Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Das Böse steht nackt und bloß
Lokales Potsdam Das Böse steht nackt und bloß
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:45 15.06.2013
Problemfamilie: Rita Feldmeier (Deborah), Christoph Hohmann (Mendel Singer), Alexander Finkenwirth (Schemarjah), Patrizia Carlucci (Miriam). Quelle: Böhme
Potsdam

Am Anfang ist es nur das enge Fenster, das den Blick freigibt auf eine kerzenbeschienene Welt. Wir sind in der Küche des Lehrers Mendel Singer. Er ist der Held von Joseph Roths Buch „Hiob“. Das Potsdamer Hans-Otto-Theater zeigt in der Reithalle eine Bühnenfassung des 1930 entstandenen Textes. Der Erfolgsautor Roth (1894–1939), ein rastloser Mensch, der seine jüdisch-galizischen Wurzeln weit hinter sich gelassen hat, kehrt hier noch einmal an seinen Ursprung zurück.

„Gott hatte seinen Lenden Fruchtbarkeit verliehen, seinem Herzen Gleichmut und seinen Händen Armut“, sagt Roth über Mendel. Dessen Leben rinnt im Schtetl-Alltag dahin. Bis vierte Kind kommt. Der kleine Menuchim ist schwer behindert. Die Mutter (Rita Feldmeier) wendet sich mit Hingabe dem Sorgenfall zu, vernachlässigt die anderen. Und hofft auf das Wunder der Genesung, das der Rabbi vorausgesagt hat. Im Warten zerfällt die Familie. Erst gehen die Söhne eigene Wege, dann bricht auch die Tochter aus den Konventionen aus.

Roth erzählt das alles in einer kraftvollen Sprache, von der eine eigenwillige Ruhe ausgeht. Die Inszenierung von Michael Talke kehrt diesen Grundgestus zuweilen in sein Gegenteil. Da geht es laut und hektisch zu, wird geschrien und gerannt. Das Böse, das Roth poetisch bemäntelt, steht hier nackt und bloß, so, wenn die Geschwister den problembeladenen Nachzügler fast zu Tode quälen. Die Schauspieler haben es dabei nicht leicht. Vor allem die älteren Söhne, Alexander Finkenwirth und Eddie Irle, erscheinen eher holzschnitthaft. Und dem Jüngsten (Friedemann Eckert) bleibt im ersten Teil nichts, als sich hilflos auf dem Bühnenboden zu winden. Wenigstens Patrizia Carlucci kann das Flirrende der Tochter Miriam, die ihr Glück bei Kosaken sucht, ausspielen.

Es ist eine Welt im Zerbrechen, die am Beginn des 20. Jahrhunderts schon den Untergang atmet. Aber noch gibt es eine Hoffnung, und die heißt Amerika. Ausstatterin Barbara Steiner taucht die Bühne nach der Überfahrt in grelles Neonlicht. Doch der Traum zerrinnt. Am Ende hat Mendel keine Söhne mehr, die Tochter wird irre, die Frau stirbt.

An diesem Punkt setzt Roth, einst eher Stimme der Linken, auf die Kraft des biblischen Wunders. Wie Hiob im Alten Testament lässt er Mendel erfahren, dass Leiden nicht sinnlos sind. Wer durchhält, wird belohnt, so seine Botschaft. Wie Phönix aus der Asche kommt der längst abgeschriebene Menuchim nicht bloß als Geheilter, sondern als erfolgreicher Musiker zum Vater. Am Schluss kann Christoph Hohmann dem Mendel, der bis dahin nur Chronist seiner Selbst ist, schauspielerisches Format geben. Anrührend seine Klage um den Tod der Frau, von hoffnungsvoller Kraft seine finale Sentenz, dass er nun ausruht „von der Schwere des Glücks und der Größe der Wunder“.

Von Frank Starke

Nächste Aufführung: 19. Juni, 19.30 Uhr, Hans-Otto-Theater Potsdam, Reithalle, Schiffbauergasse, Karten: Tel. 0331/98118.

Potsdam Potsdam: Polizeibericht vom 14. Juni - Falsche Handwerker und Schornsteinfeger unterwegs

+++ Falsche Handwerker in Potsdam unterwegs - Zwei Rentnerinnen fallen auf Betrüger rein +++ Kollision bei Fahrbahnwechsel hat morgendlichen Stau im Berufsverkehr zur Folge +++

14.06.2013
Potsdam Verkehrsprognose für Potsdam vom 17. bis zum 23. Juni 2013 - Polizei überwacht Lkw-Fahrer in der Nuthestraße

Auf Grund der vielen Staus auf den Potsdamer Hauptstraßen appellierte die Stadtverwaltung vor Kurzem an die Bürger: „Nutzen Sie das Rad, den Öffentlichen Personennahverkehr. Lassen Sie, wann immer möglich, Ihr Auto stehen.“ Wo es diese Woche eng wird, erfahren Sie hier. 

14.06.2013

Es soll die heißeste Nacht des Potsdamer Sommers werden. Auf dem 24-Stunden-Event präsentieren sich zahlreiche Künstler und Wissenschaftler.

14.06.2013