welches ihm ein Areal verkauft habe, das durch die Intervention der Stadt gar nicht mehr in Landesbesitz gewesen sei. Das Verfahren ruht derzeit, stattdessen läuft ein Mediationsverfahren, bei dem auch die Stadt am Tisch sitzt. Panzer würde von seinen ursprünglichen Plänen abrücken. Den Verlust des Grundstücksteils an die Stadt könnte er verschmerzen, wenn er mit Hilfe des fehlenden Grundstücksstreifens vom Land stattdessen die Villa Hoffbauer bauen könnte.

Stadt Potsdam unterstützt die Idee

Die Stadt Potsdam unterstützt das. Der Bebauungsplan 144 soll nun erstmals verändert werden. Seine Priorität in der Bauverwaltung wurde Anfang des Jahres heraufgestuft. Als Grund wird genannt, dass „die beabsichtigte denkmalgerechte Wiederherstellung der Villa Hoffbauer planungsrechtlich gesichert werden soll.“ Nun muss sich das Land über die zukünftige Nutzung ihrer großen Liegenschaft und den konkreten Standort des Hochsicherheits-Neubaus für den Verfassungsschutz klar werden.

Von Peter Degener

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